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München - Fußballdeutschland erlebt eine Renaissance der Torjäger, die Bundestrainer Jogi Löw die Freudentränen in die Augen treiben dürfte. Denn mit Mario Gomez (15 Treffer), Lukas Podolski (14) und Marco Reus (10) sind gleich drei Nationalspieler unter den fünf besten Ballermännern der Bundesliga.

Besonders Bayern-Stürmer Gomez und Köln-Star Podolski, die sich im Freitagabendspiel gegenüberstehen (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio), wandeln in dieser Spielzeit auf historischen Pfaden. Mit 15 Treffern stellte Gomez bereits nach 16 Spieltagen eine neue persönliche Bestmarke für eine Hinrunde auf. Podolski erzielte mit 14 Treffern bereits so viele Tore wie nie zuvor in einer kompletten Bundesligasaison. Die beiden Angreifer befinden sich in der Form ihres Lebens.

"Mein Torerekord ist mir nicht so wichtig"

"Wenn man in 15 Spielen 14 Tore macht, dann freut man sich natürlich", sagt Podolski. "Mein Torerekord ist mir aber nicht so wichtig."

Dabei sind die 14 Treffer in der Hinrunde für den 26-Jährigen ein schier unglaublicher Wert, steigerte er sich doch in der Regel erst nach der Winterpause: Vor dieser Saison hatte er in den Hinrunden zusammen gerechnet nur 15 Mal getroffen - im abschließenden Spiel in München kann er diesen Wert also einstellen. Nie zuvor erzielte Podolski in einer Hinrunde mehr als vier Treffer, nun sind es bereits jetzt schon mehr als dreimal so viele. Als "Weltklassespieler" hat ihn sein Trainer Stale Solbakken kürzlich geadelt.

Podolski ist so aktiv wie nie: 45 Torschüsse gab er nach 16 Spieltagen ab, mehr als in jeder kompletten Hinrunde zuvor. Dabei legt er ungeahnte Kaltschnäuzigkeit an Tag: Nur drei Torschüsse benötigte Podolski für einen Treffer und nutzte alle Großchancen. Seine größte Waffe ist dabei sein linker Fuß.

Eine Waffe, von der jeder weiß

Obwohl diese Stärke eigentlich bekannt sein sollte, ist der kaum zu verteidigen. Alle 14 Saisontreffer und 43 seiner 45 Torschüsse gab er mit seinem Paradefuß ab - diese Stärke hat er in dieser Saison fast zur Perfektion gebracht. Diese Stärke ist auch beim kommenden Gegner bekannt, für den er von 2006 bis 2009 stürmte.

"Wenn ich so einen linken Fuß gehabt hätte wie Lukas Podolski, hätte ich nicht 220 Bundesliga-Tore gemacht, sondern 500", sagt Bayern-Coach Jupp Heynckes. Und FCB-Kapitän Lahm betont: "Dass er torgefährlich ist und einen sehr guten linken Fuß hat, weiß jeder. Wir dürfen ihm keine Räume bieten, damit es schwer wird für ihn."

Hinten "Prinz Poldi" in den Griff zu bekommen, dürfte für die Münchner schon die halbe Miete sein. Im Angriff wird es Goalgetter Gomez schon richten. Der gebürtige Riedlinger weckt beim FC Bayern Erinnerungen an eine Zeit, in der die Fußballschuhe noch schwarz und die Bälle noch aus Leder waren. Der letzte Bayern-Profi, der in einer Hinrunde mindestens 15 Treffer erzielte, war Gerd Müller in der Saison 1977/78. Der "Bomber" traf damals 16 Mal in der Hinserie.

Wackelt Müllers Mega-Rekord?

Und beim Mega-Rekord von 40 Toren im Jahr 1971/72 hatte Müller nach der Hinrunde mit 17 Toren nur zwei Treffer mehr auf dem Konto als Gomez momentan. Sogar diese Fabelmarke könnte also wackeln.

Gomez selbst will davon aber nichts wissen. "Dieses Gerede interessiert mich nicht so. Wenn ich zwei Wochen nicht treffe, dann wird mir gleich eine kleine Krise eingeredet. Wenn ich dann wieder treffe, breche ich gleich den Rekord von Gerd Müller", meint er.

Von einer ernsthaften Krise kann seit längerem keine Rede mehr sein. 31 Ligatore gelangen Gomez saisonübergreifend im Jahr 2011. Schon fünf Mal brachte er die Bayern in dieser Saison mit 1:0 in Führung. "Ich habe ihn lange nicht so gut gesehen", lobt Club-Ikone Franz Beckenbauer

Neu ist Gomez' Stärke nach Standards: Fünf Treffer nach ruhenden Bällen waren ihm nie zuvor vor einer Winterpause gelungen. Sogar ein persönlicher Hinrundenrekord in Bezug auf Torschüsse ist für Gomez noch möglich: 53 Torschüsse gab der "Torero" aktuell ab, seine Bestmarke in einer Hinrunde aus der Saison 08/09 liegt bei 59 (damals noch für den VfB) - am Freitagabend gegen Köln muss er also noch sechs Mal abziehen, um diese Marke zu egalisieren.