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Es war der Abend des 11. April 2007, als der FC Bayern München sein bislang letztes Spiel in der Champions League bestritt. Das Viertelfinal-Rückspiel gegen den späteren Sieger AC Mailand ging mit 0:2 in der heimischen Allianz Arena verloren – ein Ergebnis, das nach dem 2:2 im Hinspiel das Aus für den deutschen Rekordmeister bedeutete.

Nach einem enttäuschenden 4. Platz in der Bundesliga-Spielzeit folgte eine Saison im UEFA-Pokal, in dem der FCB bis ins Halbfinale vorstieß, wo der russische Emporkömmling Zenit. St. Petersburg Endstation bedeutete.

Als amtierender Deutscher Meister 2008 kehrt die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann nun am Mittwoch gegen Steaua Bukarest (Mi, ab 20:30 Uhr im LIVE-Ticker) in die "Königsklasse" zurück. Durch einen 3:0-Auswärtssieg am vergangenen Samstag beim 1. FC Köln tankte die Mannschaft Selbstbewusstsein für das erste Spiel in der Gruppe F, wo sich neben den Bayern und Bukarest auch noch der AC Florenz und Frankreichs Serienmeister Olympique Lyon tummeln.

FCB-Manager Uli Hoeneß warnt im Interview allerdings vor den Rumänen und verrät, mit welchem Ergebnis er zufrieden wäre. Außerdem geht er noch einmal auf die Stürmerproblematik um Lukas Podolski ein und spricht über die Gefühlslage von Torjäger Luca Toni.

Frage: Herr Hoeneß, es gab in den vergangenen Tagen und Wochen viel Gerede um das Spiel des FC Bayern in Köln und der damit verbundenen Rückkehr von Lukas Podolski, der in München unzufrieden mit seinem Status als Stürmer Nummer drei ist. Sind Sie froh, dass das Auswärtsspiel in Köln nun hinter Ihnen liegt?

Uli Hoeneß: Ja, sicher. Allerdings habe ich das ganze Theater um unsere drei Stürmer nicht verstanden. Manche haben uns ja einerseits dafür kritisiert, dass wir nicht sogar noch einen vierten Stürmer gekauft haben. Auf der anderen Seite sollten wir Podolski abgeben – das war ja teilweise schon grotesk. Deswegen war ich froh, als die Transferliste am 1. September geschlossen wurde. Nun haben wir endlich wieder Ruhe im Verein. Jetzt ist außerdem auch das Spiel in Köln vorbei, so dass wir uns ganz auf die kommenden Aufgaben in der Champions League und in der Bundesliga konzentrieren können. Bis Weihnachten haben wir nur noch "Englische Wochen", da sollten wir um jeden Stürmer froh sein, den wir haben.

Frage: Sind Sie froh, dass Luca Toni nach den für ihn unglücklich verlaufenen Länderspielen mit Italien, als es Pfiffe gegen ihn gab, sich beim FC Bayern offensichtlich wohler fühlt und in der Bundesliga, wie gegen Köln, seine Tore macht?

Hoeneß: Ich freue mich sehr, dass München inzwischen offensichtlich zu seiner Heimat geworden ist. Früher hatte ich das Gefühl, dass ihm die Reisen zu den Länderspielen immer eine willkommene Abwechslung von München waren. Nun habe ich den Eindruck, dass er immer sehr gerne wieder nach München zurückkehrt. Es kommt ihm natürlich entgegen, dass in der Bundesliga viel mehr gespielt wird. In der italienischen Nationalmannschaft bekommt er ja hauptsächlich lange, hohe Bälle zugespielt, ohne dass jemand nachrückt. Das ist nicht sein Spiel. Hier wird der Gegner hinten rein gedrückt, im Strafraum ist immer viel los – da ist er immer da, das ist seine Stärke. Luca Toni wird immer Tore schießen. Den kann man nachts um drei Uhr wecken und in den Strafraum stellen, dann macht er sein Ding. Er weiß zwar nicht wie, aber der Ball ist im Tor.

Frage: Wie sehr freuen Sie sich auf Mittwoch, wenn nach einem Jahr im UEFA-Pokal bei Steaua Bukarest die Rückkehr des FC Bayern auf die große Bühne Champions League erfolgt?

Hoeneß: Ach, unsere Saison im UEFA-Cup war ja ganz ordentlich. Das hat mir gar nicht so schlecht gefallen. Wir waren verdient in diesem Wettbewerb, weil wir im Jahr zuvor nicht genug gearbeitet hatten. Aber ein Jahr im UEFA-Pokal ist auch genug, ich bin froh, dass wir in der "Königsklasse" zurück sind.

Frage: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Champions-League-Saison?

Hoeneß: Das wird schwer, schon im Auftaktspiel in Bukarest. Ich kenne die Mannschaft kaum, aber der Jürgen (Klinsmann, Anmerk. d. Red.) hat sich sehr intensiv mit ihr beschäftigt. Ich hoffe, dass wir dort einen guten Start erwischen, um unser Minimalziel, zumindest die Gruppenphase zu überstehen, zu erreichen. Danach sehen wir dann weiter.

Frage: Was wäre denn ein guter Start für Sie?

Hoeneß: Ich wäre mit einem Punkt zufrieden. Wenn du auswärts unentschieden spielst und zuhause gewinnst, kommst du immer weiter.

Aufgezeichnet von Denis Huber