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Als Spieler ging Bruno Labbadia in die Geschichte ein, weil er als einziger das Kunsstück fertig brachte, sowohl in der Bundesliga als auch in der 2. Bundesliga mehr als 100 Tore zu erzielen.

Der Ex-Stürmer ist inzwischen auch alsTrainer erfolgreich. Seit Sommer 2008 in Leverkusen im Amt, führte er Bayer nach 14 Spieltagen auf Platz 2. Am Samstag kommt es zum Topspiel gegen seinen Ex-Verein FC Bayern München (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio auf bundesliga.de).

Im TV-Interview auf der Leverkusener Webseite spricht er über die Niederlage am vergangenen Spieltag in Bielefeld, erklärt die Bedeutung einer Siegermentalität, verrät sein Erfolgsrezept, um gegen den deutschen Rekordmeister zu bestehen und wagt eine Prognose, wo die Werkself am Saisonende landen wird.

Frage: Herr Labbadia, mussten Sie die Trainingsarbeit in der Vorbereitung auf das Spiel gegen Bayern München angesichts der ärgerlichen 1:2-Niederlage in Bielefeld umstellen?

Bruno Labbadia: Nein, gar nicht. Wir haben im Trainerteam das Spiel aufgearbeitet und klar erkannt, warum wir verloren haben.

Frage: Woran lag's?

Labbadia: Wir hatten zwar 65 Prozent Ballbesitz, aber wir hatten kein Tempo in unseren Aktionen und haben nicht unseren Fußball gespielt. Außerdem haben wir nicht die Bereitschaft an den Tag gelegt, die uns in den letzten Wochen ausgezeichnet hat. Unser Spiel sah zwar gefällig aus, aber wir haben einfach nicht unser Tempo abgerufen

Frage: Lag es also an der fehlenden Konzentration und Einstellung?

Labbadia: Naja, wir merken einfach in den Phasen mit den Länderspielen, dass wir eigentlich kaum richtig trainieren können. Da die Spieler auf Reisen waren, konnten wir erst am Freitag vor dem Bielefeld-Spiel zusammen arbeiten, mussten dabei aber auch darauf achten, dass die Belastung nicht zu hoch ist. Daher hatten wir nicht den richtigen Zug im Spiel, was sehr schade ist, , denn wir hätten gewinnen können. Aber der Gegner hat alles abgerufen, was er in sich hat, nämlich sehr diszipliniert aufzutreten, und hat am Ende verdient gewonnen

Frage: Ihre Mannschaft hat sich gegen "kleinere" Gegner wie Karlsruhe und Bielefeld schwer getan, gegen die "Großen" wie Schalke, Bremen und Wolfsburg aber gewonnen. Am Samstag tritt der FC Bayern München in der BayArena an. Tut sich Bayer gegen solche Teams leichter?

Labbadia: Das weiß ich nicht. Wir haben beim 3:0 in Karlsruhe ja auch schon 3:0 geführt, daher kann ich in dieser Frage kein Pauschalurteil abgeben. Sicher ist es für uns einfacher, wenn die Gegner mitspielen, aber andererseits muss man solche Spiele wie in Karlsruhe oder auch in Bielefeld gewinnen, wenn man ganz vorne landen möchte. Das ist uns bisher nicht gelungen, daher müssen wir den Lernprozess fortsetzen und gerade in solchen Partien ein Stück mehr Konzentration abrufen und nicht diese individuellen Fehler machen. Ein Gegner, der nur reagiert, wie zum Beispiel Bielefeld, wartet natürlich nur auf solche Fehler. Wir haben das zwar vorher angesprochen, aber trotzdem ist es uns nicht gelungen, sie abzustellen. Bei diesen Dingen müssen wir einfach den nächsten Schritt machen. Am Samstag müssen wir wieder eine stärkere Leistung abrufen, denn die Bayern sind von der Besetzung her nun mal die beste Mannschaft in der Bundesliga. Trotz der Schwächeperiode haben sie den absoluten Anschluss an die Spitze geschafft, daher wird es ein interessantes Spiel.

Frage: Wie stoppt man eine solche Mannschaft, die über überragende Einzelspieler und eine enorme Schnelligkeit, auch Handlungsschnelligkeit verfügt?

Labbadia: Indem man als Mannschaft funktioniert. Wir verfügen auch über diese Handlungsschnelligkeit im Team. Der FCB lebt im Moment sehr von Franck Ribery, aber auch von Ze Roberto, der sehr stark ist. Luca Toni ist ebenfalls wieder gut in Form. Da müssen wir als Mannschaft ein Stück stärker sein und dagegen halten, aber gleichzeitig auch unsere eigenen individuellen Fähigkeiten abrufen. Dann sehe ich durchaus Möglichkeiten für uns.

Frage: Als ehemaliger Bayern-Spieler kennen Sie die Siegermentalität des Rekordmeisters. Inwiefern haben Sie versucht, dieses "Mia san mia"-Gefühl, auf Leverkusen zu übertragen?

Labbadia: Wenn man ganz vorne landen will, dann muss man diese Mentalität in sich tragen. Man muss lernen, mit einer Selbstverständlichkeit irgendwohin zu fahren und nicht mit Überheblichkeit, aber mit Überzeugung zu sagen: Dort werden wir gewinnen. Das haben wir in dieser Saison schon ordentlich hinbekommen. Am vergangenen Samstag leider nicht, obwohl ich dachte, dass wir in dieser Hinsicht schon einen Schritt weiter sind. Der Glaube war da, aber die hundertprozentige Bereitschaft hat gefehlt. Das ist eines der wichtigsten Dinge, dass wir uns nicht nur körperlich auf ein Spiel vorbereiten, sondern auch mit dem Kopf. Das ist ein Prozess, der sich nicht nur über drei, vier Monate erstreckt. Wir haben bislang eine relativ schnelle Entwicklung an den Tag gelegt, wenn wir das beibehalten können, ist mit uns zu rechnen. Dafür werden wir viel investieren, grundsätzlich sind meine Spieler auf alle Fälle auf dem richtigen Weg.

Frage: Sie sind nun seit Sommer in Leverkusen, 14 Spieltage sind absolviert, Bayer steht auf Platz 2 und spielt sehr attraktiven und offensiven Fußball. Haben Sie erwartet, dass Sie auf Anhieb in der Spitzengruppe mitmischen können?

Labbadia: Es klingt natürlich immer blöd, wenn man so etwas im Nachhinein sagt, aber natürlich habe ich daran geglaubt. Sie haben vorhin nach der Siegermentalität gefragt - wenn man sie selber nicht hat, kann man sie auch nicht weitergeben. Ich mache diesen Job, weil ich immer ganz vorne landen möchte. Ich bin der absoluten Überzeugung - und das ist auch der Grund, warum ich zu Bayer gekommen bin -, dass man mit solch einem Verein die Möglichkeit dazu hat. Dazu muss alles passen, das habe ich auch immer gesagt, es muss alles zu nahezu 100 Prozent passen, aber das kann man mit sehr viel Arbeit auch unterstützen. Das haben wir bisher getan, deshalb war ich immer davon überzeugt, dass wir eine gute Saison spielen.

Frage: Wo sehen Sie Bayer nach dem 34. Spieltag?

Labbadia: Wie gut die Saison noch wird, hängt von drei Punkten ab: dass wir den engen Kader zusammen halten können, also von Verletzungen verschont bleiben; dass die Mannschaft weiterhin so bereit ist zu arbeiten; dass wir drittens die Lernprozesse weiterhin so intensiv durchführen, wie wir das bisher getan haben, damit wir nicht lange brauchen, um Dinge aufzuarbeiten. Wenn uns das gelingt, glaube ich fest daran, dass wir eine sehr, sehr gute Saison spielen.