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Inzwischen wird es Vedad Ibisevic selbst unheimlich. "Langsam bekomme ich Angst vor meinen eigenen Qualitäten", sagte der Top-Torjäger der Bundesliga nach einem wieder einmal perfekten Arbeitstag.

Nach dem 3:1-Auswärtssieg seines TSG 1899 Hoffenheim übernahm der Aufsteiger erneut die Tabellenspitze.

"Ich überlege nicht zu viel"

Der Bosnier, der auch unter der Woche beim 4:3-Sieg seiner Nationalelf gegen Slowenien zwei Mal traf, hatte zum Erfolg seiner Truppe seinen bereits fünften Doppelpack dieser Saison beigesteuert und ganz nebenbei auch noch den Assist zum Hoffenheimer Führungstreffer von Demba Ba gespielt. Nach 14 Spieltagen hat der 24-Jährige damit bereits kaum fassbare 16 Saisontreffer erzielt und sieben Tore vorbereitet.

"Meine 16 Tore sind unglaublich. Aber ich überlege nicht zu viel. Ich habe viel Selbstvertrauen, weil ich immer spiele", versucht Ibisevic seinen Lauf zu erklären. "Ich genieße die Zeit, die ich mit dieser Supertruppe habe. Sie erleichtert mir das Toreschießen."

"Er trifft einfach alles"

Der Mann ist ein Phänomen. Nach zuvor zwei eher durchwachsenen Jahren in Deutschland ist bei Vedad Ibisevic der Knoten dermaßen geplatzt, dass selbst seine Mitspieler verwundert den Kopf schütteln. "Das ist unglaublich. Er steht immer richtig und kann im Moment machen, was er will. Er hat einen Lauf und trifft einfach alles", staunt auch Kollege Tobias Weis.

Angesichts seiner rekordverdächtigen Quote fällt natürlich sofort der Name Gerd Müller. Der legendäre Bayern-Stürmer hält in Deutschland alle Rekorde in Sachen Tore, sowohl in der Bundesliga (365 Tore) als auch in der Nationalelf (68 Tore). Seine 40 Saisontreffer aus der Spielzeit 1971/72 sind bis heute unerreicht. Noch.

Müller-Rekord für Ibisevic kein Thema

"Okay, wenn man meine Quote hochrechnet, wären die 40 Tore drin", gesteht Vedad Ibisevic. "Aber darüber denke ich gar nicht nach. Das ist auch gar nicht mein Ziel. Ich will diese momentan perfekte Situation für mich nutzen, einfach weiterspielen und jedes Spiel gewinnen."

Den Namen Gerd Müller kennt er auch. "Ich kann mich aber mit ihm nicht vergleichen, ich habe ihn nie spielen sehen. Er ist eine ganz große Legende", gibt sich der 1,89 Meter große Stürmer bescheiden.

Ein Blick zurück

16 Tore nach 14 Spielen, gab es das überhaupt schon einmal in der Bundesliga-Geschichte? Wir haben in der Datenbank nachgeschaut und interessante Fakten entdeckt. Vedad Ibisevic ist der vierte Kicker, dem es gelang, in diesem Saisonabschnitt 16 Tore oder mehr zu erzielen.

Die Bestmarke hält - natürlich - Gerd Müller, der 1968/69 20 Mal den Ball ins Tor beförderte. 1976/77 brachte er es noch einmal auf 19 Tore. Ein gewisser Peter Meyer schaffte stattliche 17 Tore für Borussia Mönchengladbach (1967/68). Der Kölner Dieter Müller traf 1977/78, sowie Gerd Müller (1972/73) wie Ibisevic jeweils 16 Mal.

Kann Ibisevic die Quote halten?

Bemerkenswert ist auch, dass es keinem seiner drei Vorgänger auch nur annährend gelang, die Quote der ersten 14 Partien über die ganze Saison zu halten. In der Folgezeit traf Gerd Müller "nur noch" 10 Mal (1968/69) bzw. neun Mal (1976/77) und Dieter Müller gar "nur" acht Mal. Beiden reichte die Anzahl dennoch zum Gewinn der Torjägerkanone.

Peter Meyer hatte dagegen richtig Pech. Er schraubte damals seine Trefferzahl bis zum Ende der Hinrunde sogar auf 19 hoch und wurde Nationalspieler. Dann brach er sich in der Winterpause das Schien- und Wadenbein und kam in der Rückrunde nicht mehr zum Einsatz.

Ibisevic bleibt bescheiden

Wie auch immer. Einen Rekord hat Vedad Ibisevic schon jetzt sicher: Keinem Ausländer in der Bundesliga-Geschichte gelangen vor ihm zu diesem Zeitpunkt einer Saison 16 Tore.

"16 Tore nach 14 Spielen habe ich auch nicht erwartet. Ich werde einfach weiter ohne Druck spielen und schauen, was passiert", meint der Bosnier. An einen möglichen Titelgewinn Hoffenheims verschwendet er noch keinen Gedanken. "Über die Meisterschaft denke ich gar nicht nach."

Er sagt aber auch mit einem Funkeln in den Augen: "Unser Ziel vor der Saison war lediglich der Klassenerhalt. Das macht die Sache für uns jetzt leichter, weil wir ohne Druck weiterspielen können. Und genau das wollen wir tun." Die Konkurrenz sollte gewarnt sein.

Tobias Gonscherowski