ANZEIGE

Hamburg - Er kam in einer schweren Situation zum Hamburger SV. Markus Gisdol übernahm den Bundesliga-Dino am sechsten Spieltag auf dem vorletzten Tabellenplatz und schaffte mit dem HSV den Klassenerhalt am 34. Spieltag aus eigener Kraft. Deshalb ist er einer der Köpfe der Saison.

>>> Alle Transfers der Bundesliga auf einen Blick

Es lief die 88. Spielminute im Hamburger Volksparkstadion. Im letzten Spiel der Saison stand des zwischen dem HSV und dem VfL Wolfsburg 1:1. Mit diesem Resultat hätte der HSV zum dritten Mal in vier Jahren den Umweg über die Relegationsspiele nehmen müssen. Doch es kam anders, denn Trainer Markus Gisdol hatte an diesem Samstag einen tolle Idee. Er wechselte zwei Minuten zuvor Luca Waldschmidt ein. Der Youngster, der zuvor noch keinen Treffer im Trikot des HSV erzielen könnte, traf per Kopfball zum 2:1-Sieg. Der HSV war gerettet, der VfL musste in die Relegation.

Das Wunder von der Elbe war geschafft. Maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte vor allem Trainer Markus Gisdol, der das Team nach dem fünften Spieltag vom glücklosen Bruno Labbadia übernommen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der HSV nur einen Punkt auf dem Konto.

Video: HSV schafft den Klassenerhalt

Doch auch Gisdol konnte zunächst den freien Fall des Dinos nicht stoppen. Der 47-Jährige verlor seine ersten vier Partien als verantwortlicher Trainer des HSV allesamt bei einem Torverhältnis von 2:13 Toren. Trotzdem ließ sich der ehemalige Coach der TSG 1899 Hoffenheim nicht von seinem eingeschlagenen Weg abbringen.

Nach zwölf Spieltagen rangierten die Hanseaten immer noch auf dem letzten Platz, ohne ein einziges Spiel gewonnen zu haben. Die Situation schien aussichtslos. Doch der Befreiungsschlag folgte in Darmstadt, wo die Rothosen den ersten Saisonsieg feierten. Bis Weihnachten holte der HSV dann aus drei Spielen immerhin zwei Siege. Der Anschluss war geschafft.

Mavraj und Papadopoulos schlagen ein

Gisdol blieb jedoch bescheiden und verwies immer wieder auf den langen Weg, den der HSV noch zu gehen habe. Er sollte recht behalten. Der in Geislingen geborene Gisdol hatte keine Angst, auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen. So machte er Gotoku Sakai zum neuen Kapitän anstelle von Johan Djourou. Zuvor hatte Gisdol schon den streitlustigen Emir Spahic aus dem Kader geworfen. Er installierte auch Tobias Hauke als neuen Teammanager und änderte das Mannschaftsgefüge.

In der Wintertransferperiode verstärkten sich die Hamburger noch einmal und vor allem die beiden Innenverteidiger Mergim Mavraj und Kyriakos Papadopoulos schlugen voll ein und stabilisierten die anfällige Abwehr.

>>> Im Video auf der Facebook-Seite der Bundesliga: Das Tor der Saison

Dennoch blieb der HSV vor Rückschlägen nicht verschont. Nach 28 Spieltagen hatte der HSV vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. danach holte das Gisdol-Team in den letzten Spielen nur noch einen Sieg - am letzten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg. Doch das reichte für das Happyend. "Es war unglaublich emotional, dass wir dem Druck standgehalten haben. Nach dem zehnten Spieltag waren wir tot, hatten nur zwei Punkte auf dem Konto. Das hat noch keiner geschafft. Wir aber haben uns zusammengerauft und wollten die Geschichtsbücher neu schreiben", erklärte Gisdol freudestrahlend nach dem Abpfiff im Volksparkstadion.

In der neuen Saison hofft Gisdol dann mit dem HSV wieder eine ruhigere Saison zu spielen, denn beim Gedanken an eine weitere turbulente Spielzeit graut es dem 47-Jährigen. "Noch so eine Saison halte ich nervlich nicht aus."

Alexander Barklage