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München - Etwas ungelenk sah es schon aus wie sich Holger Badstuber schreiend und mit geballten Fäusten vor der Südkurve aufbaute. "Ich wusste gar nicht wie ich jubeln sollte", gestand Badstuber. Bei aller Freude über seinen Treffer war dem Innenverteidiger des FC Bayern nach der 7:0-Gala gegen Shakhtar Donetsk (Spielbericht) der Erfolg der Mannschaft wichtiger.

Die Bezeichnung "Spieler des Spiels" wollte er daher nur ungern annehmen. Spielentscheidend war sein Kopfballtor zum zwischenzeitlichen 5:0 im Achtelfinal-Rückspiel gegen den ukrainischen Meister in der Tat nicht - etwas Besonderes war es trotzdem. "Es war ein super Gefühl, das ich nicht so oft habe", sagte Badstuber nach seinem ersten Tor im 33. Champions-League-Spiel für die Bayern.

Standing Ovations für Rummenigges Held

Es war überhaupt erst sein zweites Tor in seinem 159. Pflichtspiel für die Münchner. Für den Verein, dessen Trikot er seit seinem 13 Lebensjahr trägt. Die stehenden Ovationen des Publikums bei seiner Auswechslung wenige Augenblicke nach seinem Tor waren der Lohn für einen gelungenen Abend und entschädigten für die lange Leidenszeit. "Dass die Südkurve ihn so unterstützt und so viel Applaus gibt, das hat er sich verdient", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Am 21. Spieltag erst hatte Badstuber in der Bundesliga 154 Tage nach seinem Muskelsehnenriss in der Bundesliga gegen den Hamburger SV sein Comeback gefeiert. Am 3. Spieltag hatte er sich ohne Fremdeinwirkung verletzt. Seine ohnehin schon umfangreiche Krankenakte wuchs um ein weiteres Kapitel. Erst im vergangenen Sommer hatte er sich nach zwei Kreuzbandrissen und etwa anderthalb Jahren Pause wieder zurückgekämpft. "Er ist mein persönlicher Held", betonte Rummenigge.

"Es ist schön, sowas zu hören"

Badstuber selbst fühlte sich geschmeichelt. "Es ist schön, sowas zu hören, aber klar ist es nicht", sagte der 25-Jährige. Der Einzug ins Viertelfinale und der nächste Schritt auf dem Weg zur angestrebten Finalteilnahme am 6. Juni in Berlin waren Badstuber allerdings wichtiger. "Ich freue mich, wenn ich zu unseren Erfolgen einen Teil beitragen kann", ergänzte er.

Bei seinen Teamkollegen rief sein Beitrag allerdings Reihenweise positive Reaktionen hervor. "Sogar Holger hat ein Tor gemacht, das freut mich besonders", sagte Doppelpacker Thomas Müller. Dem schloss sich Jerome Boateng, Schütze des 2:0, an: "Das ist natürlich eine schöne Sache, gerade für Holger freue ich mich riesig."

Badstuber tut dem Spiel der Bayern gut

Das in ihn gesetzte Vertrauen und die Unterstützung während seiner langen Leidenszeit wolle Badstuber dem Verein schlicht mit Leistung zurückzahlen. Kapitän Bastian Schweinsteiger, der den Umgang mit langwierigen Verletzungen aus eigener Erfahrung kennt, lobte ihn für seine Geduld. "Es ist nicht einfach, so zurückzukommen", sagte Schweinsteiger bei "Sky". "Dass er immer mehr spielt und sicherer wird, tut unserem Spiel gut."

Und die Zahlen belegen, dass der Defensivspieler sich auf einem guten Weg zurück zu alter Stärke befindet. Gegen Donetsk leistete sich Badstuber nur einen einzigen Fehlpass und brachte so stolze 98 Prozent seiner Zuspiele zum Mitspieler. "Es fühlt sich immer besser an. Ich versuche, mich reinzuhauen und von den Mitspielern und vom Trainer zu lernen. Das ist das Einzige, was zählt", sagte Badstuber und verließ die Allianz Arena mit einem zufriedenen  Lächeln - dem Ausdruck purer Freude.

Aus München berichtet Maximilian Lotz