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Sinsheim - Oliver Baumann überlegte kurz, dann sagte er: "Das Wort Krise wäre etwas übertrieben für unsere Situation." Der Torwart der TSG 1899 Hoffenheim war nach dem 0:2 gegen den FC Bayern München um verbale Schadensbegrenzung bemüht – wie alle bei der TSG. Doch nach der vierten Niederlage in Serie wird das immer schwieriger in Hoffenheim.

Von zwölf Partien in der Rückrunde gewannen die Hoffenheimer nur drei, nur die Abstiegskandidaten Hamburg, Paderborn und Hannover weisen seit Januar eine noch schlechtere Bilanz auf. Die TSG steckt in einem veritablen sportlichen Tief.

"Wir haben uns mit dieser Formation am meisten ausgerechnet"

Enttäuschend war für viele besonders der mutlose Auftritt gegen die ersatzgeschwächten Bayern. Statt wie in der Vergangenheit schon öfter auch gegen den FC Bayern in Bestbesetzung bewiesen und entgegen ihrer gewohnten Ausrichtung, attackierte die TSG die Münchner nicht ganz vorne. Es war die falsche Wahl der Mittel gegen einen Gegner, den man in dieser personalgeschwächten Aufstellung wohl nie wieder präsentiert bekommt.

TSG-Trainer Markus Gisdol, der erst vergangene Woche seinen Vertrag bis Ende Juni 2018 verlängert hat, hatte gegen diese Bayern die falsche Taktik gewählt. Seine Erklärung für diese Taktik überzeugte nicht. "Wir haben uns mit dieser Formation am meisten ausgerechnet", sagte Gisdol, "es wäre möglich gewesen, Tore zu schießen." Das stimmt zwar, aber Anthony Modeste kam nur zur besten Gelegenheit für die TSG (30.), weil Bayern-Verteidiger Dante einen lächerlichen Fehler gemacht hatte. Ansonsten: Zwei Torschüsse von Kevin Volland und ein Freistoß von Sebastian Rudy – mehr gelang den Hoffenheimern in der Offensive nicht.

Hoffenheim will den Schalter wieder umlegen

Zwar kann man gegen die Bayern verlieren, aber der Trend seit Januar ist fallend bei der TSG – spielerisch, taktisch, in der Konstanz und in der Balance zwischen Offensive und Defensive. "Uns fehlt die Konstanz, das wissen wir", gibt Mittelfeldspieler Eugen Polanski zu. Polanski spricht von „keiner einfachen Situation“ und hofft, dass die Mannschaft nun enger zusammenrücke. Auffällig ist, dass kaum ein Spieler Bestform erreicht über einen längeren Zeitraum. Und die Konkurrenzsituation auf der Mittelstürmerposition zwischen Sven Schipplock, Modeste und Adam Szalai tut keinem der drei gut, keiner konnte sich als Nummer 1 etablieren, zu oft wird gewechselt.

Nach diesem Spieltag rutschte die TSG nun auch noch von Rang 7 auf Rang 8, die erhoffte Teilnahme an der Europa-League wird ohne eine große Leistungssteigerung nicht zu schaffen sein. Hoffenheim entpuppte sich für den FC Bayern in Vorbereitung auf das Porto-Spiel als dankbarer Gegner. Am kommenden Samstag geht’s zum Abstiegskandidaten Hannover 96, der gerade den Trainer gewechselt hat. Man darf gespannt sein, ob sich die TSG in den letzten fünf Saisonspielen noch mal zu einer besseren Form wird aufrappeln können.

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter