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Köln – Wichtige Tore im Abstiegskampf, erfolgreiche Comebacks, persönliche Befreiungsschläge und lange vergessene Gefühle. Am 26. Spieltag standen in der Bundesliga die etwas anderen Knipser im Rampenlicht.

"Beim Torjubel wusste ich gar nicht was ich machen sollte, ich hatte auch leider keine Spiderman-Maske dabei…", erinnert sich Sebastian Langkamp an den Moment, der für ihn das Ende einer langen Durststrecke bedeutete und Hertha BSC wichtige Punkte im Abstiegskampf brachte. "Donnerstags trainieren wir immer Standards, irgendwann musste es ja mal klappen", sagte Berlins-Coach Pal Dardai zu der Szene in der 84. Minute, als sein Innenverteidiger nach einer Freistoßflanke von Marvin Plattenhardt per Kopf für den 1:0-Siegtreffer im Freitagsspiel beim Hamburger SV sorgte.

Für Langkamp, der erstmals seit 49 torlosen Spielen wieder traf, war es das erste Tor im Hertha-Trikot. Zuletzt war er im April 2012 in Diensten des FC Augsburg erfolgreich gewesen. "So ein Gefühl, als der Ball im Netz eingeschlagen ist, hatte ich schon lange nicht mehr", sagte der 27-Jährige, der aufgrund einer schweren Verletzung in dieser Spielzeit erst acht Mal zu Einsatz gekommen ist. "Ich bin glücklich, dass ich den Lucky Punch setzen konnte. Das kommt bei uns Abwehrspielern ja nicht ganz so häufig vor. Der Sieg ist ein enorm wichtiger Schritt für uns."

Der Topjoker der Liga

Auch der SC Freiburg holte beim 2:0-Erfolg gegen den FC Augsburg einen Big Point im Abstiegskampf. Jonathan Schmid hatte die Breisgauer, die eine Negativserie von vier sieglosen Spielen beenden konnten, in der 71. Minute in Führung gebracht. Der eingewechselte Nils Petersen sorgte 13 Minuten später für die Entscheidung. "Das 1:0 war sicher der Dosenöffner", sagte Petersen, der nach sechswöchiger Verletzungspause ein erfolgreiches Comeback feierte. "Ich bin froh, dass ich der Mannschaft endlich wieder helfen konnte." Bei seiner Premiere im SC-Dress hatte er zum Rückrundenauftakt gegen Eintracht Frankfurt innerhalb von 24 Minuten einen Hattrick erzielt – als erster Freiburger, erster Debütant für seinen neuen Verein und erster Bundesliga-Spieler seit 2004 (damals  Miroslav Klose).

Der von Werder Bremen ausgeliehene Stürmer kommt in dieser Saison lediglich auf vier Einsätze für Freiburg, wurde dabei zweimal eingewechselt und erzielte in diesen beiden Spielen in insgesamt 70 Minuten vier Tore und ist damit Topjoker der Liga. "Den Dreier nehmen wir gerne mit, denn das Restprogramm hat es in sich. Aber es ist alles drin", sagt der 26-Jährige mit Blick auf die kommenden Aufgaben.  "Wir sind ein gutes intaktes Team. Das kann im Abstiegskampf entscheidend sein". Immerhin steht der Sportclub erstmals seit dem 19. Spieltag nicht mehr auf einem der letzten drei Plätze.

Ginczek: "Stevens hat mir immer den Rücken gestärkt"

Große Erleichterung auch beim VfB Stuttgart, der nach zuvor neun sieglosen Runden wieder einen Sieg feiern konnte. Für Trainer Huub Stevens war das 3:1 gegen Eintracht Frankfurt der erste Erfolg seit seiner Rückkehr. Matchwinner war Daniel Ginczek, dem nach langer Verletzungsmisere (Kreuzbandriss im Februar 2014) seine ersten Bundesliga-Tore im VfB-Trikot gelangen. Zuvor war er bei seinen zehn Saisoneinsätzen an keinem Treffer beteiligt.

Nun schnürte er innerhalb von zwei Minuten einen Doppelpack und sicherte dem Tabellenletzten drei überlebenswichtige wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. "Ich wusste nach so vielen Monaten gar nicht mehr, wie Jubeln geht", sagte der 23-Jährige, der seine Tore der Familie und vor allem "meinem Papa, der heute 65 wird", widmete. Auch Trainer Huub Stevens, der "mir immer den Rücken gestärkt hat" galt sein besonderer Dank.

Der verlorene Sohn trifft nach 18 Spielen wieder

Auch Dortmunds einst "verlorener Sohn" durfte nach langer Zeit wieder einen eigenen Treffer bejubeln. Shinji Kagawa traf beim 3:2-Auswärtssieg bei Hannover 96 zum zwischenzeitlichen 2:1 und damit erstmals wieder seit über einem halben Jahr. Der Japaner hatte gleich im ersten Einsatz nach seinem Comeback von Manchester United im September 2014 beim 3:1-Sieg gegen Freiburg getroffen, blieb danach jedoch 18 Spiele erfolglos.

Der BVB ist nun seit sieben Spielen ungeschlagen (fünf Siege, zwei Remis) und feierte in der Rückrunde jetzt schon mehr Siege als in der kompletten Hinserie (vier). Auf den Nichtabstieg wollte Trainer Klopp indes noch nicht anstoßen. "So blöd sind wir dann doch nicht. Wir wollen die Feste nicht zum falschen Zeitpunkt feiern. Wenn der Tag kommt, an dem wir rechnerisch nicht mehr absteigen können, dann schauen wir, wie viele Spieltage noch übrig sind und was noch möglich ist", so Dortmunds Trainer.

Stindl Doppelpack bringt keine Punkte

Umgekehrte "Knipser-Vorzeichen" hingegen bei Hannovers Lars Stindl, der seine Tore wohl liebend  gerne gegen Punkte eintauschen würde. Gegen den BVB erzielte er seinen zweiten Bundesliga-Doppelpack für Hannover, doch in beiden Spielen gingen die Niedersachsen als Verlierer vom Platz (zuvor im November 2014 beim 3:4 in Hoffenheim). In nur 14 Saisonspielen war der 26-Jährige an starken acht Toren beteiligt (sechs Tore, zwei Torvorlagen). Hannover muss nach zehn sieglosen Spielen in Folge dennoch weiterhin um den Klassenerhalt bangen. Torwart Ron-Robert ist trotzdem optimistisch:"Wichtig war, dass wir bis zum Schluss gekämpft und nicht aufgegeben haben. Man hat gesehen, dass die Mannschaft lebt".

Gleiches gilt auch für die Knipser, die ihre langen Durststrecken an diesem Spieltag bereits erfolgreich überwunden haben. 

Markus Hoffmann