ANZEIGE

Hamburg - Acht Kamera-Teams, zahlreiche Journalisten und Fotografen hatten sich vor dem Trainingsgelände in Stellung gebracht, als die Spieler des Hamburger SV am Freitagmittag geschlossen zum letzten Training vor dem Spiel des Tabellen-Vorletzten bei Schlusslicht Eintracht Braunschweig (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker) den Platz betraten.

Neues erfuhren die Medienvertreter nicht, denn der HSV hatte sich nach dem 0:5 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München Schweigen auferlegt. Die einzig offizielle Bekanntgabe in den Stunden vor dem Kellerduell blieb dem HSV-Boss vorbehalten.

Rückendeckung für van Marwijk

"Wir stehen zu unserem Wort. Herr van Marwijk wird die Mannschaft in Braunschweig betreuen", so Carl-Edgar Jarchow - eine Absage an HSV-Ikone Felix Magath, der an der Elbe als neuer Trainer gehandelt worden war.

Der Druck vor dem "wichtigsten Spiel des Jahres", wie Trainer Bert van Marwijk deutlich formulierte, ist enorm. "Wir müssen in Braunschweig gewinnen", hatte Heiko Westermann nach dem Spiel gegen den Rekordmeister vorgegeben - und baut auf die Fans.

"Sie werden uns helfen, und wir stehen in der Verantwortung", so der Innenverteidiger. "Sie wollen, dass wir Leidenschaft und Kampf zeigen. Und das werden wir tun. Am Samstag wir der Adrenalinspiegel so hoch sein, dass wir auch 120 Minuten Rennen könnten."

Run auf die Tickets

Leidenschaft zeigen auf jeden Fall die in den letzten Monaten arg gebeutelten Fans. Bereits nach zehn Minuten waren die 2.300 Tickets für die Partie in Braunschweig vergriffen, wobei nur Fans Anrecht auf das begehrte Stück Papier hatten, die den HSV in der aktuellen Saison zu mindestens vier Spielen in der Fremde begleitet hatten.

So einen Boom auf Auswärtstickets gab es zuvor nur zweimal in der Geschichte des Traditionsvereins. Im September 2006 waren die Tickets für das Champions-League-Spiel bei Arsenal London ebenso begehrt wie die Karten fürs Derby beim FC St. Pauli, der 2010 - ebenfalls im September - darauf verzichtete, in die größere HSV-Arena umzuziehen und zum Derby am Millerntor lud.

371 Minuten ohne Tor

Nun schreiben wir Februar 2014,und die Voraussetzungen für einen Dreier beim Schlusslicht könnten schlechter kaum sein. Das 0:5 gegen Bayern war die siebte Pflichtspiel-Niederlage in Folge, 2014 hat der HSV noch nicht einmal getroffen. Der letzte Treffer des fünftstärksten Angriffs der Vorrunde (33 Tore) liegt bereits 371 Minuten zurück. Schwer angesichts solcher Zahlen Selbstbewusstsein für ein Spiel gegen einen Gegner zu sammeln, für den die Partie auch die wohl letzte Chance auf den Traum von der Sensation Klassenerhalt sein dürfte.

Mit welcher Mannschaft der HSV das wichtigste Spiel bestreiten will, behielt van Marwijk für sich. Beim Abschlusstraining ließ sich der Holländer nicht in die Karten schauen. Leibchen, die etwas verraten könnten, wurden nicht verteilt, das obligatorische Spielechen der vermeintlichen A-Auswahl gegen die Reservisten stand nicht auf seinem Trainingsplan.

Van der Vaart und Lasogga fit

Erleichtert aber nahmen die Kiebitze am Trainingsgelände zur Kenntnis, dass der wegen einer Verletzung gegen Bayern ausgewechselte Rafael van der Vaart ebenso das volle Programm absolvieren konnte wie Pierre-Michel Lasogga.

Auf der Leihgabe von Hertha BSC, mit neun Treffern Top-Torschütze der Hanseaten in der Vorrrunde, ruhen nach auskurierter Oberschenkelzerrung bei seiner Rückkehr in den Kader am Samstag die Hoffnungen auf ein Ende der Torflaute.

"Wer jetzt nicht weiß, worauf es ankommt, der wird es nie begreifen", hatte Oliver Kreuzer nach dem Bayern-Spiel gesagt. "Unser Fokus liegt ganz auf dem Braunschweig-Spiel." Der Sportdirektor weiß, wie alle Verantwortlichen beim Bundesliga-Dino, dass in Braunschweig nur ein Sieg zählt, wenn in der Medienstadt Hamburg die sportliche Situation wieder in den Vordergrund der Berichterstattung treten soll.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs