ANZEIGE

Hannover - Nach dem überraschenden Platz vier in der Vorsaison schrieb der Beinahe-Absteiger der Spielzeit 2009/10, Hannover 96, in der Europa League bereits mit dem Erreichen der Gruppenphase erneut Vereinsgeschichte: So weit waren die "Roten" in ihrer Bundesliga-Historie nie zuvor gekommen.

Aktuell rangieren die Niedersachsen auf Rang 8, mit sieben Punkten weniger auf der Habenseite als nach Spieltag 15 im Vorjahr. Das Erfolgsrezept, innerhalb von zehn Sekunden nach Balleroberung den Abschluss zu suchen, greift nicht mehr.

Gegner kennen die Kontertaktik

Gerade auf des Gegners Platz, wo die im eigenen Stadion unbesieghten 96er seit dem 2. Spieltag (2:1 in Nürnberg)auf einen Dreier warten, haben sich die Gegner auf die blitzschnellen Konter eingestellt.

Außerdem habe die Mannschaft "nicht die Sicherheit der vergangenen Saison", wie Sergio Pinto nach dem 1:1 gegen den Hamburger SV gegenüber bundesliga.de feststellte. Die Mehrbelastung durch die Europa League ist zu groß, zumal Mirko Slomka in der Regel auf seine Stammelf baut.

bundesliga.de bat den 96-Trainer um ein Zwischenfazit und fragte nach einer Alternative für die "Zehn-Sekunden-Regel".

bundesliga.de: Herr Slomka, nach 15 Spieltagen war Hannover im Vorjahr Vierter mit 28 Punkten. Derzeit sind es sieben Punkte weniger und Rang 8. Auf fremden Plätzen gab es gerade mal fünf Punkte. Wo liegen die Gründe?

Mirko Slomka: Letztlich fehlen uns auswärts ein paar Punkte, das ist unstrittig. In Augsburg und am vergangenen Samstag war es ganz bestimmt möglich, zu gewinnen. Das sind schon vier Punkte, die wir mehr haben könnten. Uns ist es, dies gilt aber auch für andere Spiele, nicht mehr so gelungen, unsere Chancen eiskalt zu nutzen und sehr effizient zu sein. Das war in der vergangenen Saison besser. Trotzdem sind wir mit Platz 8 nicht unzufrieden.

bundesliga.de: Haben sich die Gegner auf die besondere Stärke der Mannschaft, das schnelle Umschalten von Balleroberung bis zum Abschluss innerhalb von zehn Sekunden, eingestellt und treten dementsprechend auf, und welche Konsequenzen zogen Sie daraus?

Slomka: Wir wussten schon in der Sommer-Vorbereitung, dass von uns mehr Variabilität verlangt wird. Entsprechend haben wir trainiert. Trotzdem wollten wir unser schnelles Umkehrspiel mit aggressivem Arbeiten gegen den Ball nicht vernachlässigen. Ich bin der Meinung, dass uns immer noch häufige Ballgewinnen gelingen, wir aber nicht mehr so häufig bei unseren Kontern erfolgreich zum Abschluss kommen. Elf erzielte Tore durch Standards sind zum Beispiel ein Wert, der auf gezieltes Training zurückzuführen ist.

bundesliga.de: Als wie strapaziös würden Sie die Hinrunde bezeichnen? Sehnen Sie die Winterpause herbei?

Slomka: Für die Spieler war es nicht zuletzt durch die Reisen in der Bundesliga und insbesondere in der Europa League eine hohe Belastung. Mit dem DFB-Pokal hatten wir zeitweise in einer Woche drei Spiele in drei Wettbewerben - also für Körper und Geist eine große Beanspruchung, immer auf den Punkt genau fit zu sein. Für uns lag die Herausforderung darin, das Training stets individuell zu dosieren. Unter dem Strich haben wir seit Sommer 24 Pflichtspiele absolviert, für die Nationalspieler kommen noch einmal weitere Einsätze hinzu. Trotzdem wollen wir uns in den drei ausstehenden Begegnungen noch einmal von der besten Seite zeigen.

bundesliga.de: Trotz der Belastung rotieren Sie nicht. Warum?

Slomka: Wir haben schon die Belastung verteilt, manchmal waren wir einfach durch Verletzungen und Sperren auch dazu gezwungen. Aber ich bin in der Tat kein Freund davon, innerhalb von wenigen Tagen die Mannschaft auf vier, fünf Positionen zu ändern. Letztlich haben wir auch nicht den Kader wie etwa der FC Bayern, der fast zwei identisch gute Teams stellen kann.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs