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Er ist nach Bremens Thomas Schaaf aktuell der dienstälteste Trainer der Bundesliga. Seit dem 1. Juli 2004 coacht Friedhelm Funkel die Frankfurter Eintracht.

Am Saisonende wird er den Rekord von Erich Ribbeck einstellen, der mit fünf Jahren am Stück (zwischen 1968 und 1973) bislang die Bestmarke in der Main-Metropole hält. Doch obwohl Funkel seit Jahren erfolgreich arbeitet, hatte er es in Frankfurt nicht immer leicht.

Kontinuierlich bergauf

Es ist so etwas wie der Fluch der guten Tat. Vier Jahre lang ging es in Frankfurt sportlich und wirtschaftlich permanent bergauf. Dem Aufstieg 2005 in die Bundesliga folgte zwei Mal Rang 14 im Endklassement und im vorigen Jahr sogar Platz 9.

Hinzu kam in der Spielzeit 2006/07 die Teilnahme am UEFA-Pokal, die sich die Eintracht durch das Erreichen des Pokalfinales gegen Bayern München verdient hatte.

Das ist eine verdammt gute Bilanz für einen Verein, der zwischen 1996 und 2004 drei Abstiege aus der Bundesliga verkraften musste. Ein sehr guter Arbeitsnachweis auch für Trainer Friedhelm Funkel, der mit seinen 55 Jahren auf eine Erfahrung von inzwischen 415 Bundesliga- und 138 Zweitliga-Spielen als Trainer zurückblicken kann. Außerdem absolvierte er 320 Bundesliga-Partien als Aktiver bei Bayer Uerdingen und dem 1. FC Kaiserslautern.

Ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis

Trotz der erfreulichen Fakten muss der lebenslustige Rheinländer, wie bei seinen Stationen in Köln oder Rostock zuvor, auch in Frankfurt reichlich Kritik einstecken. Denn vielen Eintracht-Fans und Vereinsmitgliedern geht der Aufschwung nicht schnell genug.

Doch der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen ist von seinem Coach überzeugt und hält auch in sportlich schwierigen Zeiten die Treue. Zu Recht, denn Funkel hat in Frankfurt schon einige Krisen gemeistert.

Das Vertrauen des Vorstandsboss freut ihn. "Ohne ihn wäre es schwierig geworden, überhaupt noch Eintracht-Trainer zu sein", sagte Funkel im Oktober: "Wobei man aber auch sagen muss: Das Trainerteam hat das Vertrauen auch zurückgezahlt." Nicht zum ersten Mal.

Kredit durch imponierenden Aufstieg

Schon in seinem ersten Trainerjahr stand Funkel nach dem ersten Saisondrittel auf der Kippe. Er sollte die Eintracht nach dem neuerlichen Abstieg im Jahr 2004 auf direktem Wege wieder zurück in die Eliteliga führen. Er sollte das schaffen, was ihm bereits zwei Mal in Uerdingen, ein Mal in Duisburg und ein Mal in Köln gelungen war.

Doch nach elf Spieltagen und vier Niederlagen in Folge rangierten die Hessen nur auf Platz 14 mit elf Punkten Rückstand zu den Aufstiegsplätzen.

Es folgte eine imponierende Aufholjagd und mit der Rückkehr in die Bundesliga ein kleines sportliches Wunder. Dieser Aufstieg im Jahr 2005 hat Funkel viel Kredit eingebracht. Auch daran wird sich Bruchhagen erinnert haben, als nach dem Fehlstart mit sieben sieglosen Spielen in diese Saison und dem letzten Tabellenplatz die Stimmen wieder laut wurden, die den Rausschmiss des Trainers forderten.

"Es gibt keine Geheimnisse bei uns"

"Friedhelm Funkel muss sich nicht bei mir bedanken, dass er noch Trainer ist", gab Bruchhagen zu verstehen. "Im Gegenteil: Wir müssen uns bei ihm für die vielen erfolgreichen gemeinsamen Jahre bedanken." Funkel ist sich bewusst, dass diese Einstellung in der Bundesliga nicht selbstverständlich ist.

"Mein Verhältnis zu ihm ist geprägt von großem Respekt", sagt Funkel über Bruchhagen. "Freundschaft kann man, glaube ich, nicht sagen. Es gibt keine Geheimnisse bei uns, er ist immer top informiert über alles." Bruchhagen weiß, wie der Trainer arbeitet.

Funkel bleibt gelassen

Und wieder gelang Funkel der Befreiungsschlag, 16 Punkte aus den restlichen zehn Vorrundenspielen lassen die Eintracht mit sechs Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze beruhigt auf Platz 12 überwintern.

"Ich habe nach wie vor sehr großes Vertrauen in die Mannschaft. Wir arbeiten ja jetzt schon einige Jahre zusammen. Mich wundert nur manchmal, wie wenig Vertrauen dieser Mannschaft entgegen gebracht wird", kommentierte Funkel gelassen die aufkommende Unruhe.

"Sportliche Durststrecken belasten mich längst nicht mehr so wie früher", meint Funkel. "Vor zehn Jahren habe ich das noch als Druck empfunden. Heute ist Fußball für mich nicht mehr das wichtigste. Viel wichtiger ist doch die Gesundheit meiner Familie und Freunde."

Gespräche im Trainingslager

Das neue Jahr begann für die Eintracht mit zwei Erfolgen bei den Hallenturnieren in Halle/Westfalen und Mannheim. Beim eigenen Turnier unter dem Dach der Frankfurter Ballsporthalle wurde der Club Dritter.

Am 7. Januar geht es ins einwöchige Trainingslager nach Portugal, wo Bruchhagen und Funkel auch über eine mögliche Zusammenarbeit über die Saison hinaus beraten wollen. Der Trainer verweist auf die unter dem Strich angesichts der großen Verletztenmisere und zahlreichen Rückschläge ordentliche Hinrunde.

"Trotz all dem, was uns widerfahren ist, kam die Mannschaft immer wieder zurück", sagt Funkel. "Das ist unglaublich. Und die 19 Punkte haben uns auch nur die wenigsten zugetraut." Die Eintracht ist im Soll. Und eine Vertragsverlängerung mit Friedhelm Funkel wäre sicher keine Überraschung.

Tobias Gonscherowski