ANZEIGE

Freiburg - Armin Veh ist keiner, der aus seinem Herzen eine Mördergrube macht. Inhaltsleere Floskelei ist seine Sache nicht, weshalb der Trainer des Hamburger SV auch nach der 0:1-Niederlage beim SC Freiburg keinen Grund sah, die Dinge schönzureden.

Schon der Treffer des Tages - ein Billardtor, das Papiss Demba Cisse in der 3. Spielminute erzielte - fand er symptomatisch für die Leistung seiner Mannschaft. "Freiburg hat nachgesetzt", sagte Armin Veh, "wir nicht. Dabei wussten wir, dass das Spiel über die zweiten Bälle entschieden wird."

Rost will mal wieder zu Null spielen

Das wusste auch Keeper Frank Rost, der in einigen Szenen Schlimmeres verhinderte und sich ebenfalls mehr Konzentration in der Defensive wünscht: "Wir müssen auch endlich mal wieder ohne Gegentor über die Runden kommen."

Die an verletzten Stammspielern reich gesegneten Hamburger waren ohne Mladen Petric angereist, für den die Hinrunde nach einem Faserriss im Training beendet ist. Für den Kroaten rückte Ruud van Nistelrooy ins Sturmzentrum, Tunay Torun, der vergangenes Wochenende beim 4:2-Sieg über den VfB Stuttgart als zweifacher Vorbereiter aufgefallen war, blieb entgegen mancher Spekulation in der Startelf und rückte bis zu seiner Auswechslung links in die Dreier-Reihe im Mittelfeld.

Dort sollte er zusammen mit Heung Min Son und Jonathan Pitroipa für Schwung sorgen. Da aber genau das nur selten gelang und der SC Freiburg defensiv gut stand, konnte sich der Gast auch nicht über den Halbzeitrückstand beklagen.

Keine Überlegenheit trotz mehr Ballbesitz

Nach dem Seitenwechsel spielte der HSV zwar kurzzeitig energischer, das Grundproblem blieb aber bestehen. Der Gast hatte weit mehr Spielanteile, denn die Statistik wies nach Abpfiff einen Wert von 68 Prozent Ballbesitz aus, sie schafften es aber nicht, dadurch eine Überlegenheit zu erzwingen.

"Wir haben zu langsam und zu umständlich gespielt", analysierte Veh, "und sind deshalb einfach zu selten in die gefährliche Zone gekommen. Das ist nicht der Fußball, den ich mir vorstelle." Über die positiven Dinge wollte der Trainer nicht reden. Dabei hatte zumindest Son ein paar gute Szenen aus dem Mittelfeld heraus, in dem auch Piotr Trochowski und Ze Roberto versuchten bis zuletzt, dem Spiel eine Wendung zu geben.

Bereits die vierte Auswärtsniederlage in Folge

Der Fußball, den sich der HSV für Freiburg vorgestellt hatte, hätte allerdings eine hohe Laufbereitschaft der ganzen Mannschaft gebraucht, das unbedingte Nachsetzen bei Zweikämpfen und der Wille, nach drei Auswärtsniederlagen drei Punkte aus Freiburg mitzunehmen.

"Wir wussten schließlich", sagte Veh, "dass Freiburg zuhause auch gerne mal mit langen Bällen arbeitet." Solch einen Fußball könne man eigentlich leicht ins Leere laufen lassen. Doch daraus lasse sich eben auch ein aus Hamburger Sicht deprimierender Umkehrschluss ziehen: "Es ist einfach nicht sonderlich kompliziert, gegen uns zu gewinnen. Wenn ein langer Ball und konsequentes Nachsetzen genügen, um gegen uns zu gewinnen, ist das einfach zu wenig."

Auch bei Heiko Westermann war die Stimmung nach der vierten Auswärtsniederlage in Folge auf dem Nullpunkt angelangt. "Wir sind mal wieder nach einer Standardsituation in Rückstand geraten", ärgerte sich der Verteidiger, "das können wir nicht jede Woche ausgleichen." Immerhin naht ein klein wenig Hoffnung: Das schwere Spiel gegen Bayer Leverkusen findet am kommenden Spieltag definitiv zuhause statt.

Christoph Ruf