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Mönchengladbach - Die Euphorie um Überraschungs-Titelkandidat Borussia Mönchengladbach kennt scheinbar kaum noch Grenzen. Vor den nächsten geplanten "Fohlen"-Festspielen am Freitag (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) gegen den Hamburger SV schwärmt selbst die nüchterne Vereins-Ikone Günter Netzer in höchsten Tönen.

"Nachdem ich jahrelang Depressionen wegen der Borussia hatte, reißt mich die jetzige Leistung vom Stuhl. Ich bin hellauf begeistert", sagte Gladbachs ehemaliger Meister-Spieler und Hamburgs früherer Erfolgs-Manager in einem "Express"-Interview vor dem Duell seiner früheren Clubs. Aus Netzers Sicht könnten die Borussen, derzeit Tabellenzweiter, sogar den Meister-Coup schaffen, "wenn die anderen nicht aufpassen". Aktuell beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund drei Punkte.

Favre bedauert Herrmann-Ausfall

Mit banaleren Problemen muss sich Gladbachs Trainer Lucien Favre befassen. Der Ausfall von Jungstar Patrick Herrmann (Schlüsselbeinbruch) hat Borussias "magisches Viereck" (Marco Reus, Mike Hanke, Juan Arango und eben Herrmann) vorerst gesprengt und zwingt den Schweizer zu Umstellungen.

"Ohne Patrick wird das Gleichgewicht zwischen Abwehr und Angriff anders sein. Er war in der Rückrunde einer der besten Offensivspieler der Liga und an fast allen unseren Toren beteiligt. Aber wir können auch ohne ihn guten Fußball spielen, das haben wir in der Hinrunde gezeigt", sagte der 54-Jährige.

Ersatzmann auf rechts gesucht

Nach der vorübergehenden Trainingspause von Schlussmann Marc-Andre ter Stegen und besonders Hankes Rückkehr ins Mannschaftstraining steht anscheinend nur hinter Herrmanns bisheriger Position hinter den Spitzen ein Fragezeichen. Favre will kurzfristig entscheiden, ob Igor de Camargo neben Hanke in den Sturm rückt und Nationalspieler Reus dafür anstelle Herrmanns wieder auf die rechte Außenbahn ausweicht oder eine andere Variante mit der Doppelspitze Reus und Hanke zum Tragen kommt. "Ich habe noch Zeit", meinte der Coach.

Nicht mehr allzu viel Zeit haben die Rheinländer womöglich bei der angestrebten Vertragsverlängerung ihres Abwehrchefs Dante. Borussias Vizepräsident Rainer Bonhof verbreitet Hoffnung auf Dantes Verbleib: "Wir sind mit ihm in guten Gesprächen, und ich bin guter Dinge, dass es ein positives Ende haben wird."

HSV: Vorbild Borussia

Nach zuletzt sieben Auswärtsspielen ohne Niederlage traut der HSV-Coach Thorsten Fink seiner Elf mit dem Ex-Borussen Marcell Jansen auch bei den seit fast einem Jahr daheim ungeschlagenen Borussen durchaus eine Überraschung zu: "Vom Derby lassen wir uns nicht umwerfen. In den drei Spielen davor stimmte alles, das Selbstvertrauen ist noch da. Gladbach ist ein ernst zu nehmender Titelkandidat und in sehr guter Verfassung. Ich habe aber keine Bedenken, mit einer Topleistung kann man auch da Punkte mitnehmen." Zudem sieht er in den Gladbachern ein Vorbild. "Wenn man sieht, dass sie mit der gleichen Truppe letztes Jahr gegen den Abstieg gespielt haben und jetzt oben dabei sind, kann man vor der Arbeit nur den Hut ziehen. Bei uns könnte es ja ähnlich laufen", erklärt er.

Zu den Kandidaten, die in Zukunft in Hamburg etwas bewegen sollen, zählt sicherlich auch Tolgay Arslan, der gegen Gladbach wieder im Kader stehen wird. "Das wird ihm weiter Auftrieb geben. Es zeigt, dass er gut trainiert hat", erklärt Fink im Hinblick auf die Personalsituation. Außer Gökhan Töre (Aufbautraining nach Meniskuseinriss) sind alle Feldspieler fit und einsatzbereit. Lediglich hinter David Jarolim steht noch ein kleines Fragezeichen. Der Tscheche hat Rückenprobleme und kann noch nicht wieder voll trainieren. Sollte er ausfallen, wird Gojko Kacar den Posten vor der Abwehr neben Tomas Rincon übernehmen, kündigte Fink an. Hamburg rechnet außerdem mit dem Einsatz seines zuletzt angeschlagenen Stammkeepers Jaroslav Drobny. Der Tscheche meldete sich am Donnerstag nach überstandener Kniereizung wieder im Training zurück.