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München - Die Sprechchöre der Fans blieben Thomas Müller verwehrt. Als der Stürmer gegen den SC Paderborn zum 4:0-Endstand traf, rief der Stadionsprecher des FC Bayern München aus Versehen Arjen Robben als Torschützen aus. Schnell entschuldigte er sich für seinen Fauxpas. Es war der einzige gröbere Fehler eines ansonsten gelungenen Abends, der den Bayern Selbstvertrauen für die kommenden Wochen gibt.

"Dass es gleich gut losging, war umso besser", betonte Müller hinterher. "Wir haben es erzwungen. Wir waren aggressiv und aktiv. So stellen wir uns das vor und jetzt ist die Welt wieder in Ordnung." Besonders wenn am Ende des Tages die Tabellenführung dabei herausspringt. "Es ist ein gutes Gefühl, vorne zu sein", meinte Manuel Neuer. Der Torhüter spielte in seinem 100. Bundesligaspiel zum 53. Mal zu null.

Dass der Bayern-Keeper auch gegen den Überraschungsaufsteiger aus Ostwestfalen seinen Kasten sauber hielt, hatte er seinen Mannschaftskollegen zu verdanken, die das Spielgeschehen gleich zu Beginn konsequent in die gegnerische Hälfte verlagerten. Das frühe Tor von Mario Götze, der die feine Hacken-Vorlage von Müller sehenswert ins Netz schlenzte, spielte den Bayern natürlich in die Karten.

"Es wird nicht nur mit dem 'Ferserl' gehen"

Doch der Passgeber bremste hinterher mit Blick auf die kommenden Wochen. "Es wird nicht alles locker und leicht nur mit dem 'Ferserl' gehen",  warnte Müller. "Wir haben ein paar Problemchen, das ist kein Geheimnis. Viele Spieler müssen viele Spiele machen und deswegen kann es immer mal vorkommen, dass man in einem Spiel ein bisschen abfällt."

Davon war gegen Paderborn zunächst wenig zu spüren. Vor allem einer drehte ganz besonders auf, der zuletzt wegen leichter muskulärer Probleme etwas kürzer treten musste: Robert Lewandowski hatte nach 18 Minuten schon fünf Torschüsse abgefeuert - in den ersten vier Bundesliga-Spielen waren es insgesamt nur acht.

Lewandowski will nachlegen

Mit seinem ersten Tor vor heimischem Publikum feierte der Pole zudem sein ganz persönliches Erfolgserlebnis. "Noch besser wäre es, wenn ich regelmäßig Tore schieße, sowohl hier als auch in Auswärtsspielen", sagte Lewandowski. Gelegenheit dazu hat der Pole bereits am Samstag beim 1. FC Köln.

Wie Paderborn ist allerdings auch der zweite Aufsteiger aus Köln stark in die Saison gestartet. An den ersten vier Spieltagen kassierten die Kölner noch kein Gegentor und beeindruckten damit auch die Münchner. "Sie sind defensiv sehr stark und taktisch gut unterwegs", sagte Müller. "Da werden wir wieder eine gute Anfangsphase brauchen."

"Wir müssen cool bleiben"

Spielerisch hat der FC Bayern gegen Paderborn in vielen Momenten schon wieder die Klasse aufblitzen lassen, die phasenweise an die dominante Spielweise der Vorsaison erinnerte. "Der eine oder andere kommt nach der Sommerpause jetzt immer besser in Tritt", analysierte Neuer. "Ich hoffe, dass die anderen Spieler nach und nach zurückkommen, sodass wir auf alle Spieler zurückgreifen können." Denn mit Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger, Thiago Alcantara, Holger Badstuber und Javi Martinez steht eine Reihe prominenter, wichtiger Spieler weiterhin noch nicht zur Verfügung.

Aber der Terminplan kennt keine Gnade, in der Liga und in der Champions League geht es in den kommenden Wochen Schlag auf Schlag. "Wir werden uns da durchkämpfen müssen", meint Müller. Für den kommenden Samstag hat Manuel Neuer jedenfalls das passende Erfolgsrezept parat: "Für Köln ist es das Spiel des Jahres. Da wird der Baum brennen, aber wir müssen cool bleiben."

Aus München berichtet Maximilian Lotz