Zusammenfassung

  • Sven Ulreich kassierte in seinen beiden Bundesliga-Spielen 2017/18 nur ein Gegentor. Er wurde also alle 180 Minuten bezwungen, Manuel Neuer alle 135 (drei Spiele, zwei Gegentore).

  • Ulreich wehrte in insgesamt acht Bundesliga-Spielen für die Bayern 76 Prozent der Bälle auf sein Tor ab, das ist fast Neuer-Niveau (78 Prozent).

  • Fast die Hälfte aller Großchancen vereitelte Ulreich (sechs von 13); die Quote (46 Prozent) ist sogar besser als bei Neuer (35 Prozent), wenngleich der natürlich viel mehr Spiele bestritt.

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Gelsenkirchen - Nach dem souveränen 3:0-Erfolg des FC Bayern München auf Schalke stand auch Sven Ulreich im Mittelpunkt – und das dürfte in den nächsten Monaten regelmäßig der Fall sein. Nach der erneuten Fuß-Operation und dem langen Ausfall von Manuel Neuer ist der 29-Jährige jetzt die Nummer eins im Tor des Meisters.

Wie er mit dieser Situation umgeht, was er von sich selbst erwartet und wie er den Sieg der Bayern bewertet, darüber hat Ulreich im Interview nach der Partie gesprochen.

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Frage: Sven Ulreich, wie war es für Sie, nach längerer Pause wieder im Tor zu stehen?

Sven Ulreich: Es war natürlich schon schön, dass ich wieder spielen konnte. Aber in erster Linie fühlt man mit Manu mit, wenn er wieder so einen Rückschlag erlebt und ihm wieder so eine Scheiße passiert – anders kann man es ja gar nicht ausdrücken. Ich hoffe, er kann schnell zurückkommen und wird dann wieder ganz der alte Manu.

Frage: Gab es noch Kontakt vor Ihrem Einsatz jetzt auf Schalke?

Ulreich: Ich habe ihm natürlich geschrieben und für seine Operation alles Gute gewünscht. Er hat mir im Gegenzug ein gutes Spiel gewünscht. Wir haben da schon Kontakt, wir verstehen uns auch gut. 

Frage: Ihr Einstand im Bayern-Tor war durchaus gelungen, Sie haben ein gutes Spiel gemacht.

Ulreich: Ich bin auch zufrieden. In ein, zwei Situationen war ich richtig gefordert und konnte zum Glück die Bälle halten, so dass wir nicht unter Druck geraten sind. Fürs erste Spiel war ich zufrieden, aber natürlich muss ich jetzt auch erst wieder den Rhythmus aufnehmen und mich wieder an die Abläufe gewöhnen.

Frage: Bei Ihrem letzten Einsatz über längere Zeit sind Sie von Spiel zu Spiel immer besser geworden. Erleben wir das wieder?

Ulreich: (lacht) Schön wär’s! Ich will einfach meine Leistung abrufen und mein Bestes geben. Ich weiß auch, dass es vielleicht auch mal nicht so gute Spiele geben wird. Aber ich weiß, was ich kann. Ich weiß, dass ich Manu gut vertreten kann. Und das will ich zeigen. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind. Das steht über allem.

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Frage: Macht es für Sie in der Vorbereitung eigentlich einen Unterschied, wenn Sie jetzt wissen, dass Sie für mehrere Monate die Nummer eins sind?

Ulreich: Es ist generell schon etwas anderes, wenn man weiß, dass man jetzt immer im Fokus steht. Man bereitet sich schon etwas anders vor, vor allem direkt vor dem Spiel auf dem Weg ins Stadion. Für mich ist es eine schöne Sache, mal über einen längeren Zeitraum zu spielen. Ich hoffe, dass ich Manu wirklich gut vertreten kann. Das ist immer auch schwierig, weil er nun mal der weltbeste Torhüter ist. Da gibt es nicht viel, was ich besser machen könnte als er. Aber ich versuche mein Bestes, dass wir ein erfolgreiches Halbjahr spielen. Auf Schalke ist das schon mal ganz gut gelungen.

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Frage: Wie haben Sie allgemein die spielerische Leistung der Mannschaft gesehen?

Ulreich: Wir haben gute Aktionen nach vorne gehabt, hatten auch einige gute Ballgewinne. Allerdings gab es auch mehrere Ballverluste, die Schalke dann einige Möglichkeiten eröffnet haben. Will man ein perfektes Spiel machen, muss man das abstellen. Aber insgesamt haben wir ein sehr gutes Auswärtsspiel gezeigt und dabei schöne Tore herausgespielt.

Frage: Was sagen Sie zu James Rodriguez, der sein bisher bestes Spiel für den FC Bayern gemacht hat?

Ulreich: (lacht) So lange ist er ja auch noch nicht da… Er hatte keinen schönen Start mit seiner Verletzung. Das ist immer schlecht, wenn man gerade neu in einen Verein gekommen ist. Er hat aber die letzten Wochen trainieren können, hat den Rhythmus wieder aufgenommen und hat seine Mitspieler vor allem besser kennenlernen können. Das ist immer ein Pluspunkt. Er hat gegen Schalke wirklich sehr gut gespielt. Hoffentlich geht’s so weiter!

Frage: Waren die Spiele gegen Mainz und auf Schalke so etwas wie eine kleine Wende, was die spielerische Souveränität der Bayern betrifft?

Ulreich: Natürlich war es ein Fortschritt nach der Niederlage in Hoffenheim. Ich fand, dass wir auch gegen Anderlecht schon gute Aktionen hatten. Aber Fortschritt hin oder her: Jedes Spiel fängt wieder bei Null an und wir müssen jedes Mal wieder unsere Leistung abrufen.

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Frage: Wie groß ist jetzt speziell bei Ihnen die Vorfreude auf die Champions League? Nächste Woche geht es gegen Paris und damit gegen Neymar, Mbappe und Co..

Ulreich: Ich freue mich auf solche Herausforderungen. Paris hat viele Weltklassespieler in seinen Reihen. Aber die haben wir auch in unserem Kader und ich habe sie jeden Tag im Training um mich herum. Aber keine Frage: Als Sportler freust du dich auf solche Herausforderungen ganz besonders.

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Frage: Vorher steht allerdings am Freitag zunächst das Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg an. Wie ordnen Sie diese Partie ein?

Ulreich: Es ist ein wichtiges Bundesligaspiel. Und das musst du immer mit 100 Prozent angehen. Wir müssen voll  konzentriert sein und müssen Paris erstmal komplett außen vor lassen. Es geht um drei Punkte in der Bundesliga. Bringen wir am Freitag zuhause wieder eine so gute Leistung wie auf Schalke, dann bin ich guter Dinge, dass wir erfolgreich sind. Aber nur, wenn wir 100 Prozent abrufen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte