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Köln - Fabian Johnson hat ein wenig gebraucht, um sich bei Borussia Mönchengladbach durchzusetzen. Erst als ein Missverständnis mit Trainer Lucien Favre aufgeklärt war, ging es für Johnson richtig los. Im Interview mit bundesliga.com spricht der US-Nationalspieler über das Spiel gegen Dortmund, die Ziele der Borussia und wie er eigene Fehler vermeidet.

bundesliga.com: Fabian Johnson, haben Sie das Aus im Pokal inzwischen abgehakt?

Fabian Johnson: Wir sind alle enttäuscht, wollten unbedingt weiterkommen. Dass wir im Elfmeterschießen rausgeflogen sind, ist doppelt ärgerlich. Aber wir sollten mit dem Ausscheiden nicht zu lange hadern. Bielefeld ist verdient weitergekommen. Unsere Konzentration gilt jetzt dem Dortmund-Spiel.

"Dortmund hat eine super Mannschaft"

bundesliga.com: War das Weiterkommen für Gladbach überhaupt wichtig? Bei zehn Punkten Vorsprung auf Rang fünf sind Sie auf bestem Wege, sich für die Champions League zu qualifizieren.

Johnson: Dass der Pokalsieg auch das Ticket für Europa bedeutet hätte, war nebensächlich. Wir hatten das Ziel nach Berlin zu fahren und wollten dort den Pokal gewinnen.

bundesliga.com: Wird sich Mönchengladbach für die Champions League qualifizieren?

Johnson: Wir werden versuchen, den dritten Platz zu halten. Dafür tun wir alles.

bundesliga.com: Sie haben kein einfaches Programm in den nächsten Wochen. In sechs der sieben verbleibenden Spiele geht es gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte.

Johnson: Wir haben schwierige Aufgaben vor uns, das ist richtig. Wenn wir aber spielen wie zuletzt, haben wir gute Karten. Trotzdem liegt ein hartes Stück Arbeit vor uns.

bundesliga.com: Am Samstag steht die Partie gegen Dortmund an, die Medien betiteln sie als Duell der Borussias. Ist es für die Mannschaft ein besonderes Spiel?

Johnson: Es ist wichtig, weil wir unbedingt gewinnen wollen. Dortmund hat eine super Mannschaft, die nicht da steht, wo sie hingehört. Im Pokal sind sie im Gegensatz zu uns weitergekommen. Wir wollen die Punkte hier behalten.

bundesliga.com: Hat Dortmund die Stärke der letzten Jahre?

Johnson: Auf jeden Fall, ich denke Dortmund ist immer noch eine der Top-Mannschaften. Sie hatten eine schwierige Phase, aber das kenne ich ganz ähnlich aus Hoffenheim: Dort hatten wir auch eine gute Mannschaft und waren zeitweise mittendrin im Abstiegskampf. So kann es im Fußball laufen.

"Rotation ist eine unserer Stärken"

bundesliga.com: Bei Gladbach läuft es richtig gut gerade, den Pokal ausgenommen. Was macht die Borussia momentan so stark?

Johnson: Das stimmt, es läuft gut. Ich denke, unsere Stärke ist zu großen Teilen dem Konkurrenzkampf und der Rotation zu verdanken. Jeder möchte einen Platz in der ersten Elf erkämpfen. Und das gesamte Team ist selbstbewusst. Wenn man einen positiven Lauf hat, klappen auch mal Aktionen, die sonst vielleicht misslingen.

bundesliga.com: Wann hat die Mannschaft realisiert, dass in dieser Saison die Qualifikation für die Champions League machbar ist? Nach dem Sieg bei Bayern?

Johnson: Einen echten Knackpunkt gab es meines Erachtens nicht. Wir haben die gesamte Saison schon gute Leistungen gezeigt. Aber klar, der Sieg gegen Bayern war eine Riesenerfahrung. Viele Mannschaften haben da noch nicht gewonnen. Auf dem Sieg haben wir uns aber nicht ausgeruht.

bundesliga.com: Auch Sie persönlich haben einen Lauf. In der Rückrunde haben Sie in fast jeder Partie in der Startformation gestanden. Dabei hieß es in der Winterpause noch, Trainer Lucien Favre sei sauer auf Sie...

Johnson: Sauer ist vielleicht die falsche Bezeichnung, wir haben uns aber ausgesprochen. Wir hatten ein kleines Missverständnis, inzwischen ist das geregelt. In manchen Zeitungen ist die Geschichte etwas hochgespielt worden.

bundesliga.com: Damals war zu lesen, Sie würden am liebsten als Rechtsverteidiger eingesetzt werden, was Favre nicht bewusst war. Jetzt spielen Sie trotzdem wieder Linksaußen. Wie ist das für Sie?

"Jeder spürt die Konkurrenz im Nacken"

Johnson: Ich fühle mich in der Position wohl, habe dort mittlerweile häufig gespielt und so die Aufgabe verinnerlicht. Mit der Spielpraxis stellen sich die Automatismen und Abläufe ein. Linksaußen zu spielen fällt mir jetzt deutlich leichter.

bundesliga.com: Welche ist denn Ihre Lieblingsposition?

Johnson: Ich fühle mich inzwischen vorne sehr wohl.

bundesliga.com: Interessanterweise ist bei Gladbach gerade auf den Außen die Konkurrenz am größten. Wie ist das Verhältnis unter den Flügelspielern?

Johnson: Auf dem Platz und auch abseits haben wir in der gesamten Mannschaft ein super Verhältnis. Natürlich will jeder spielen, aber untereinander läuft alles fair ab. Jeder will sich im Spiel und im Training zeigen. Meines Erachtens ist gerade deswegen unser Niveau so hoch. Uns Spielern kommt auch zugute, dass wir öfter durchwechseln.

bundesliga.com: Fällt es nicht schwer das Leistungsvermögen abzurufen, wenn man in der vorherigen Partie draußen saß?

Johnson: Eigentlich nicht. Jeder will spielen, jeder weiß, dass er einen Konkurrenten im Rücken hat. Durch diesen Druck versucht jeder immer sein Bestes zu geben.

bundesliga.com: Wenn man so will, haben Sie Ihre Flexibilität auch Ihrem Vater, ein ehemaliger Basketballer Bayern Münchens, zu verdanken. Er soll Ihnen aufgetragen haben, jede Position anzunehmen, die Ihre Trainer Ihnen zuteilen.

"Wenn Dinge nicht klappen, ist es nicht mein Fehler"

Johnson: Ja, das kann man so sagen. Er war immer der Meinung, dass ich einfach umsetzen soll, war mir der Trainer aufgibt. Wenn Dinge dann nicht klappen, ist es nicht mein Fehler, sondern der des Trainers (lacht). Das war immer sein Rat und ich denke, damit bin ich ganz gut gefahren.

bundesliga.com: Für die USA haben Sie hinten rechts eine starke WM gespielt - eine der Positionen, auf der Joachim Löw nach einer probaten Lösung sucht. Denken Sie manchmal darüber nach, ob Sie auch Ihren Platz in der deutschen Nationalmannschaft gefunden hätten?

Johnson: Nein, eigentlich nicht. Ich habe mich eindeutig für die USA entschieden, als ich noch in Hoffenheim war. In der Nationalmannschaft habe ich viele Erfahrungen und Einsätze gesammelt. Wo ich heute stünde, wenn ich den anderen Weg eingeschlagen hätte, kann keiner mit Sicherheit wissen

bundesliga.com: Mit Deutschland haben Sie die U-21-Europameistermeisterschaft gewonnen. Was hat Sie bewogen, für die USA aufzulaufen?

Johnson: Ich habe Gefallen an der Herausforderung gefunden. Jürgen Klinsmann hatte mich angerufen und mich für ein Camp der Nationalmannschaft eingeladen. Die Mannschaft, der Trainerstab, alles hat mir sehr gut gefallen, also habe ich mich für die USA entschieden. Wir haben super Spiele absolviert, ich bin zur WM gefahren. Das sind Dinge, die ich nicht missen möchte.

bundesliga.com: Hat das Team das Potenzial sich weiter zu verbessern?

Johnson: Auf jeden Fall. Wir haben viele Spiele auf hohem Niveau absolviert und gegen die Top-Mannschaften der Welt gespielt. Diese Erfahrungen, gerade die Duelle mit den besten Spielern, machen einen besser.

bundesliga.com: Bekommen Sie von Jürgen Klinsmann regelmäßig Feedback?

Johnson: Ja, natürlich. Wir unterhalten uns häufig, wenn ich bei der Nationalmannschaft bin. Oder er ruft mal durch, wenn wir uns länger nicht sehen. Genau wie Berti Vogts stand er hinter mir, als ich mich für den Wechsel nach Gladbach entschied. Wie ich war auch er enttäuscht, als ich in der Hinrunde wenig Einsatzzeit hatte. Wir waren uns aber bewusst, dass der Schritt nicht einfach sein würde. Aber wenn es weiterhin so läuft wie in der Rückrunde, sind wir beide glücklich.

Das Interview führte Felix Seaman-Höschele