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Den Vorzeichen nach zu urteilen, hätte es ein Spiel auf Augenhöhe werden können. Mit jeweils 13 Punkten und 15:23 Toren traten sich die Frankfurter Eintracht und Hannover 96 in der Commerzbank-Arena zumindest tabellarisch auf gleicher Höhe entgegen.

Dass es letztlich aber doch einen klaren Sieger geben sollte, verriet vielleicht schon vor dieser Partie ein Blick auf die Auswärtsbilanz der Niedersachsen. Ein "Pünktchen" und 2:15 Tore standen da zu Buche. Noch unschöner lesen sich die Zahlen für die Elf von Trainer Dieter Hecking nach dem Gastspiel in Frankfurt.

Richtige Schlüsse

Mit einer 0:4-Pleite im Gepäck machten sich die Hannoveraner am Samstagabend auf die Heimreise. Durch diesen auf den ersten Blick deutlichen Erfolg konnten sich wiederrum die Hessen in der Tabelle erstmals ein wenig Luft zu den unteren Rängen verschaffen.

Die Verantwortlichen in Frankfurt ließen sich von diesem hohen Ergebnis aber nicht blenden und wussten den Sieg richtig einzuordnen."Das Ergebnis ist viel zu hoch ausgefallen, dennoch war dieser Sieg unglaublich wichtig. Vom Spielerischen her, war das Spiel von unserer Seite über weite Strecken kein besonders gutes Spiel", urteilte Frankfurts Coach Friedhelm Funkel nach der Partie.

Auch Eintrachts Vorstandsvorsitzender Herbert Bruchhagen verfiel nicht in Euphorie: "Das Spiel hat das Ergebnis nicht hergegeben. Hannover wurde bei weitem unter Wert geschlagen". Einer der entscheidenden Anteil am Sieg und dem jüngeren Aufschwung der Frankfurter hat, ist Neuzugang Nikos Liberopoulos. Gegen Hannover war der Grieche einmal mehr zur Stelle und ebnete neben Marco Russ (41.) und Martin Fenin (90.+2) mit seinen beiden Treffern (25./86.) den Weg für den zweiten Heimsieg in dieser Saison.

Bescheidenheit

"Wir sind sehr, sehr froh, dass wir diesen Spieler bekommen haben. Ich schätze ihn unglaublich und er ist ein hervorragender Mannschaftsspieler, der von der Erfahrung, von der Klasse und auch von seinen Erfolgen weit über den anderen Spielern steht, aber das nicht im Ansatz zu erkennen gibt", fand Funkel nach Abpfiff nur lobende Worte für den Angreifer. "Er tut unserer Mannschaft richtig gut."

Erfreut ist Funkel auch, wie seine Spieler bedingt durch das anhaltende Verletzungspech in der laufenden Spielzeit – gegen Hannover verletzte sich nun Torwart Oka Nikolov (Sehnenanriss in der rechten Fußsohle) - auf ungewohnten Positionen immer wieder in die Presche springen.

Benjamin Köhler, gelernter Offensivmann, hilft seit kurzem als Linksverteidiger in der Viererkette aus. "Er macht das Beste aus der Situation. Er ist kein gelernter Außenverteidiger aber mit seiner Erfahrung und seiner Cleverness hilft er uns da im Moment sehr viel weiter", bestätigte Funkel gegenüber bundesliga.de.

Fehlende Leidenschaft

Ähnlich extreme Verletzungssorgen ziehen sich auch wie ein roter Faden durch die Saison der 96er. In Frankfurt musste Hecking fast auf seine komplette Offensivabteilung verzichten. Was ihn aber ähnlich schlimm ärgern dürfte wie das Verletzungspech, war die Einstellung seiner Profis.

"Wir müssen mit mehr Biss und mehr Leidenschaft dagegen halten. Wenn wir nicht schleunigst auf den richtigen Weg finden, wird das ein ganz schweres Jahr", gibt sich Hecking bei 13 Punkten und Platz 12 keinen Illusionen hin.

Frankfurts Dauer(b)renner Patrick Ochs brachte es dann auch auf den Punkt und machte noch einmal deutlich, worin sich Hannover und Frankfurt trotz der vielen Gemeinsamkeiten momentan unterscheiden: "Wir haben bis zur letzten Minute gut gefightet und hinten gut gestanden. Das wurde im Endeffekt auch belohnt."

Florian Bruchhäuser