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Am Donnerstag trifft der Hamburger SV im ersten Halbfinal-Duell auf den FC Fulham (Do., ab 20:50 Uhr im Live-Ticker). Der Club, der zuvor Juventus Turin und den VfL Wolfsburg ausschaltete, ist hierzulande noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Grund genug für bundesliga.de, die "Cottagers" einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Trainer

Fulhams Coach Roy Hodgson kann schon auf eine lange Trainerkarriere zurückblicken. Der 62-Jährige trainierte unter anderem Inter Mailand, Udinese Calcio, die Blackburn Rovers und die Schweizer Nationalmannschaft. Die Eidgenossen brachte er zur WM 1994 und zur EM 1996, vor Beginn der EM wechselte er aber zu Inter Mailand. 1997 verlor der Trainer dann mit den Italienern das Uefa-Cup-Finale gegen den FC Schalke 04.

Nachdem er mit Finnland die EM-Qualifikation verpasste, heuerte Hodgson im Dezember 2007 beim FC Fulham an. Der Coach rettete die "Whites" gerade so vor dem Abstieg (Platz 17) und qualifizierte sich als 7. in der Folgesaison für die Europa League. Dieser Platz war Fulhams bisheriger größter Premier-League-Erfolg.

Die Spieler

Zwei Profis des FC Fulham stehen nicht zum ersten Mal im Halbfinale der Europa-League bzw. des Vorgängerwettbewerbs, dem Uefa-Cup. Keeper Mark Schwarzer stand 2005/06 mit Middlesbrough im Uefa-Cup-Halbfinale (gegen Steaua Bukarest) und zog später ins Finale ein (0:4 gegen Sevilla). Oldie Danny Murphy gewann 2001 sogar den UEFA-Cup mit Liverpool (5:4 nach Verlängerung über Alaves in Dortmund), im Halbfinale hatten die "Reds" den FC Barcelona ausgeschaltet.

Neben Schwarzer, der für Dynamo Dresden (1994/95) und den 1. FC Kaiserslautern (1995/96) in Deutschland spielte und als australischer Nationalkeeper Gruppengegner der deutschen Mannschaft bei der WM in Südafrika sein wird, hat auch sein Vertreter Pascal Zuberbühler Bundesliga-Erfahrung. Der Schweizer war 2000/01 von Bayer Leverkusen ausgeliehen und kam 13 Mal in der Bundesliga zum Einsatz.

Mit Damien Duff hat Fulham einen weiteren prominenten Spieler im Kader. Der irische Nationalspieler kam zu Saisonbeginn von Newcastle United zu den Londonern. 2005 und 2006 wurde er mit dem FC Chelsea Englischer Meister. 2002 nahm er mit Irland an der WM teil und war unter anderem beim 1:1 im Gruppenspiel gegen Deutschland mit von der Partie.

Bobby Zamora und Zoltan Gera sind die gefährlichsten Offensivleute der "Cottagers": Das Duo erzielte zusammen 58% (11 von 18) der Europa-League-Treffer von Fulham. Nur Cardozo (Benfica) und Bremens Pizarro (je 9) trafen öfter als Zamora (6, wie 3 andere Spieler). Zwei Mal traf der Stürmer von außerhalb des Strafraums - Höchstwert zusammen mit 6 anderen Spielern.


Die Stärken

Nur eines der letzten acht Europa-League-Spiele ging für Fulham verloren (sechs Siege, ein Remis) - die letzten drei wurden allesamt gewonnen. Nur in eines ihrer 16 Europapokalspiele in dieser Saison (inklusive Qualifikation) blieben die Londoner ohne eigenen Treffer.

Vor dem Kasten haben die Fulham-Spieler ihre Nerven im Griff: 19,6 Prozent bedeuten die beste Chancenverwertung aller Halbfinalisten. Im Kopfballspiel und bei Weitschüssen (jeweils vier Tore) liegen die Stärken des Teams. Außerdem trafen die "Whites" bereits vier Mal in der Anfangsviertelstunde - Topwert zusammen mit Valencia.


Die Schwächen

Fulham konnte nur in einem der letzten sieben Europa-League-Spiele sein Gehäuse sauber halten - beim 1:0 in Wolfsburg. Nur Valencia (67) und der HSV (60) ließen mehr gegnerische Schüsse aufs eigene Gehäuse zu als Fulham (59). Die Engländer spielen zusammen mit Atletico die ungenauesten Pässe der Halbfinalisten (75.6 Prozent) - insgesamt belegen sie damit nur Rang 34 von 56 Teams.

Die Londoner sind nicht gerade zimperlich: Zusammen mit dem HSV begingen sie die meisten Fouls (180) und kassierten als einziges Team vier Rote Karten. Kein anderes Team kassierte so viele Gegentore nach Ecken wie die Cottagers (sechs). Fulham kassierte vier Gegentreffer per Kopf (wie Ajax und Austria Wien) - nur der HSV ließ mehr Kopfballgegentore zu (fünf). Bei Standards ist Fulham ebenfalls zu packen: Sieben Gegentreffer nach ruhenden Bällen (wie der HSV) werden nur von Valencia getoppt (acht).


Die Taktik

Coach Hodgson fand im Verlauf der Europa League sein ideales System, das von seinen Spielern sehr diszipliniert umgesetzt wird: im 4-4-1-1 steht die Defensive klar im Vordergrund, das Hauptaugenmerk wird auf den kämpferischen Aspekt gelegt.

Doch in der Truppe des FC finden sich durchaus spielerisch begabte Akteure, die es verstehen, überfallartige Angriffe zu inszenieren. Bobby Zamora weiß sich im Sturmzentrum zu behaupten und erhält dabei Unterstützung durch Zoltan Gera, der gerne aus der Tiefe kommt. Zudem verfügt der Klub auf den Außenbahnen über Spieler mit großen Offensivqualitäten, z.B. Damien Duff.

Internationale Erfolge

Der FC Fulham präsentiert sich erst zum zweiten Mal auf der europäischen Bühne. Vor der aktuellen Spielzeit schafften die Londoner nur in der Saison 2002/03 die Qualifikation für den damaligen Uefa-Cup - und schieden in der 3. Runde gegen Hertha BSC aus. Die Berliner verteidigten mit einem 0:0 auf der Insel den 2:1-Sieg aus dem Hinspiel.

Bessere Erfahrung mit einem deutschen Team machte Fulham im Viertelfinale dieser Saison, als man den Deutschen Meister VfL Wolfsburg aus dem Wettbewerb warf (2:1 H, 1:0 A). Zuvor hatte der Premier-League-Club für Aufsehen gesorgt, als man im Achtelfinale nach einer 1:3-Hinspiel-Niederlage bei Juventus Turin mit einem 4:1-Sieg im Rückspiel noch die Wende schaffte.

Ein Triumph in der Europa League ist die einzige Möglichkeit für Fulham, auch in der nächsten Saison wieder international vertreten zu sein. Denn in der heimischen Premier League liegt Fulham (vor dem 36. Spieltag) auf Platz 10 mit 16 Zählern Rückstand auf Rang 6.