ANZEIGE

München - "König Otto" schwingt bei Herthas Gastspiel in Augsburg am Samstag erstmals wieder das Zepter. Kellerkind Kaiserslautern will Mainz im Derby wieder in Abstiegsnöte bringen. Stuttgarts Achterbahnfahrer treffen im prestigeträchtigen Südwest-Schlager auf Freiburg. Und im rheinischen Derby wollen die zuletzt zwei Mal sieglosen Kölner gegen Leverkusen den Karnevals-Kater vermeiden.

Wolfsburg und Hoffenheim duellieren sich derweil um einen Platz in der oberen Tabellenhälfte. Im Live-Ticker von bundesliga.de sind Sie bei den Samstagspartien ab 15 Uhr live am Ball. So ist es um die Stimmung und die Personalsituation bei den Vereinen bestellt:

Die Begeisterung in der Hauptstadt ist riesig, die Erwartungshaltung enorm - doch Trainer-Altmeister Otto Rehhagel startet bei Hertha BSC mit der ganzen Gelassenheit seiner 73 Jahre in den Abstiegskampf. "Als ich noch ein wandelnder Vulkan war, war das immer etwas schwierig. Inzwischen bin ich aber reifer und gehe mit der nötigen Ruhe ins Spiel", sagte "König Otto" vor seinem Debüt als Berliner Trainer beim direkten Konkurrenten Augsburg. Vor dem richtungsweisenden Spiel bleibt sich Rehhagel treu. Seine Schwerpunkte: Disziplin und Psychologie gepaart mit einer Portion Lockerheit. So bestritt er bisher in Berlin seinen Dienst. Taktik? Ein untergeordnetes Thema. "Ihr übertreibt es mit eurem Systemfanatismus", hatte Rehhagel im "kicker" erklärt: "Die Viererkette kann pendeln und hoch stehen. Aber wenn der Gegner den Ball in die Nahtstelle, wie es so schön neudeutsch heißt, spielt und du am Ende 1:3 verlierst, schaut dich deine Frau abends trotzdem schief an." Und komische Blick von seiner Beate will sich Rehhagel nach dem Augsburg-Spiel garantiert nicht einfangen. Denn bei einer Niederlage könnte die Regentschaft von "König" Otto" bereits nach dem ersten Spiel in eine "Staatskrise" schlittern. "Dieses Spiel ist unglaublich schwierig", betonte er.

Nur zwei Punkte trennen Berlin auf Platz 15 vom Tabellen-17. aus Augsburg. Eine Niederlage beim Mitaufsteiger wäre nicht nur gleichbedeutend mit der sechsten Ligapleite in Folge, die "Alte Dame" würde auch erstmals in der Saison auf den Relegationsplatz abrutschen. Mindestens. Rehhagel ist also primär als Psychologe gefordert. Die ersten kleinen psychologischen Erfolge ließen sich schon heraushören. Das Vertrauen in Rehhagels Kompetenz ist riesig. "Alles, was er sagt, hat Hand und Fuß", sagte Pierre-Michel Lasogga.

FCA-Coach Jos Luhukay rechnet mit einem engen Spiel. "Wir kennen die Hertha-Mannschaft sehr gut, sind ja auch in der letzten Saison gemeinsam aufgestiegen. Es wird 90 oder 95 Minuten harte Arbeit von beiden Mannschaften geben." Dabei ist für Luhukay entscheidend, dass "wir uns in den entscheidenen Momenten durchsetzen und zuschlagen". Personell kann Luhukay wieder auf Mittelfeldspieler Daniel Baier bauen, der seine Gelbsperre abgesessen hat. "Er wird wieder in den Kader rücken", kündigte der Trainer an. "Ob Tobias Werner, der nach seinem Mittelhandbruch mit einer Spezialmanschette trainiert hat, wieder dabei sein kann, werden wir nach dem Abschlusstraining entscheiden." Verletzt ausfallen werden weiterhin Dawda Bah, Jan Moravek und Marcel de Jong. Bei Stürmer Nando Rafael hofft der Trainer, dass er in der kommenden Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann. "Wegen seiner Schulterverletzung ist er von den Ärzten freigegeben, aber er hat noch Leistenbeschwerden, so dass wir dies abwarten müssen."



Schiedsrichteransetzungen

Die Eigentor-Gefahr für das Rheinand-Pfalz-Duell ist rapide gesunken: Mainz 05 muss im Derby gegen den abstiegsbedrohten 1. FC Kaiserslautern ohne Kapitän Nicolce Noveski auskommen. Der mazedonische Innenverteidiger, der beim zurückliegenden 1:1 der Mainzer bei 1899 Hoffenheim mit dem sechsten Eigentor seiner Karriere den Bundesliga-Rekord von Manfred Kaltz eingestellt hat, erlitt im Training eine Oberschenkelzerrung. Fraglich ist zudem der Einsatz von Marco Caligiuri, der an einer Magenverstimmung leidet. Sicher nicht dabei sind die seit längerer Zeit verletzten Bo Svensson, Marcel Risse, Zedenek Pospech und Stefan Bell.

"Wir werden das Spiel mit all seinen Emotionen angehen", sagte FSV-Trainer Thomas Tuchel, der die jüngste Partie der Pfälzer (1:2 gegen Borussia Mönchengladbach) live im Stadion verfolgt hat: "Ich habe schon einige Derbys gespielt, aber für mich macht es keinen Unterschied, wer auf der anderen Seite steht. Die Fans sehen das natürlich anders." Der Platz des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und bekennenden FCK-Fans Kurt Beck auf der Tribüne wird frei bleiben. Der Landesvater fehlt wegen eines Parteitermins.

Die seit zwölf Spielen erfolglosen Lauterer müssen um den Dänen Leon Jessen (Infekt) bangen. Jessen erzielte am letzten Spieltag das "Tor des 22. Spieltags". Weiterhin fehlen die schon zuletzt verletzten Alexander Bugera (Fußprellung) und Itay Shechter (Zerrung im Oberschenkel). "In erster Linie geht es um drei Punkte, für die Fans ist der Derby-Sieg wichtiger als für uns", sagte FCK-Trainer Marco Kurz, der am Donnerstag ein Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit angesetzt hatte: "Wir werden während der ganzen Woche begleitet, da tut so eine Trainingseinheit nur für uns einmal ganz gut. Das ist nichts Besonderes und Geheimnisvolles."



Schiedsrichteransetzungen

VfB-Sportdirektor Fredi Bobic hat vor dem Derby gegen Tabellenschlusslicht Freiburg die Stimmung angeheizt. "Den Freiburgern ist es egal, ob sie in der ersten oder zweiten Liga spielen. Die haben eh keinen Druck", sagte der frühere Europameister. Von den Schwaben verlangt Bobic nach den zuletzt wechselhaften Leistungen vollen Einsatz. "Es muss knallen auf dem Platz", sagte er. In die gleiche Kerbe schlug Bruno Labbadia. "Wir brauchen Kampfgeist. Freiburg betreibt einen hohen Aufwand. Es wird ein heißes Spiel", sagte der Trainer. Noch offen ist der Einsatz von Innenverteidiger und VfB-Kapitän Serdar Tasci. Der Nationalspieler wurde unter der Woche wegen Oberschenkelproblemen intensiv behandelt und trainierte nur individuell. Das Abschlusstraining am Freitag konnte er allerdings mitmachen. Fehlt Tasci weiterhin, dürften wie gegen die Niedersachsen Maza und Georg Niedermeier die Stuttgarter Innenverteidigung bilden.

Die Freiburger gehen nach dem 1:1 gegen die Bayern selbstbewusst ins Derby. Grundsätzlich, glaubt SC-Trainer Christian Streich, werde die kommende Partie "ein anderes Spiel als gegen Bayern". Der VfB, glaubt der Freiburger Coach, spiele flexibler, "deshalb müssen auch wir in der taktischen Herangehensweise flexibler arbeiten, sowohl gegen den Ball als auch mit dem Ball". Streich stellt trotz der VfB-Pleite in Hannover klar: "Wir kommen sicher nicht auf die wahnwitzige Idee, sie zu unterschätzen." Zumal Streich um die Stärken des kommenden Gegners weiß: "Sie haben eine richtig gute individuelle Qualität. Ein Tasci mit seiner Spieleröffnung, ein Khalid Boulahrouz, Vedad Ibisevic, Cacau, Martin Harnik oder Shinji Okazaki, das sind richtig gute Spieler und nicht umsonst alles Nationalspieler."

Verzichten muss Streich auf Innenverteidiger Pavel Krmas. Er fehlt nach wie vor aufgrund eines Muskelfaserrisses in Wade. Auch Julian Schuster und Mensur Mujdza spielen noch keine Rolle. Anton Putsila stieg nach Fersenproblemen am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining ein, ob er eine Alternative für Samstag ist, steht noch nicht fest. Wann Innenverteidiger Oliver Barth ( Knieproblemen) ist ebenso offen. Länger fehlen wird Stürmer Simon Brandstetter, der sich am Freitag einer Leistenoperation unterziehen muss.



Schiedsrichteransetzungen

Mit oder ohne Lukas Podolski - das ist beim 1. FC Köln vor dem Rheinderby die große Frage. Der Nationalstürmer ist nach seiner langen Verletzungspause am Donnerstag ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Jetzt muss Trainer Stale Solbakken abwarten, wie die Reaktion des lädierten Fußes auf die Belastung ausfällt. "Lukas will alles versuchen", sagt Trainer Stale Solbakken und hofft zumindest auf einen Kurzeinsatz seines Torjägers. Verzichten muss der Coach auf Kapitän Pedro Geromel. Der Innenverteidiger musste das Abschlusstraining wegen seiner Wadenprobleme abbrechen und fehlt den "Geißböcken" damit ebenso wie Ammar Jemal (Faserriss im Oberschenkel), Kevin Pezzoni (Nasenbeinbruch), Henrique Sereno (Adduktorenprobleme) und Miso Brecko (fünfte Gelbe Karte).

Nach der herben 1:4-Niederlagen im Hinspiel setzt Bayer Leverkusen alles daran, am Samstag in Köln erfolgreich zu sein. "Ganz klar, wir haben einiges gutzumachen", betont Cheftrainer Robin Dutt, "dieses Duell mit Köln ist schließlich nicht nur sportlich sehr wichtig, sondern vor allem auch emotional. Und wenn wir damit noch ein paar Prozent mehr Leistung rauskitzeln können, werde ich die Mannschaft sicherlich noch mal daran erinnern."

Bei der "Werkself" dürfte Eren Derdiyok am Samstag wieder zum Kader gehören. "Für 90 Minuten wird es bei ihm noch nicht wieder reichen, aber er ist eine Option für eine Einwechselung", sagt Dutt. Auch der leicht angeschlagene Gonzalo Castro habe am Morgen gut trainiert. "Ich gehe davon aus, dass bis Samstag alles in Ordnung ist", erklärte der Trainer. Fehlen werden Bayer 04 in Köln Tranquillo Barnetta, Sidney Sam, Michael Ballack und Rene Adler. Letztgenannter absolvierte am Mittag ein torwartspezifisches Programm mit Rüdiger Vollborn. "Rene soll in den nächsten zwei, drei Wochen wieder ans Mannschaftstraining herangeführt werden", sagte Dutt.



Schiedsrichteransetzungen

Der neue 1899-Trainer Markus Babbel ist mit dem körperlichen Zustand seiner Profis nicht zufrieden, will diese Erkenntniss aber nicht als Kritik an seinem Vorgänger Holger Stanislawski verstanden wissen. "Es sind gute Werte, aber es ist Luft nach oben", sagte Babbel vor dem Duell mit Wolfsburg "Für meine Philosophie müssen wir hart arbeiten, weil wir ein Spiel zeigen wollen, das kräfteraubend ist. Das soll keine Kritik an den Vorgängern sein, weil ich nicht weiß, was sie spielen wollten. Für mein Spiel müssen wir einen Tick mehr machen."

Babbel sieht sich durch die ersten beiden Auftritte der Mannschaft unter seiner Regie (1:1 bei Werder Bremen, 1:1 gegen den FSV Mainz 05) in seiner Einschätzung bestärkt. "Immer dann, wenn die Power da war, haben wir es sehr gut gemacht. Wir haben aber zu viele Phasen, wo wir zu passiv geworden sind - und dann ging es auf einmal wieder", erklärte der Coach: "Für mein Spiel braucht man Wettkampfpower und Wettkampfhärte. Das muss man trainieren. Ich weiß, wie es geht. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Das ist natürlich für die Jungs jetzt ungewohnt, aber da will ich auch keine Rücksicht nehmen." Babbel muss lediglich auf die Rekonvaleszenten verzichten. "Ansonsten sind alle Mann an Board", berichtet der Trainer. Auch Isaac Vorsah steht dem Coach nach seiner Teilnahme am Afrika-Cup sowie einer Pause gegen Mainz wieder zur Verfügung.

Nach der 0:4-Pleite bei Schalke 04 fordert VfL-Coach Felix Magath seine Mannschaft auf, "eine Reaktion zu zeigen". Er sorgt sich dabei auch noch um die Besetzung der Sechser-Position. "Dass wir zuletzt defensiv nicht mehr so gut ausgesehen haben, hat auch damit zu tun. Es stört da schon, dass Jan Polak nicht zur Verfügung steht." Positiv sieht er die Entwicklung eines Neuzugangs. "Bei Vieirinha entwickelt sich alles sehr gut. Er hat wieder mit trainiert und könnte möglicherweise könnte er schon mal in den Kader rutschen." Erstmals Teil des 18er-Aufgebots ist auch Winterneuzugang Winterneuzugang Slobodan Medojevic.

Vor allem in der Defensive sieht Magath die Stärken der Kraichgauer. "Es wird Sicherheit eine schwierige Aufgabe, diese Abwehr zu knacken." Zudem blickt beim Duell mit seinem alten Arbeitgeber natürlich alles auf 1899-Stürmer Sdrjan Lakic. Der Kroate kam beim VfL nie richtig an. Auch Magath weiß: "Es ist natürlich immer so, dass Spieler, wenn sie gegen ihren ehemaligen Club spielen, besonders motiviert sind. Insofern deutet eigentlich alles darauf hin, dass Srdjan Lakic jetzt gegen uns sein erstes Tor schießt."




Schiedsrichteransetzungen