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Wenn am 23. Mai 2009 alle Partien des 34. Spieltag abgepfiffen sind, steht die Abschlusstabelle der Bundesliga fest. Doch damit sind noch nicht alle Entscheidungen gefallen.

Denn erstmals seit 1991 gibt es wieder für den Drittletzten des Endklassements eine zweite Chance. In zwei Relegationsspielen gegen den Tabellen-Dritten der 2. Bundesliga wird am 28. und 31. Mai der 18. und letzte Bundesligist der Saison 2009/2010 ermittelt.

Kein Entscheidungsspiel mehr

Statistisch gesehen hat der Bundesligist gute Chancen, den Klassenerhalt zu schaffen. Denn in sieben von zehn zwischen 1982 und 1991 ausgetragenen Duellen konnte sich der Bundesligist am Ende durchsetzen. Doch die Zahlen zeigen auch, wie knapp die Entscheidung meistens ausfiel. Nur ein einziges Mal gelang es einem Team, beide Spiele zu gewinnen. Drei Mal wurde ein drittes Entscheidungsspiel notwendig, einmal ging es sogar ins Elfmeterschießen.

Das wird in dieser Saison etwas anders werden. Denn die Regularien wurden modifiziert. Anders als vor 18 Jahren findet die im Europapkal übliche Auswärtstorregelung Anwendung, nach der auswärts erzielte Tore mehr zählen als zuhause erzielte Treffer. Auch ein drittes Entscheidungsspiel wird es nicht mehr geben, da bereits im Rückspiel die Entscheidung fällt, spätestens nach Verlängerung oder im Elfmeterschießen.

"Die Relegationsspiele haben in der Vergangenheit eigentlich immer für große Spannung und Dramatik gesorgt. Diesen zusätzlichen Spannungsfaktor wollen wir künftig einfach wieder nutzen, um die Bundesliga und 2. Bundesliga noch interessanter zu machen", begründet Holger Hieronymus, der DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, im Gespräch mit bundesliga.de die Wiedereinführung der Relegationsspiele.

Dramatische Duelle

Spannend und dramatisch ging es in der Tat zu. Und torreich. Nur einmal gab es ein 0:0, 1988 im entscheidenden dritten Spiel zwischen dem damaligen Bundesligisten SV Waldhof Mannheim und dem SV Darmstadt 98. Waldhof setzte sich im Elfmeterschießen mit 5:4 durch.

Prominente Bundesliga-Vereine wie Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt (gleich zwei Mal), Borussia Dortmund oder Schalke 04 mussten "nachsitzen". Souverän meisterte Leverkusen mit zwei Siegen (1:0 und 2:1) gegen Kickers Offenbach 1982 die Herausforderung, Schalke 04 dagegen stieg 1983 nach einem 1:3 und 1:1 gegen Bayer Uerdingen ab. Die Eintracht verbuchte 1984 mit einem 5:0 in Duisburg den höchsten Auswärtssieg, ansonsten gelang keiner Mannschaft ein Heim- oder Auswärtsssieg mit mehr als zwei Toren Vorsprung.

Die dramatischsten Duelle lieferten sich 1986 Borussia Dortmund und Fortuna Köln. Der Zweitligist aus der Domstadt hatte ein komfortables 2:0 vorgelegt und war bei einer 1:0-Pausenführung auch im Rückspiel im ausverkauften Westfalenstadion auf der Siegerstraße. Doch nach Toren von Michael Zorc und Marcel Raducanu hatte der BVB das Spiel gedreht. Aber erst in der Nachspielzeit gelang dem Dortmunder Stürmer Jürgen "Kobra" Wegmann das legendäre Kullertor zum 3:1, das ein Entscheidungsspiel erforderlich machte.

1991 bislang letztes Relegationsspiel

Das fand im Düsseldorfer Rheinstadion statt und endete 8:0 für die Borussia. Das Bemerkenswerte an der Partie war, dass sie nicht am ursprünglich vorgesehenen Termin stattfinden konnte. Fortuna Köln hatte eine Verschiebung durchsetzen können, weil die Kölner zunächst nicht elf gesunde Spieler zusammen bekamen. Zwar hatte sich die Lage im Krankenlazarett auch eine Woche später nicht wesentlich verbessert, doch diesmal fand das Spiel statt. Die stark ersatzgeschwächten Kölner gingen mit 0:8 unter - und der Dortmunder Torhüter Eike Immel musste der deutschen Nationalmannschaft hinterherreisen, die sich bereits in Mexiko auf die WM vorbereitete.

Die bislang letzten Relegationsspiele bestritten 1991 der Bundesligist FC St. Pauli und die klassentieferen Stuttgarter Kickers. Nach zwei 1:1-Unentschieden setzten sich die Schwaben im Entscheidungsspiel mit 3:1 durch.

Bayer Uerdingen ist der Rekordhalter

Übrigens gab es auch zwischen 1975 und 1981 bereits Entscheidungsspiele. Damals kämpften die jeweils Zweitplatzierten der 2. Bundesliga Nord und Süd gegeneinander um den dritten Aufstiegsplatz. Clubs wie der FK Pirmasens oder die SpVgg Bayreuth standen kurz vor dem größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte, beide scheiterten übrigens 1975 bzw. 1979 an Bayer Uerdingen.

Die Krefelder, die sich auch 1983 gegen Schalke 04 durchsetzten, halten mit insgesamt drei gewonnenen Aufstiegsduellen den Rekord. Eintracht Frankfurt könnte die Bestmarke der Uerdinger in dieser Saison theoretisch noch einstellen. Doch für die Hessen gibt es sicherlich erstrebenswertere Rekorde...

Tobias Gonscherowski