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München - Die vergangene Saison endete für Bayern Münchens Verteidiger Holger Badstuber mit Misserfolgen in allen Wettbewerben, der verpassten Meisterschaft folgten die verlorenen Finals im Pokal und in der Champions League sowie das Ausscheiden mit Deutschland im Halbfinale der Europameisterschaft.

Nachdem den Bayern der Auftakt in die Saison 2012/13 gelungen ist - der Rekordmeister siegte in der 1. Runde des DFB-Pokals mit 4:0 bei Jahn Regensburg und gewann den Supercup gegen Borussia Dortmund (Sonderseite Supercup 2012), gibt sich der Linksfuß hochmotiviert vor dem Start der neuen Runde. "Ich will sehen, dass hier jeder alles gibt", sagt Badstuber im Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Badstuber, was bedeutet Ihnen der Sieg im Supercup gegen Dortmund? Ist das ein gutes Omen für die Saison?

Holger Badstuber: Nach zwei Jahren ohne Sieg gegen sie ging es für uns natürlich ums Prestige. Denn wenn wir verloren hätten, hätte es wieder ein großes Donnerwetter gegeben. Wir nehmen viel Selbstvertrauen daraus mit. Aber wir wollen das nicht überbewerten, beide Mannschaften haben noch Luft nach oben. Es ist ein schönes Gefühl - doch in der Liga gibt es aber dann die wichtigeren Duelle.

bundesliga.de: Bayern München hat in der Sommerpause viele Spieler verpflichtet - wie haben sie sich bislang integriert?

Badstuber: Sehr gut, das ist bei uns aber auch nicht schwer. Wir sind eine offene, lustige Truppe. Jeder versteht sich mit jedem gut, gleichzeitig ist das ganze Team sehr professionell.

bundesliga.de: Ein Neuer ist auch Dante, der im Supercup begonnen hat. Wie gehen Sie mit dem größeren Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung um?

Badstuber: Konkurrenz ist bei jedem großen Club wichtig. Aber ich gehe mit einem positiven Gefühl in diese Saison. Ich habe letzes Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht, auf nationaler und internationaler Ebene. Ich glaube, ich war der Spieler mit den meisten Einsatzminuten. Aber jetzt habe ich neue Ziele, neuen Willen, will mich weiterentwickeln. Fußballerisch und menschlich. Wenn ich das alles kombinieren kann, dann werde ich auch spielen.

bundesliga.de: Von welchen neuen Zielen sprechen Sie?

Badstuber: Man kann immer etwas dazu lernen. Ich bin 23, ich bin nicht perfekt. Zum Beispiel die Art und Weise, wie man sich auf dem Platz präsentiert - daran werde ich noch arbeiten.

bundesliga.de: Ein Ziel ist es sicherlich, weit in der Champions League zu kommen. Im Finale konnten Sie nicht spielen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Badstuber: Das war natürlich ein herber Schlag für mich. Jeder Fußballer will Finals spielen. Ich habe zwar schon eines gespielt, aber leider verloren. Und jetzt haben wir diesen Pokal wieder nicht geholt. Es pusht mich jetzt umso mehr, dass ich mit 23 zwei Mal ins Finale gekommen bin und keinen Titel habe. Doch es wird mir auch ein drittes Mal gelingen, und dann schaffen wir es. Wenn man dieses Ziel erreicht hat, dann ist man einer von wenigen. Einen Champions-League-Titel hat nicht jeder auf seiner Visitenkarte. Das ist mein großes Ziel.

bundesliga.de: Wie würden Sie den Menschen Holger Badstuber beschreiben?

Badstuber: Ich bin sehr zielstrebig und versuche immer, mein Bestes zu geben. Außerdem bin ich sehr heimatverbunden, ein Familienmensch, ich bin gerne unter Leuten und habe Spaß mit Freunden. Aber ich genieße auch meine Ruhe, wenn ich fernab von Fußball bin.

bundesliga.de: Was zeichnet Sie als Fußballer aus?

Badstuber: Ich versuche immer, alles zu geben. Es fängt im Training an, wenn man seine Mitspieler mitreißt. Wer hart arbeitet, der bekommt auch den Erfolg zurück und ich will sehen, dass hier jeder alles gibt. Das ist das richtige Rezept für große Titel, und die wollen wir schließlich alle haben.

bundesliga.de: Wo liegt Ihre persönliche Priorität - Bundesliga, Champions League oder DFB-Pokal?

Badstuber: Nach den letzten zwei Jahren hat die Meisterschaft die oberste Priorität. Wir können uns da nichts mehr erlauben. Wir hatten letztes Jahr eine sehr gute Phase, aber sie war zu kurz. Wir haben die wichtigen Punkte liegen lassen - das darf nicht mehr passieren. Dafür müssen wir auch Kritik annehmen. Wir werden von Spiel zu Spiel schauen und von kleinen Zielen reden. Das tut uns gut - und es fokussiert auch.

bundesliga.de: Sportdirektor Matthias Sammer ist auch neu beim FCB. Wie haben Sie ihn bisher erlebt?

Badstuber: Er tut dem FC Bayern mit seiner frischen Art sehr gut. Er bringt ein gewissen Zug in das Ganze herein, in die Mannschaft auch. Er schaut im Training zu, er beobachtet uns - da merkt man schon, dass ein neuer Wind weht.

bundesliga.de: Was hat die Bundesliga, was andere Ligen nicht haben?

Badstuber: Eine unglaubliche Präsenz im ganzen Land. In keinem anderen Land sind die Stadien so oft ausverkauft. Die Stadien sind einzigartig, es gibt kaum veraltete Arenen. Auch die Breite der Mannschaften, die oben mitspielen können, wächst immer weiter, nirgendwo ist die Spannung für die Zuschauer so groß. Außerdem ist die Nachwuchsarbeit herausragend. Die Clubs setzen auf die Jugend - und das mit Erfolg.

Von der Säbener Straße berichtet Jonathan Stockitt