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Wie sieht der Stadionbau der Zukunft aus? Welche Baumaßnahmen sind inbesondere vor dem Hintergrund größtmöglicher Barrierefreiheit in der Planung zu berücksichtigen? Unter anderem mit diesen Themen befasste sich der 21. internationale Fachkongresses für Planung, Bau, Modernisierung und Management von Sport- und Freizeitanlagen in Köln, an dem auch Vertreter der DFL teilnahmen.

Die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH verfügt über Expertisen, die für Verbände und Ligen im Zusammenhang mit dem Bau behindertengerechter Stadien hilfreich sein können.

"Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern, Sehbehinderten und Gehörlosen berücksichtigt"

"Die Clubs der Bundesliga haben im internationalen Vergleich außergewöhnlich gute Bedingungen für Menschen mit Behinderung. Unser ganzheitlicher Ansatz basiert auf dem Konzept der Barrierefreiheit im Stadion und berücksichtigt die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern, Sehbehinderten und Gehörlosen", sagt Holger Hieronymus, DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb.

Ein Paradebeispiel, wie der Stadionbau im Bereich des Ligaverbandes vonstatten geht, ist der Bau der Coface Arena, in der ab der Rückrunde 2010/11 der 1. FSV Mainz 05 seine Heimspiele austragen möchte. Barrierefreiheit wird dabei groß geschrieben: Laut Architekt Dr. Stefan Nixdorf werden etwa 200 Plätze für Fans mit Behinderung entstehen.

Spanien mit Nachholbedarf

Die Coface Arena wird ein weiteres Beispiel für den Spitzenstandard geben, den die modernen Stadien der Bundesliga durchweg bieten. Ein Standard, der in anderen europäischen Ligen längst nicht erreicht wird. Dr. Juan Luis Paranio Salcines, Professor an der Autonomen Universität Madrid, präsentierte dazu eine Untersuchung über die Verhältnisse in der spanischen Liga BBVA (ehemals Primera División).

Im Rahmen des Fachkongresses stellte Salcines besonders den Spitzenclubs Real Madrid oder FC Barcelona kein gutes Zeugnis in Sachen Barrierefreiheit aus. So stünden in Barcelona gerade mal 31 Plätze für Rollstuhlfahrer zur Verfügung - bei einem Fassungsvermögen des "Nou Camp" von fast 99.000 Zuschauern. Und diese Plätze direkt hinter den letzten Sitzreihen des Unterrangs seien weit vom Spielfeld entfernt mit schlechten Sichtverhältnissen.

Keine Stadiontouren für Behinderte

Auch im Madrider Santiago-Bernabéu-Stadion, das bis 2006 aufwändig renoviert und ausgebaut wurde, haben es Fans mit Behinderung nicht leicht. Zwar wurde die Zahl der Plätze für Rollstuhlfahrer auf 70 aufgestockt, doch in der Infrastruktur gebe es etwa bei Parkplätzen, Einlasstoren oder Ausgängen Nachholbedarf.

"Bei Real Madrid sind an Heimspieltagen etwa 700 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Aber keiner speziell für Behinderte", sagte Salcines. Desweiteren würden weder bei Barcelona noch bei Madrid spezielle Stadion- oder Museumstouren für Behinderte angeboten. Informationen für Fans mit Behinderung suchte man auf den Homepages vergeblich.

Manchester United als Vorbild

In Zusammenarbeit mit dem spanischen Ligaverband sollen die Missstände im Bereich Barrierefreiheit schrittweise behoben werden. Bis 2010 sollen die spanischen Vereine für diese Thematik sensibilisiert werden. Bis 2011 sind im Rahmen finanzieller Möglichkeiten Verbesserungen außerhalb der Stadien geplant, bis 2012 innerhalb der Stadien.

Absolut vorbildliche Strukturen hat dagegen Englands Meister Manchester United aufgebaut. Schon seit 1989 existiert die Vereinigung behinderter Fans von Manchester United (MUDSA), die in Zusammenarbeit mit dem Club ständig an Verbesserungen arbeitet.

So gibt die MUDSA auf ihrer Homepage detaillierte Informationen für Heim- und Auswärtsfans zu allen Behindertenplätzen, Anreise, Parkplätzen oder das Mitbringen von speziell ausgebildeten Hunden. Im Stadion "Old Trafford" steht eigens eine behindertengerechte Loge für Rollstuhlfahrer zur Verfügung, alle Neuigkeiten und alles Wissenswerte lesen Interessierte im regelmäßig erscheinenden "Rollin‘ Reds Magazine".

Stefan Kusche