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Mit einer 0:1-Niederlage kehrte Borussia Dortmund aus Mainz zurück - trotz einer imposanten Zahl von 69 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnener Zweikämpfe, mehr Ecken und mehr Torschüssen.

Im Interview sucht Patrick Owomoyela nach den Gründen und blickt auf die Perspektiven des BVB.

Frage: Wie tief sitzt die Enttäuschung nach der Niederlage?

Patrick Owomoyela: Wir haben uns sicher alles andere vorgenommen. Wir wollten in Mainz gewinnen, um unsere Position weiter zu verbessern und unsere Ambitionen auf die Europa League zu unterstreichen. Das haben wir schlicht nicht geschafft.

Frage: Warum konnte sich der BVB nicht durchsetzen?

Owomoyela: Weil die Mainzer eine schöne Einzelaktion hatten, mit der sie dann auch in Führung gegangen sind. Dieses Tor hat das ganze Spiel verändert und für uns schwerer gemacht. Wir hätten das Spiel schon in der ersten Halbzeit in die richtige Bahn lenken können. Da hatten wir mehrere klare Torchancen, die wir nicht genutzt haben.

Frage: Der BVB hat sich später trotz viel Ballbesitz kaum noch Chancen erspielt. Woran hat das gelegen?

Owomoyela: Mainz hat nach dem Tor mit Mann und Maus den Vorsprung verteidigt - und dass sie in der Defensive alles andere als schlecht sind, das wussten wir vorher. Wenn Mainz einmal führt, versuchen sie das mit allen Mitten über die Runden zu bringen. Sie haben sehr diszipliniert gespielt. Dass es dann sehr schwer wird, haben vor uns auch schon andere Mannschaften erfahren müssen. Aber dazu hätte es gar nicht erst kommen müssen. Mit einem eigenen Tor schon in der ersten Hälfte hätten wir das Spiel offen halten können - aber das haben wir verpasst und das hat den Ausschlag gegeben.

Frage: Hat es dem BVB auch an den spielerischen Mitteln gefehlt?

Owomoyela: Wir haben ja versucht, ins Spiel zu kommen. Vor dem Gegentor waren wir zumindest durch Eckbälle und Standards gefährlich, aber danach hat Mainz uns mit der massiven Defensive das Leben wirklich schwer gemacht. Wir haben bestimmt auch nicht die Leistung auf den Platz gebracht, die wir bringen können. Aber hätten wir eine der frühen Chancen genutzt oder den ein oder anderen Angriff besser zuende gespielt, dann wäre sicher mehr möglich gewesen.

Frage: In der zweiten Halbzeit war Mainz dem zweiten Treffer sogar näher als der BVB dem Ausgleich.

Owomoyela: Wenn man das gesamte Spiel sieht, haben wir defensiv eigentlich wenig zugelassen. In der ersten Halbzeit hatte Mainz wohlwollend zwei Möglichkeiten. In der zweiten Hälfte sind sie zu Konterchancen gekommnen, weil wir natürlich aufmachen mussten und selbst offensiver gespielt haben. Aber defensiv müssen wir uns nichts vorwerfen. Wir haben diesmal unsere eigenen Stärken im Offensivspiel nicht gut auf den Platz gebracht. Das war der Mainzer Defensivkunst geschuldet, aber auch unserer eigenen Leistung. Diese Niederlage war auch ein Stück weit Dummheit von uns.

Frage: Welche Konsequenzen muss der BVB aus der Niederlage ziehen?

Owomoyela: 99 Prozent von dem, was wir können, reichen nicht. Wir müssen immer 100 Prozent geben. Das heißt nicht, dass es uns gegen Mainz an der richtigen Einstellung gefehlt hat. Aber wir haben einfach nicht alles auf den Platz gebracht, was wir können. Das muss gegen Hoffenheim wieder anders werden.

Frage: Wie schätzen Sie jetzt die Ausgangslage in der Tabelle ein?

Owomoyela: Es geht noch um sehr viel - und dass wir noch gar nichts erreicht haben, das wussten wir auch vor dem Spiel. Im Umfeld wurde zuletzt viel von Platz 3 und der Champions League geredet. Aber wir wussten, dass es für uns in erster Linie darum geht, unsere Position in der Tabelle zu wahren. Auch in die Europa League ist es noch ein weiter Weg. Hinter uns lauern Bremen, Hamburg, Stuttgart - die wollen alle in den Europapokal und die müssen wir von uns fernhalten. Darum sollten wir uns auch weniger mit dem Blick nach oben beschäftigen.

Frage: In der letzten Saison hat der BVB am letzten Spieltag die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verspielt. Kommen da Erinnerungen auf?

Owomoyela: Natürlich kann ich mich daran noch erinnern. Aber das ist nichts, was uns unsicher werden lässt. Wir haben eine wesentlich bessere Ausgangssituation als im vergangenen Jahr - wir sollten sie aber auch nicht leichtfertig verspielen. Gegen Mainz haben wir zu wenig dafür getan, um sie zu behalten.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte