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Hamburg - Auf den Tag genau vier Jahre vor der Partie gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag hatte Holger Stanislawski das Amt des Trainers beim FC St. Pauli angetreten. Nach Feiern war dem 41-Jährigen aber nicht zumute.

Im Gegenteil, statt sich über Geschenke zum Jubiläum freuen zu können, ärgerte sich der Coach darüber, dass seine Mannschaft fünf Wochen vor Weihnachten den Gegner mit einem Punkt bescherte.

Statistischer Vorteil für die Hausherren

18:3 Torschüsse hatten die Statistiker gezählt. Die Maßnahme des Trainers, die Mannschaft offensiver auszurichten, hatte sich ausgezahlt.

"Ich habe die 'Doppel-Sechs' aufgelöst und Fabian Boll als 'Acht' spielen lassen. So konnte er mehr Akzente nach vorn setzen", beschrieb Stanislawski seine Taktik und ärgerte sich weniger darüber, dass seine Mannschaft den Sack nicht zugemacht hatte, als darüber, wie der Ausgleich zu Stande gekommen war.

"Fünf Sekunden Tiefschlaf"

"Wir haben ein wahres Feuerwerk abgebrannt und leider versäumt, das 2:0 zu machen. Aber wir waren die klar bessere Mannschaft. Wolfsburg hatte eigentlich kein Chance, da muss auch ein 1:0 mal reichen", brachte den ehemaligen Innenverteidiger das Verhalten seiner Defensive beim Ausgleich für die ansonsten zahnlosen "Wölfe" in Rage: "Das war eine Fünf-Sekunden-Tiefschlaf-Phase. Wenn man erkennt, dass der gegnerische Torwart den Ball weit nach vorn schlagen will, muss man sich als Mannschaft entsprechend postieren."

"Das Tor steht immer noch in der Mitte. Das muss ich der Mannschaft wohl noch mal erklären. Wir haben die Mitte nicht zugemacht. Sowas darf auch in der zweiten, dritten oder in der Regionalliga nicht passieren. Das ärgert mich wahnsinnig", war der Trainer stinksauer: "Im Geschenke-Verteilen sind wir sehr großzügig."

"Kann mich über mein Tor nicht freuen"

Trotz des ersten Punktes nach vier Niederlagen in Folge und der Tatsache, dass die Hamburger am heimischen Millerntor gegen Wolfsburg weiter unbesiegt blieben, war auch den Spielern nicht nach feiern. "Ich kann mich über mein Tor nicht freuen", war Markus Thorandt enttäuscht. Wie schon beim 1:0 gegen Leverkusen hatte der einzige Fehler im Spiel des ansonsten stark aufspielenden Innenverteidigers zu einem Treffer für die gegnerische Elf geführt.

"Für uns und für die Fans war dieser eine Punkt zu wenig", erkannte auch Fin Bartels. Aber der Neuzugang aus Rostock gewann der "gefühlten Niederlage" auch positive Seiten ab: "Auf dieser Leistung können wir aufbauen."

"Sind auf dem richtigen Weg"

"Wir haben die Marschroute des Trainers eingehalten und hätten gewinnen müssen", stellte Carsten Rothenbach fest und ist sicher: "Wir sind auf dem richtigen Weg."

Das sah auch Stanislawski so, nachdem der Ärger über die "verschenkten Punkte" ein wenig verraucht war: "Zu 95 Prozent haben es die Jungs richtig gut gemacht. Nur fünf Prozent waren schlecht. Es liegt an uns, dass wir uns auch wieder belohnen. Wir sind nach unserem guten Start nicht mit Papp-Meisterschalen durch die Gegend gelaufen, und wir werden jetzt nicht panisch, nur weil es nicht so gut läuft."

Nicht so gut läuft es derzeit auch bei St. Paulis nächstem Gegner Werder Bremen. An der Weser wollen die Hamburger gegen die mit 31 Gegentoren zweitschwächste Abwehr der Bundesliga an ihrer offensiven Ausrichtung festhalten und sich selbst mit drei Punkten beschenken.

Jürgen Blöhs