ANZEIGE

Mainz - Der 1. FSV Mainz 05 hat am Montag als zweiter Bundesligist nach dem HSV die Vorbereitung auf die neue Saison begonnen. Die Rheinhessen bestreiten ihr erstes Pflichtspiel der Saison bereits am 31. Juli, wenn der Verein in die Qualifikation zur Europa League einsteigt.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Mainzer Sportdirektor Christian Heidel über die Saisonvorbereitung, den neuen Trainer Kasper Hjulmand, ein ungewöhnliches Trainingslager und die sportlichen Ziele des Vereins.

bundesliga.de: Herr Heidel, die DFL hat den neuen Bundesliga-Spielplan veröffentlicht (Bericht). Mainz 05 muss zum Auftakt nach Paderborn. Wie bewerten Sie die Partie?

Christian Heidel: Ich bin immer vorsichtig. Wenn man sagt, der Spielplan sei gut, gehen die Leute davon aus, dass man von leichten Spielen spricht. Aber wir wissen, wie das ist, wenn man als Aufsteiger in die Bundesliga geht. Die ganze Region wird euphorisiert sein. Wir wissen, wie schwer das Spiel wird und freuen uns auf das Spiel und darüber, dass wir der erste Bundesliga-Gegner von Paderborn sind. (Video: Acht Höhepunkte nach dem Eröffnungsspiel)

bundesliga.de: Danach warten dann mit Hannover, Hertha und Dortmund durchaus anspruchsvolle Gegner.

Heidel: In der Bundesliga gibt es nur anspruchsvolle Gegner. Ich weiß, wie oft Spielpläne vor der Saison eingeschätzt wurden und wie bitter man sich dann getäuscht hat. Mannschaften, von den man glaubte, dass sie um die Meisterschaft spielen, stecken auf einmal unten drin und umgekehrt. Ich habe mir nie so ganz große Gedanken gemacht, ob ein Spielplan gut oder schlecht für einen ist. Man weiß es erst, wenn die Spiele gespielt sind.

bundesliga.de: In den letzten Jahren ist Mainz schon öfter sehr gut gestartet, im letzten Jahr mit drei Siegen in den ersten drei Spielen, vor Jahren auch einmal mit einem Bundesliga-Startrekord. Mainz scheint, Bundesliga-Auftakt zu können.

Heidel: Ich kann mich aber auch daran erinnern, dass wir die ersten fünf Spiele verloren haben. Wir haben alles schon gehabt. Meistens waren die Gefühle vor einem Saisonstart in punkto Spielplan nicht deckungsgleich mit dem, was später passiert ist. Uns wurde schon prognostiziert, dass wir kein Spiel gewinnen, Wir haben dann die ersten sieben Partien gewonnen, obwohl das Auftaktprogramm sehr schwierig war. Es bringt nichts, sich darüber Gedanken zu machen, man muss es nehmen, wie es kommt.

bundesliga.de: Seit Montag trainiert die Mannschaft wieder. Wie ist die Stimmung in den ersten Tagen?

Heidel: Alle Spieler, die da sind, sind gesund mit Ausnahme von Peter Sliskovic, den wir aus der U23 nach oben ziehen werden. Sie sind gesund und munter, bestens gelaunt und freuen sich darauf, viel trainieren zu können, um dann für das Europa-League-Qualifikationsspiel am 31. Juli gut vorbereitet zu sein.

bundesliga.de: Mainz 05 hat mit Kasper Hjulmand einen neuen Trainer. Beginnt nun eine neue Ära, herrscht eine Aufbruchstimmung?

Heidel: Wir haben gar keinen Grund für eine Aufbruchstimmung. Wir haben in der Gesamtheit des Vereins die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte gespielt. Die Profis spielen Europa-League-Qualifikation, die zweite Mannschaft ist in die 3. Liga aufgestiegen. Alle Jugendmannschaften spielen in den höchsten Jugendligen ganz weit oben mit. Die U17 stand im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Es gibt also keinen Anlass für einen Aufbruch. Es gibt Anlass dafür, dass wir das Erreichte konservieren wollen. Wir wollen weiterarbeiten. Die Stimmung in der Stadt, auf dem Trainingsplatz und innerhalb des Vereins ist sehr gut. Alles andere hätte mich auch gewundert.

bundesliga.de: Wie erleben Sie den neuen Trainer Kasper Hjulmand in den ersten Tagen bei der Arbeit?

Heidel: Der Trainer wurde überragend gut aufgenommen. Ich glaube, dass auch die Spieler merken, dass wir einen sehr guten Trainer verpflichtet haben, der sehr gut zu Mainz 05 passt.

bundesliga.de: Mainz 05 ist nach dem Hamburger SV der Verein, der am frühestens mit der Saisonvorbereitung beginnt (Sommerfahrplan). Ist dies der Tatsache geschuldet, dass die Mannschaft in der Europa-League-Qualifikation antritt?

Heidel: Ausschließlich. Wir fangen lange vor dem Bundesliga-Start mit unserem ersten Pflichtspiel an. Deshalb müssen wir die Vorbereitung früher ansetzen, um am 31. Juli möglichst bei 100 Prozent zu sein. Wir wissen aber auch, dass unsere WM-Spieler dann maximal zwei Wochen Training hatten.

bundesliga.de: Wie groß ist die Herausforderung, diesen Spagat aus Vorbereitung auf die Bundesliga und dem frühen Wettbewerb hinzubekommen?

Heidel: Das werden wir erst spüren. Wenn man sich so umhört, sagt uns Volkes Stimme eher Katastrophenmeldungen voraus, weil man immer wieder mit den Beispielen von Freiburg und Frankfurt aus der letzten Saison konfrontiert wird. Aber die hinken meiner Meinung nach völlig. Der SC Freiburg, der sich für die Europa League qualifiziert hatte, war nicht mehr der SC Freiburg, der die Europa League dann auch gespielt hat. Das kann man nicht miteinander in Zusammenhang bringen. Es kann auch passieren, dass eine Mannschaft, die sich qualifiziert, eine überragende Saison spielt. Das weiß ja keiner. Wir wissen, dass eine Doppelbelastung auf uns zukommt. Aber noch nicht am Anfang, weil da die Bundesliga noch nicht läuft. Wir wollen uns für die Gruppenphase qualifizieren und werden das auch bei der Zusammenstellung des Kaders sicher berücksichtigen. Es kann sein, dass wir dann noch einmal am Rädchen drehen.

bundesliga.de: Was hat in der Vorbereitung Priorität? Die Vorbereitung auf die Bundesliga oder die Qualifikation?

Heidel: Die Priorität hat immer die Bundesliga, die unsere Existenzgrundlage ist. Das ist die Pflicht. Die Kür, auf die wir uns freuen und die wir uns selbst erarbeitet haben, sind die Europa League und natürlich auch der DFB-Pokal. Aber was nützt es mir, wenn wir einen Titel holen und absteigen? Aber ganz klar, wir
wollen in die Gruppenphase.

bundesliga.de: Mainz bereitet sich auch in einem Trainingslager in Birmingham vor. Wie sind Sie auf diesen eher ungewöhnlichen Ort gekommen?

Heidel: Wir haben öfter ungewöhnliche Ideen. Schon im letzten Jahr haben wir darüber nachgedacht. Wir hatten mit Thomas Tuchel einen Trainer, dem die Trainingsmöglichkeiten über alles gehen. Damals hat es aus terminlichen Gründen nicht funktioniert. In Birmingham befindet sich das Trainingszentrum der englischen Nationalmannschaft. Da fehlt es an nichts, da ist jeder Grashalm gleich hoch, es ist bestens ausgestattet. Jetzt sagt jeder, dass es in England sicher regnen wird. Das kann natürlich auch passieren. Wir hatten aber auch schon im Sommertrainingslager in der Türkei fünf Tage am Stück Wolkenbrüche. Wir haben Kasper Hjulmand die Idee vorgestellt. Er war hellauf begeistert. Außerdem können wir das Trainingslager mit einem hochattraktiven Testspiel gegen Besiktas Istanbul verbinden. Das generiert uns noch einmal Einnahmen. Aus diesen Gründen haben wir uns dafür entschieden, mal etwas ganz anderes auszuprobieren.

bundesliga.de: Hoffentlich schneidet Mainz dann besser ab als England bei der WM...

Heidel: Wir wollen eindeutig mehr als einen Punkt aus den ersten drei Spielen.

bundesliga.de: Es war zu lesen, dass Mainz noch Spieler für die Positionen Torwart, rechter Verteidiger, Innenverteidiger und Offensive sucht. Wie weit sind die Planungen vorangeschritten?

Heidel: Das gehen wir sehr entspannt an, was nicht bedeutet, dass wir untätig sind. Wegen des Trainerwechsels konnten wir vorher nicht agieren. Wir haben natürlich vorgearbeitet, und auch Kasper Hjulmand hat seine Ideen. Wir sind dabei, unsere Vorstellungen abzugleichen. Es kann durchaus sein, dass es in dem einen oder anderen Fall jetzt sehr flott geht. Wir haben aber in diese Jahr keinen Umbruch. Aus der Mannschaft, die am letzten Spieltag den Hamburger SV mit 3:2 geschlagen hat, fehlt uns nur ein Spieler. Außer Zdenek Pospech ist die Mannschaft komplett zusammengeblieben. Wir werden nur punktuell etwas machen.

bundesliga.de: Mit welchen sportlichen Zielen geht Mainz 05 in die neue Saison?

Heidel: Die Basis ist immer der Klassenerhalt. Es mag einige geben, die darüber lachen, weil wir jetzt seit fünf Jahren in der Bundesliga spielen und nie auf einem Abstiegsplatz standen. Aber es hat auch niemand damit gerechnet, dass der 1. FC Nürnberg absteigt. Es wäre völlig vermessen, als Ziel die Europa League oder etwas Ähnliches auszugeben. Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben, die wir auch noch verstärken werden. Wenn alle Rädchen ineinander greifen, können wir auch eine sportlich erfolgreiche Saison spielen. Aber wir fangen immer wieder von vorne an und wollen so schnell wie möglich die Punkte holen, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Außerdem müssen wir jetzt schon die Dinge entwickeln, um auch in der nächsten Saison erfolgreich zu sein.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski