Gelsenkirchen - Beim wuchtigen Kopfball von Benedikt Höwedes riss er mit einem klasse Reflex noch rechtzeitig die Arme hoch, beim platzierten Schuss von Thilo Kehrer war er machtlos – und am Ende haderte Keeper Roman Bürki von Borussia Dortmund nach dem 1:1 im Revierderby auf Schalke mit der Chancenverwertung des eigenen Teams. Ein Interview mit dem 26-jährigen Schweizer im BVB-Trikot über unglückliche Gegentore und offensive Qualität.

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Frage: Roman Bürki, am Ende bleibt nach dem 1:1 im Derby auf Schalke ein Punkt. Ist das unter dem Strich zu wenig für den BVB?

Roman Bürki: Das kann man schon so sagen, wenn man sich das Spiel ansieht. Wir sind in Führung gegangen, wir hatten danach noch die klare Chance auf das 2:0, wir hätten auch danach noch mehr gute Chancen kreieren können, wenn wir es jeweils bis zum Ende gut durchgespielt hätten. So hat Schalke immer noch daran geglaubt, zurück zu kommen. Und das ist dann auch passiert. Für mich fühlt es sich am Ende schon an wie zwei verlorene Punkte.

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"Das Tor von Kehrer war glücklich"

Frage: War es auch eine etwas unglückliche Situation für den BVB, weil der Ausgleich für Schalke genau in der Phase gefallen ist, als Marcel Schmelzer verletzt behandelt werden musste und die Borussia nur zu Zehnt war?

Bürki: Klar, das kommt dann noch dazu. Aber ich denke vor allem, dass wir uns in dieser Szene zu fest nur auf einen Spieler konzentriert haben. Den Rest haben wir etwas aus den Augen gelassen und so ist Thilo Kehrer relativ frei zum Schuss gekommen. Es war auf jeden Fall ein unglückliches Tor.

Frage: Wie war es für Sie als Torwart, von hinten tatenlos mit ansehen zu müssen, dass der BVB vorne noch gute Möglichkeiten hat liegen lassen? Verzweifelt man da nicht irgendwann?

Bürki: Nein, überhaupt nicht. Wir haben so viel Qualität vorne bei uns in der Offensive. Und ich sage immer, das Schwierigste am Fußball ist es nun mal, Tore zu schießen. Das war im Spiel auf Schalke nicht anders. Ich bin froh, dass Auba ein Tor gemacht hat. Und im nächsten Spiel macht er hoffentlich auch wieder eins. Es war am Ende zwar schade, dass wir nicht direkt das zweite Tor nachgelegt haben. Aber ich habe überhaupt keine Zweifel, dass unsere Offensive irgendwie nachlassen könnte.

Frage: Wie haben Sie denn die Szene kurz nach dem Führungstor erlebt, als Aubameyang und Dembele alleine auf Fährmann zugelaufen sind, es aber dann nicht zu Ende gebracht haben?

Bürki: Von der Qualität her war der Passversuch von Aubameyang auf Dembele natürlich nicht gut genug, nicht stark genug. Ich hätte mir vielleicht auch gewünscht, dass Auba noch ein bisschen egoistischer ist und den Torwart umkurvt. Aber im Nachhinein ist das immer leicht zu sagen. Wie gesagt: Wir können froh sein, dass Auba wieder sein Tor geschossen hat.

Frage: Wie erklären Sie sich, dass die Partie zum Ende hin komplett kippen konnte und in der Schlussphase fast nur noch Schalke das Spiel bestimmt hat?

Bürki: Der Ausgleich zum 1:1 hat ihnen noch einmal richtig Aufschwung gegeben. Sie haben in der zweiten Halbzeit auf ihre Fankurve zugespielt, das hat sie natürlich zusätzlich gepusht. Das kennen wir von unseren Heimspielen selbst. Am Ende kamen so noch mal richtig viele Emotionen hoch und Schalke konnte nochmal Druck aufbauen.

"Am Dienstag gegen den HSV drei Punkte holen"

Frage: Hat dem BVB ein bisschen der letzte Punch oder der allerletzte Wille gefehlt?

Bürki: Die Mentalität, den Einsatz oder den Willen würde ich da gar nicht in Frage stellen. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, wir haben gekämpft, wir haben in den Zweikämpfen gut dagegen gehalten und dem Gegner das Leben eigentlich auch schwer gemacht. Bis zum Ausgleich haben wir das Spiel ganz klar dominiert. Wir hätten eben nur noch ein Tor mehr schießen müssen, dann wäre es für uns auch gelaufen gewesen. So sieht es am Ende eng aus. Aber es gab keinen Zeitpunkt, zu dem wir das Spiel nicht unter Kontrolle hatten.

Frage: Leipzig und Hoffenheim haben ihre Spiele gewonnen, der BVB ist in der Tabelle nach dem Unentschieden auf Rang vier zurückgefallen. Macht Ihnen das Sorgen?

Bürki: Für mich persönlich hat das jetzt nicht viel zu sagen. Auf uns wartet schon am Dienstag zuhause gegen den Hamburger SV wieder die Chance, die nächsten drei Punkte zu holen. Und dann kann es in der Tabelle auch schon wieder ganz anders aussehen. Unser Ziel bleibt die direkte Qualifikation für die Champions League.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte