ANZEIGE

Köln - Karl-Heinz "Kalli" Kamp absolvierte in 14 Jahren 400 Spiele in Bundesliga und 2. Bundesliga für Werder Bremen (30 Tore). In den letzten drei Jahren seiner Karriere hieß sein Trainer Otto Rehhagel. Noch während seiner aktiven Zeit übernahm er den Trainerposten der zweiten Mannschaft der Bremer. Von 1980 bis 1995 war er in dieser Funktion tätig. Gleichzeitig war er von 1985 bis 2006 Co-Trainer der Profis der Hanseaten. Zehn Jahre arbeitete er mit Otto Rehhagel zusammen. Heute ist er Scout bei Werder.

Bei bundesliga.de spricht Karl-Heinz Kamp, der "König Otto" so gut kennt wie kaum ein Zweiter, über Rehhagels Rückkehr in die Bundesliga, seine Stärken als Trainer und erklärt, warum viele Bremer ab jetzt auch ein bisschen Hertha sind.

bundesliga.de: Guten Tag Herr Kamp. Sie können sich sicher denken, worum es geht…

Karl-Heinz Kamp: Natürlich. Otto Rehhagel ist zurück in der Bundesliga. Das ist etwas ganz besonderes.

bundesliga.de: Wie überrascht waren Sie, als Sie davon erfahren haben?

Kamp: Ich bin zwar nicht aus allen Wolken gefallen, aber gerechnet habe ich damit auch nicht. Otto ist immer für eine Überraschung gut.

bundesliga.de: Was zeichnet Otto Rehhagel als Trainer aus?

Kamp: Er kann sehr gut mit Menschen umgehen. Die psychologische Seite des Berufs beherrscht er wie kein anderer. Er weiß genau, wie er jeden seiner Spieler erreichen kann.

bundesliga.de: Und die taktische Komponente? In der Vergangenheit ist ihm häufiger vorgeworfen worden, zu altmodisch spielen zu lassen. Ist da was dran?

Kamp: Das denke ich nicht. Natürlich ist er in einer Zeit als Trainer groß geworden, in der noch mit Libero und Manndeckung gespielt wurde. In den letzten 40 Jahren hat sich der Fußball enorm weiterentwickelt, aber Otto hat diese Entwicklung mitgemacht. Er ist sicher nicht stehengeblieben und wird bei Hertha BSC auch keinen Libero installieren. Da bin ich mir sicher.

bundesliga.de: Glauben Sie, er ist der Richtige für die Hertha?

Kamp: Ich denke schon. Otto ist alt genug und weiß genau, was er macht. Er hat sich das gut überlegt und ist davon überzeugt, dass er den Berlinern helfen kann. Gerade im Abstiegskampf kommt es viel auf das Selbstvertrauen und die mentale Stärke der Spieler an. Dies seinen Spielern zu vermitteln, ist Ottos große Stärke. Ich bin mir sicher, dass er auch in Berlin die Leute erreichen wird.

bundesliga.de: Berlin hat eine große Presselandschaft, um es gelinde auszudrücken. Otto Rehhagel gilt nicht unbedingt als großer Freund der Medien. Wird er mit dem großen Rummel in der Hauptstadt zurechtkommen?

Kamp: Otto ist älter und weiser geworden. Auch diesen Aspekt seiner Aufgabe hat er sich sicher gut überlegt und wird von der Situation nicht überrascht sein. Er wird das hinbekommen.

bundesliga.de: Wo wird er zunächst ansetzen?

Kamp: Mental wird er die Mannschaft schnell hinbekommen. Spielerisch werden wir von der Hertha sicherlich keinen Hurra-Fußball sehen, aber verstecken werden sie sich auch nicht. Otto wird dafür sorgen, dass die ganze Mannschaft konzentriert gegen den Ball arbeitet. Personell könnte es die eine oder andere Überraschung geben. Das heißt aber nicht, dass er Manni Burgsmüller noch einmal reaktivieren wird (lacht).

bundesliga.de: Was ist Ihnen aus ihrer gemeinsamen Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

Kamp: Die vielen Titel, die wir gemeinsam geholt haben. Außerdem haben wir einige "Werder-Wunder" gemeinsam erlebt. Besonders unser 6:2 gegen Spartak Moskau und der 5:3-Erfolg gegen Anderlecht nach 0:3-Pausenrückstand sind mir im Gedächtnis geblieben. Das waren einmalige Erlebnisse, die Otto möglich gemacht hat.

bundesliga.de: Otto Rehhagel war über 14 Jahre in Bremen. Im Sommer ist Thomas Schaaf 13 Jahre Cheftrainer bei Werder. Wie viel Rehhagel steckt in Schaaf?

Kamp: Thomas hat seinen eigenen Stil. Er hat lange unter Otto gespielt, da ist es klar, dass er sich etwas abgeschaut hat. Aber jeder hat seine eigene Art und beide sind damit sehr erfolgreich.

bundesliga.de: Zum Abschluss: Was geben Sie Otto Rehhagel für seine neue Aufgabe mit auf den Weg?

Kamp: Zunächst einmal wünsche ich ihm ganz viel Glück, Erfolg und Gesundheit. Ich werde mit großem Interesse verfolgen, was er in Berlin bewegen kann. Das werden viele andere Bremer auch machen, denn Otto hat hier noch viele Freunde und die werden ihm und der Hertha die Daumen drücken. Außer wenn Werder in zwei Wochen in Berlin spielt.

Das Gespräch führte Florian Reinecke