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Bayer Leverkusen bleibt durch einen ungefährdeten 4:0-Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg weiter an der Spitze der Bundesliga. Trotz des besten Saisonstarts der Vereinsgeschichte üben sich die Verantwortlichen rund um die BayArena in Understatement.

Es läuft wie geschmiert in Leverkusen. Die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes blieb auch im achten Saisonspiel ungeschlagen, hat die meisten Tore geschossen, die wenigsten kassiert und gerade den höchsten Heimsieg der Saison eingefahren. Doch das ist alles noch kein Grund, große Töne zu spucken.

Besser als in der letzten Saison

Schließlich haben die "Werkskicker" auch in der vergangenen Saison zwischenzeitlich als Spitzenreiter gegrüßt und dann doch das Saisonziel Europa League klar verpasst. Doch vieles spricht dafür, dass Leverkusen in dieser Spielzeit dauerhaft oben mitspielen kann. Weil die Mannschaft viele Dinge besser macht als in der vergangenen Hinrunde, als sie in Topform die Liga aufmischte.

"Wir sind stabiler geworden, das hat uns im letzten Jahr gefehlt", weiß Bayer-Sportchef Rudi Völler: "Wir haben damals nach Negativerlebnissen nicht mehr die Kurve gekriegt. Das ist jetzt besser. Wir lassen weniger zu und haben in der Defensive durch die Verpflichtung von Sami Hyppiä mehr Stabilität."

Kießling und Derdiyok harmonieren

Alle Statistiken geben Völler recht. Im vergangenen Jahr hatte Bayer nach acht Spieltagen schon dreimal verloren und mehr als doppelt so viele Gegentore kassiert (elf statt gegenwärtig fünf). In der ganzen abgelaufenen Saison konnten die Rheinländer kein Spiel nach Rückstand noch gewinnen, was in dieser Saison bereits gelang. Und auch die Zahl der geschossenen Treffer ist kaum schlechter (18 statt 20). Und das, obwohl Patrick Helmes, Bayers torgefährlichster Stürmer des vergangenen Jahres, noch keine Minute gespielt hat.

Für Helmes springt Stefan Kießling in die Bresche, der auch gegen Nürnberg traf, mit sechs Treffern die Torschützenliste anführt und prächtig mit Neuzugang Eren Derdiyok (auch schon vier Saisontore) harmoniert. Kießling trifft und trifft und gibt sich auch außerhalb des Platzes sehr gereift. Wie die ganze Mannschaft.

Hyypiä sorgt für die nötige Stabilität

"Die Unterschiede zur letzten Saison hat man beispielsweise im Bremen-Spiel gesehen", sagte Kießling nach der Nürnberg-Gala: "Da haben wir gesagt, uns reicht jetzt das 0:0. Wir nehmen den Punkt mit. Im letzten Jahr hätten wir vielleicht blind nach vorne gespielt und noch ein Gegentor bekommen. Das wollen wir vermeiden. Die Null muss stehen. Das macht uns reifer und stärker."

Garant für die neue Stabilität in der Defensive ist Innenverteidiger Sami Hyppiä. Dank ihm steht die Abwehr, im Mittelfeld hält Kapitän Simon Rolfes den Dampfmachern Tranquilo Barnetta und dem gegen Nürnberg überragenden Toni Kroos den Rücken frei. Und die Stürmer treffen, wie sie wollen.

Abkehr vom "Hurrafußball"

"Ich bin nicht überrascht über unsere Leistungen", meint Hyypiä gelassen: "Ich sehe die Jungs im täglichen Training. Wir wissen, dass wir Fußball spielen können. Wir können angreifen, Tore schießen. Wir spielen sehr diszipliniert und bekommen wenig Tore. Im Moment passt alles." Champions-League-Sieger Hyppiä weiß, wie man große Titel gewinnt und impft seinen Teamkollegen das nötige Selbstvertrauen ein.

Auch Jupp Heynckes macht keiner mehr etwas vor. Der Trainer genießt im Alter von 64 Jahren sichtlich den Erfolg und strahlt Souveränität und Selbstsicherheit aus. Der saisonübergreifend seit 13 Spielen (zehn Siege, drei Unentschieden) ungeschlagene Coach hat der "Werkself" die Abkehr vom bedingungslosen "Hurrafußball" früherer Tage verordnet. Das Ergebnis steht vor dem Spektakel, doch Bayer findet auch unter Heynckes den Weg zum gegnerischen Tor.

"Wir heben nicht ab"

"Wir nehmen nüchtern wahr, dass wir einen sehr guten Start hatten, sehr gute Spiele abgeliefert haben, viele Tore geschossen und wenige Gegentreffer kassiert haben", analysiert Heynckes: "Wir wollen so weiter machen und lassen uns nicht von der Euphorie um die Mannschaft anstecken."

Auch Rudi Völler hängt die Starterfolge nicht allzu hoch. "Die Saison geht noch lange, wir heben nicht ab", verspricht der Sportchef. Er sagt aber auch: "Wir wissen, was wir können und sind selbstbewusst genug, um zu sagen, dass wir unter die ersten Fünf kommen wollen."

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski