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München - Als Spieler und Sportdirektor war Christian Hochstätter zwischen 1982 und 2005 rund 23 Jahre lang überwiegend erfolgreich tätig. 339 Bundesliga-Spiele bestritt er für die "Fohlen", 55 Tore erzielte dabei. 1995 wurde er Pokalsieger. Doch einen Sieg in München konnte er nie feiern, beim einzigen während seiner Karriere (im Jahr 1995) fehlte er. Im Interview mit bundesliga.de schätzt Christian Hochstätter die Chancen der Borussen beim Klassiker in München in diesem Jahr ein und analysiert die Stärken der Bayern.

bundesliga.de: Herr Hochstätter, am Freitagabend kommt es zum alten Klassiker zwischen Bayern München und Ihrem Ex-Verein Borussia Mönchengladbach. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass die Bundesliga nach dem Abpfiff ein bisschen spannender geworden ist?

Christian Hochstätter: So wie die Bayern im Moment spielen, muss man ganz klar sagen: Meine Hoffnung ist nicht allzu groß ist, dass die Bundesliga nach dem Spiel spannender wird. Ich will den Gladbachern ja nicht die Illusion nehmen, aber die Bayern sind im Moment sehr gut drauf. Auf der anderen Seite hat die Borussia dort im vergangenen Jahr gewonnen. Dementsprechend werden sie mit einigem Selbstvertrauen nach München fahren. In einem Bundesliga-Spiel ist immer alles möglich. Aber wie gesagt: Ich glaube, dass die Bayern das Spiel gewinnen werden, weil sie im Moment einfach richtig gut sind und der Kader in der Breite sehr gut besetzt ist. Mario Gomez etwa kommt jetzt zurück und macht direkt seine Tore. Man muss davon ausgehen, dass die Bayern gewinnen.

bundesliga.de: Aber immerhin hat die Borussia nur eines ihrer letzten acht Bundesliga-Spiele verloren.

Hochstätter: Sicher hat die Borussia einen Aufwärtstrend und lange nicht verloren. Ich bin mir auch sicher, dass die Gladbacher nicht nach München fahren und ihnen der Ausgang egal ist. Sie werden dort etwas holen wollen. Dementsprechend werden sie auch auftreten. Aber ich bleibe dabei, dass es sehr schwer wird. Es muss vieles passen, um etwas mitzunehmen.

bundesliga.de: Wie könnte der Borussia eine Überraschung gelingen?

Hochstätter: In München ist die Gesamtleistung der Mannschaft der Schlüssel zum Erfolg. Dort müssen alle elf Spieler eine Topleistung bringen in der Defensive genauso wie in der Offensive. Die ganze Mannschaft muss arbeiten, weil die Bayern individuell so stark sind. Einer muss dem anderen helfen. Nur so kann man da bestehen. Und man braucht auch ein Quentchen Glück, um Punkte zu holen.

bundesliga.de: Wie stark schätzen Sie die Bayern ein? Droht ein Durchmarsch?

Hochstätter: Nach den gezeigten Leistungen der ersten 16 Spieltage bin ich mir sehr sicher, dass die Bayern einen Durchmarsch schaffen werden. Auch wenn man auch im Fußball schon das Pferd vor der Apotheke gesehen hat und die Bayern auch im letzten Jahr einen Vorsprung verspielt haben. In diesem Jahr scheinen sie aber so stabil und gefestigt zu sein, dass sie das bis zum Ende durchziehen.

bundesliga.de: Warum sind die Bayern so überlegen?

Hochstätter: Die Bayern haben sich in dieser Saison optimal verstärkt. Wenn ein Mario Gomez, der im letzten Jahr 26 Tore gemacht hat, ausfällt, steht dann ein Mario Mandzukic bereit und macht auch seine neun Buden. Sie haben Dante geholt, der alle Spiele gemacht hat und sehr gut spielt, sie haben mit Javier Martinez jemanden verpflichtet, der das Zentrum stabilisiert und einen Bastian Schweinsteiger entlastet. Insgesamt haben die Bayern ihre Leistung gebracht. Sie haben kaum ein Leistungsgefälle im Kader. Das macht sie aus meiner Sicht unberechenbar und extrem stark.

bundesliga.de: Was macht der Herbstmeister besser als in der vergangenen Saison? Ist der FCB einfach so stark oder liegt es auch an der zu sehr schwächelnden Konkurrenz?

Hochstätter: Der FC Bayern spielt in dieser Saison sehr konstant. Im letzten Jahr haben sie einige Punkte gegen Mannschaften liegen lassen, mit denen man nicht gerechnet hätte. In diesem Jahr haben sie diese Spiele alle gewonnen. Auch wenn sie nicht immer ganz so überragend gespielt haben, haben sie die Punkte eingefahren. Aus meiner Sicht haben die Bayern-Verfolger diese Punkte nicht geholt. Ähnlich wie die Bayern im letzten Jahr. Natürlich kommt auch eine Portion Pech dazu, wie bei Dortmund am vergangenen Samstag gegen Wolfsburg. Aber unterm Strich haben Dortmund, Schalke und Leverkusen in den bisherigen 16 Spielen gegen Mannschaften aus dem Mittelfeld oder Tabellenkeller zu viele Punkte liegen lassen. (Tabellenrechner)

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski