ANZEIGE

Santo Andre - Joachim Löw hat vor dem Achtelfinale ein echtes (Luxus-)Problem. Sami Khedira oder Bastian Schweinsteiger? Real Madrid oder Bayern München? Wie immer lässt sich der Bundestrainer auch vor dem Duell gegen Algerien am Montag (21:45 Uhr MESZ im Live-Ticker) in Porto Alegre nicht in die Karten schauen. Nach der starken Vorstellung von Schweinsteiger gegen die USA könnte Khedira aber erst einmal ins Hintertreffen geraten sein.

Denn es gibt nicht wenige, die einen von Schweinsteiger angeführten Bayern-Block im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft bevorzugen würden. Khedira wäre das prominente "Opfer".

Khedira noch ohne Schwung

Dabei war der 27-Jährige trotz seiner monatelangen Verletzungspause wegen eines Kreuzbandrisses mit großen Ambitionen zur WM nach Brasilien angereist. Rückenwind hatte Khedira auch noch der Champions-League-Triumph mit Real gegeben.

Doch den Schwung konnte der frühere Stuttgarter zur WM nicht mitnehmen. Bei seinen Einsätzen gegen Portugal und Ghana war Khedira das Bemühen zwar nicht abzusprechen, die gewünschte tragende Rolle konnte er aber nicht ausfüllen. Zudem wirkte er müde.

Schweinsteiger gleich wieder Taktgeber

Ganz anders Schweinsteiger bei seinem Kurzeinsatz gegen Ghana und beim Duell gegen die USA: Der 29 Jahre alte Münchner untermauerte sofort seinen Führungsanspruch, war präsent, ballsicher, kampf- und laufstark, gab den Takt vor. Und außerdem harmonierte der Bayern-Star mit seinen Vereinskollegen Philipp Lahm und Toni Kroos im Zentrum prächtig.

Dies musste auch Khedira nach einem 90-minütigen Anschauungsunterricht von der Bank aus eingestehen. Artig gratulierte er dem Kontrahenten. Basti werde immer fitter und habe ein starkes Spiel gemacht, sagte er. Man könne doch auch "sehr gut" zusammen spielen.

Löw lobt Kroos und den FCB-Block

Doch diese Variante ist eher unwahrscheinlich, da sich Löw auf die Lösung mit Lahm vor der Abwehr für die Dauer der WM festgelegt hat. Und auch Kroos, den Löw wiederholt heraushebt ("Er ist in einer klasse Form"), scheint in seiner momentanen Verfassung gesetzt zu sein. Bleibt ein Platz in der Schaltzentrale des deutschen Spiels, um den sich letztendlich Khedira und Schweinsteiger streiten.

Dass er gegen die USA auf der Bank blieb, sei mit Löw so abgesprochen gewesen, berichtete Khedira. Aber wie geht es nun gegen Algerien weiter? Einen derart überzeugenden Schweinsteiger aus dem Team zu nehmen, wäre mutig, aber auch riskant, sollte es mit Khedira schief gehen. Dann müsste sich Löw erklären.

Schweinsteiger, den der DFB-Coach als insgesamt "sehr stark" einstufte, sei im Mittelfeld mit Kroos und Lahm immer anspielbar gewesen, urteilte der Bundestrainer. Das Trio war auch "taktisch sehr variabel".

Keeper Neuer für die Bayern-Variante

Deshalb sprach sich auch Torwart Manuel Neuer für eine Blockbildung gegen Algerien aus. Es sei "kein Nachteil, wenn Spieler zusammen spielen, die sich aus dem Verein kennen. Die kennen genau die Abläufe, die Automatismen funktionieren." Auch Kroos warb offen für die Bayern-Variante: "Man hat ja gesehen, dass wir gut harmonieren."

Nur Lahm wollte keine Diskussion entfachen und äußerte sich deshalb diplomatisch. Es könnten auch Leute "gut zusammen spielen, die aus unterschiedlichen Klubs kommen. Das hat die Vergangenheit ja gezeigt", meinte der Kapitän.

Götze drängt für Podolski ins Team

Bei der Besetzung der Außenpositionen im Mittelfeld scheinen die Verhältnisse dagegen etwas klarer zu sein. Nachdem Lukas Podolski gegen die USA enttäuscht und laut Löw "keine Bindung" zum Spiel gefunden hatte, dürfte der wendige Mario Götze gegen die kantigen Algerier wieder erste Wahl sein. Mesut Özil bleibt auf rechts.

Der technisch versierte Profi vom FC Arsenal drängt eigentlich auch ins Offensiv-Zentrum, dorthin, wo sich vor allem Kroos bewegt. Doch Löw denkt nicht daran, auch noch in dieser Hinsicht etwas zu ändern. Özil könne auch gut auf der Halbposition spielen.

Ansonsten gäbe es ein (Luxus-)Problem mehr.