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Leverkusen - Nach dem 3:2-Heimsieg im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln bereitet sich Bayer Leverkusen auf den Schlussspurt in der Hinrunde vor. Drei Spiele stehen bis Weihnachten noch aus. Alles spricht dafür, dass Bayer 04 mit sehr guten Perspektiven ins neue Jahr starten kann.

Es mangelte den Spielern des Tabellendritten allerdings nicht an Selbstkritik, denn souverän sieht anders aus. Aber es ist ja noch einmal gut ausgegangen mit dem etwas schmeichelhaften Erfolg im Derby.

"Nicht so brillant wie sonst"

Statt nach der 3:1-Führung das Spiel sicher nach Hause zu bringen, war die "Werkself" drauf und dran, nur eine Woche nach dem unnötigen Last-Minute-Remis in Hoffenheim erneut zwei Punkte liegen zu lassen. "Wir müssen es cleverer spielen", befand Innenverteidiger Manuel Friedrich.

"Es war ein Arbeitssieg, nicht so brillant wie sonst. Aber die drei Punkte haben uns gut getan", meinte auch Bayer-Sportchef Rudi Völler. Schwamm drüber und abhaken. Die Konzentration gilt ab sofort der schweren Auswärtsaufgabe beim heimstarken Hamburger SV.

Denn Bayer hat noch viel vor in dieser Vorrunde. "Die anderen Ergebnisse des Spieltages waren gut für uns", meinte Bayer-Kapitän Simon Rolfes. "Jetzt haben wir einigen Abstand zu den Mannschaften hinter uns. Und wir wollen oben dran bleiben und unsere beiden ausstehenden Spiele in der Bundesliga gewinnen. Ob wir dann noch einen Platz nach oben springen, ist egal. Wir wollen unsere Ausgangsposition verbessern."

Nach wie vor einziger BVB-Bezwinger

Noch rangiert Mainz 05 einen Platz vor Bayer, doch dem Überraschungsteam der Vorrunde scheint ein bisschen die Luft auszugehen. Fünf Niederlagen in den letzten acht Spielen sind ein Beleg dafür. Ganz anders Leverkusen.

Seit sechs Spielen ungeschlagen und mit 14 Punkten in dieser Zeit scheinen die Rheinländer derzeit die konstanteste Truppe hinter den Überfliegern aus Dortmund zu sein. Bayer spielt auf hohem Niveau, hat inzwischen auch in der BayArena wieder in die Spur gefunden und ist auf fremden Plätzen gar noch unbesiegt. Zudem bleibt Leverkusen der einzige Club, der in dieser Saison Borussia Dortmund bezwingen konnte. Das war am 1. Spieltag.

"Wir haben ordentliche Möglichkeiten. In der Europa League sind wir als Gruppen-Erster weiter. Unter den Bedingungen mit den vielen Verletzten ist die Hinrunde mehr als zufriedenstellend gelaufen. Es sieht ganz manierlich aus", zieht Völler eine positive Zwischenbilanz.

Völler: ein Tick Hoffnung

Trotz 11 Punkten Rückstand auf Dortmund hält er das Titelrennen noch nicht für entschieden. "Wenn Bayern München so viele Punkte Vorsprung hätte wie Borussia Dortmund, würden wir nicht mehr darüber diskutieren", meint Völler. "Dann wäre für alle klar, dass das Ding durch ist. Bei allen anderen Mannschaften gibt es aber noch einen Tick Hoffnung."

Dafür müssen die Rheinländer weiter siegen. Trainer Jupp Heynckes setzt dabei auf Rotation und macht auch vor großen Namen nicht halt. Erst ließ er seinen Torjäger Patrick Helmes auf der Bank schmoren, zuletzt Simon Rolfes. "Wir haben viele gute Spieler, da erwischt es jeden mal", trägt es der Kapitän mit Fassung.

Seit Anfang der Woche trainiert auch Stefan Kießling wieder mit der Mannschaft. Nach fast dreimonatiger Verletzungspause meldet sich der Goalgetter wieder zurück und sorgt dafür, dass Heynckes in den letzten Spielen personell mit Ausnahme von Michael Ballack aus dem Vollen schöpfen kann. Ob Kießling bereits mit nach Hamburg fährt, ist noch offen.

Die Leverkusener Bilanz in Hamburg ist übrigens nicht die Beste. In den letzten neun Jahren gelang in der Hansestadt nur ein Sieg, der auch schon über vier Jahre zurückliegt. In der letzten Saison gab es eine Nullnummer.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski