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Köln - Der FC Ingolstadt 04 hat die allerbesten Aussicht, in der Saison 2015/16 als 54. Verein in der Bundesliga zu spielen. Die Schanzer führen acht Spieltage vor Schluss die Tabelle der 2. Bundesliga an. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 stiegen alle Teams, die zu diesem Zeitpunkt Spitzenreiter waren, am Ende auch auf.

Übersicht: Alle Kandidaten im Aufstiegscheck

Die Ingolstädter, die schon oft als Geheimfavorit galten, spielten lange Zeit eine überragende Saison und brachen einen Vereinsrekord nach dem anderen. Beispiele gefällig? Der FCI hat bereits 49 Punkte auf dem Konto, zuvor holte der Club nie mehr als 44 Zähler - wohlgemerkt in einer kompletten Zweitliga-Saison! Auch die bis dato erreichten 13 Siege sind Vereinsrekord. Doch Vorsicht ist geboten! Der einst deutliche Vorsprung auf die Verfolger ist in den letzten Wochen geschmolzen.

Die Situation:

Momentan ist der Trend nicht gerade der viel zitierte Freund des FC Ingolstadt. Die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl führt die Tabelle der 2. Bundesliga zwar weiterhin an, hat aber nur noch vier Punkte mehr auf dem Konto als der Drittplatzierte SV Darmstadt 98 (Tabelle).

Zahlenmäßig lässt sich die bislang mittelmäßige Bilanz im Jahr 2015 nicht erklären, denn die Ingolstädter laufen nicht weniger, bestreiten und gewinnen nicht weniger Zweikämpfe, geben nicht weniger Torschüsse ab - was fehlt, ist die Konsequenz im eigenen und gegnerischen Strafraum, die die Schanzer zuvor noch auszeichnete.

Der Kopf scheint bei der Mannschaft also eine entscheidende Rolle zu spielen: Alles redete kürzlich schon nur noch davon, ob und wann der Rathausbalkon gebucht wird. Inzwischen ist der FCI in einer Position angekommen, in der er etwas zu verlieren hat. Von daher gilt für den Rest der Saison: Nicht nachdenken, nur machen und wieder gewinnen.

Das macht Hoffnung:

Obwohl die Punkteausbeute in den letzten Wochen nicht optimal war, ist auf die Offensive der Ingolstädter weiterhin Verlass. Der FCI, der ligaweit die meisten Torschüse abgab (420), blieb nur in einem der letzten 14 Spiele ohne Torerfolg. Auf der anderen Seite kassierten nur drei Teams weniger Gegentore als die Bayern.

Besonders hilfreich ist es für den Club, wenn er den ersten Treffer in einer Partie erzielt, denn Ingolstadt hat keines der letzten 19 Spiele verloren, in denen man den Treffer zur 1:0-Führung erzielt hatte.

Ein Trumpf im Endspurt der Saison könnte zudem die Stärke bei Standardsituationen sein. Wenn es nämlich spielerisch nicht so gut funktioniert, weil sich der Gegner beispielsweise tief in der eignen Hälfte staffelt, kann die Hasenhüttl-Elf auch nach Ecken und Freistößen zum Erfolg kommen. 17 Tore nach ruhenden Bällen sind der Bestwert in der 2. Bundesliga.

Garant für diese Treffer ist Pascal Groß, der den Aufschwung des FCI personifiziert. Schon 16 Mal führte ein Standard von ihm zu einem Treffer. Überhaupt spielt der 23-Jährige eine bemerkenswerte Saison. In zuvor vier Zweitligajahren sammelte Groß 15 Scorer-Punkte - jetzt ist es nach 26 Spielen schon einer mehr!

In der Defensive kann sich der FCI zudem auf das Duo Marvin Matip und Roger verlassen. Abwehrchef Matip ist der zweikampfstärkste Spieler der 2. Bundesliga, Roger im defensiven Mittelfeld der beste Balleroberer und ein umsichtiger Organisator.

Hier lauern Gefahren:

Das größte Problem der Ingolstädter ist momentan die fehlende Souveränität. War die Mannschaft in der Hinrunde noch völlig frei von Nervosität, macht sich langsam der Umstand bemerkbar, dass die Mannschaft ein großes Ziel vor Augen hat.

Zuletzt hat der FCI nur noch eines von sechs Spielen gewonnen - und das gegen den FC Erzgebirge Aue - dem Vorletzten der Tabelle. Gerade zuhause, wo unbedingt für den Aufstieg gepunktet werden müsste, lief es zuletzt nicht gut. Im Kalenderjahr 2015 holte Ingolstadt nur einen Punkt aus drei Heimspielen.

Aussichten und Aufstiegschancen:

Nichtsdestotrotz ist und bleibt der FC Ingolstadt Favorit auf den Aufstieg in die Bundesliga. In den einzelnen Spielen hat das Team schon oft bewiesen, dass es zu einem starken Endspurt in der Lage ist. Keine Mannschaft traf häufiger in der Schlussviertelstunde einer Partie (zwölf Mal). Unter diesen Toren waren sogar vier teils entscheidende Treffer in der Nachspielzeit.

Beim Kampf um den Aufstieg will der FCI diese, also namentlich die Relegation, unbedingt vermeiden - und das sollte auch funktionieren. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 sind nur vier Teams, die nach 26 Spieltagen mindestens 49 Punkte auf dem Konto hatten, am Ende nicht aufgestiegen.

Ganz entscheidend werden die nächsten zwei Wochen sein, wenn mit dem FSV Frankfurt und dem 1. FC Heidenheim zwei Gegner auf Ingolstadt warten, für die es einerseits um nicht mehr viel geht, die andererseits deswegen aber auch befreit aufspielen können (Ergebnisse). In diesen Spielen muss der FCI punkten, um sein Polster mindestens zu verteidigen, bestenfalls sogar wieder ein wenig auszubauen. Unbedingt zu vermeiden gilt es vor allem ein Szenario: Ein Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, zu dem Ingolstadt am 34. Spieltag reist.

Stefan Schinken und Tobias Anding

Infografik: Der FC Ingolstadt im Steckbrief

Portrait: Ralph Hasenhüttl - Vor der Sensation