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In Mönchengladbach war die Vorfreude auf die Spielzeit 2008/09 riesig. Zur zweitägigen Saison-Eröffnung kamen insgesamt über 120.000 Fans und Testspielsiege gegen Heerenveen, die Bolton Wanderers und den FC Valencia ließen auf eine erfolgreiche Rückkehr in die Bundesliga hoffen.

Dass es letztendlich anders gelaufen ist, als es sich Verein und Fans vorgestellt hatten, beweist ein Blick auf die aktuelle Tabelle.

Dort belegt die Borussia mit elf Punkten aus 17 Spielen den letzten Platz und weist mit 35 Gegentreffern zugleich die schwächste Defensive vor.

Hallensieg weckt Hoffnung

Wer aber denkt, dass beim VfL angesichts solcher Zahlen die Stimmung der auf der Titanic kurz vorm Untergang gleicht, hat sich getäuscht. "In der Mannschaft herrscht eine sehr gute Stimmung, alle sind heiß auf die Rückrunde", sagt Oliver Neuville und belegt damit, dass sich das Team noch nicht aufgegeben hat. Warum auch? Immerhin beträgt der Rückstand auf den rettenden Platz 15 nur zwei Punkte. "Das holen wir auf", gibt sich der 35-jährige Routinier zuversichtlich.

Der bisherige Verlauf der Vorbereitung unterstreicht Gladbachs Hoffnung auf den Klassenerhalt. Beim Hallenturnier in Dortmund setzte sich die Borussia gegen die Konkurrenz aus Leverkusen, Dortmund, Bochum und Köln durch und gewann das Turnier.

"Gute Einstellung, gute Ordnung"

Diesem positiven Erlebnis konnte auch die 1:2-Niederlage im ersten Testspiel gegen Drittligist SC Paderborn nichts anhaben, wie Gladbach beim zweiten Vorbereitungsspiel vergangenen Donnerstag (15. Januar) bewiesen hat. In der Begegnung gegen den Schweizer Rekordmeister Grasshopper Zürich präsentierten sich die "Fohlen" in bestechender Frühform und gewannen mit 4:2. Nach dem Spiel freute sich Hans Meyer nicht nur über das Ergebnis, sondern auch, wie es zustande gekommen war.

"Wir haben das Spiel 35 Minuten lang richtig gut kontrolliert, uns Chancen herausgespielt und sie auch genutzt", so der VfL-Coach. " Mir hat gefallen, wie die Jungs dieses Spiel angenommen haben, mit einer guten Einstellung, viel Laufbereitschaft und einer guten Ordnung ", lobte der 66 Jahre alte Meyer sein Team, das sich im Vergleich zur Hinrunde stark verändert hat.

Gladbacher Personalkarussell

Insgesamt sieben Spieler sortierten die Verantwortlichen im Winter aus: Sascha Rösler (TSV 1860 München) und Alexander Voigt (SpVgg Greuther Fürth) wurden verkauft, Sebastian Svärd (Hansa Rostock) ausgeliehen und Marcel Ndjeng, Soumaila Coulibaly, Sharbel Touma und Uwe Gospodarek wurden freigestellt.

Dafür lotsten die Verantwortlichen vier Neue in den Borussia Park, unter anderem Paul Stalteri von Tottenham Hotspur und Tomas Galasek. Der 35 Jahre alte Routinier, der von Banik Ostrau in die Bundesliga zurückkehrte, soll im defensiven Mittelfeld die Fäden ziehen. Der Ex-Bremer Stalteri wird in der Abwehr eine der beiden Außenpositionen besetzen. Welche Seite es am Ende sein wird, ist noch offen. "Er kann sowohl rechter als auch linker Verteidiger spielen", sagt Borussias Sportdirektor Max Eberl über den Kanadier.

Für das Abwehrzentrum wurde der Brasilianer Dante Bonfim Costa Santos, kurz Dante, vom belgischen Meister Standard Lüttich verpflichtet. "Er hatte als Innenverteidiger großen Anteil an der überragenden Saison, die Standard Lüttich 2007/08 gespielt hat", lobt Eberl die Leistung des 25-Jährigen, der im vergangenen Jahr mit Standard die belgische Meisterschaft gewann und in der Qualifikation zur Champions League erst nach Elfmeterschießen am FC Liverpool scheiterte.

"Wir schaffen das"

Zwei Jahre jünger als Dante, also 23 Jahre alt, ist Logan Bailly, der vierte Neuzugang der "Fohlen". Der Torwart kam vom belgischen Club KRC Genk und war bei den Olympischen Spielen in Peking Stammtorhüter des belgischen Auswahlteams, das bis ins Halbfinale einzog.

Vier neue Spieler also, die in Gladbach allesamt hinten dicht machen sollen. Genau das, was dem Kader fehlte? "Ja", sagt Oliver Neuville. "Mit den vier neuen Spielern haben wir Qualität bekommen und wir werden die Zeit bis zum 31. Januar nutzen." Dann muss die Borussia beim VfB Stuttgart zeigen, dass sie namhafte Gegner nicht nur in der Vorbereitung schlagen kann.

Gregor Nentwig