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Gelsenkirchen - Im zweiten Teil des großen Interviews mit bundesliga.de (Hier finden Sie Teil 1) erklärt Horst Heldt, wie man beim FC Schalke 04 Fußball leben muss und wie man als Akteur der Bundesliga heutzutage auftreten sollte.

bundesliga.de: Horst Heldt, wenn man etwas über den Augenblick hinaus schaut, müssten Sie grundsätzlich zufrieden sein: Schalke hat in den vergangenen fünf Jahren viermal Champions League gespielt, die Transfers passen und die Infrastruktur stimmt...

Horst Heldt: Ich glaube tatsächlich, dass der Verein in den vergangenen Jahren noch einmal einen richtigen Satz nach vorne gemacht hat. Uns ist es einerseits gelungen, die Konsolidierung voranzutreiben, gleichzeitig haben wir es aber andererseits geschafft, konkurrenzfähig zu sein, in der Bundesliga und auch international. Wir zählen aktuell zu den Top 10 in Europa, und das kommt ja nicht von ungefähr. Das liegt nicht nur an unserem tollen Stadion, sondern auch daran, dass wir die entsprechenden Leistungen abgeliefert haben. Es ist zwar bei weitem noch nicht alles perfekt, und wir haben immer noch Luft nach oben. Aber ich glaube, dass der Weg der vergangenen Jahre der richtige ist.

"Choupo-Moting ist sehr zielstrebig"

bundesliga.de: Die Leistung stimmt auch deshalb, weil der Unterbau solide ist.

Heldt: Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Aber bei uns ziehen alle an einem Strang und haben sich der Aufgabe verschrieben immer aufs Neue dafür zu sorgen, dass gut ausgebildete Spieler nachrücken können. Es gibt viele Vereine, die auf eine gute Ausbildung setzen. Unser ganz besonderes Plus ist, dass wir den Mut haben, auf diese jungen Spieler zu setzen, siehe Max Meyer. Denn was nützt es, wenn du tolle Spieler ausbildest, ihnen aber keine Chance auf Einsätze gibst?! Dann funktioniert das ganze Modell nicht.

bundesliga.de: Mit den aktuellen Transfers von Aogo, Sam und Choupo-Moting haben sie bisher richtig gelegen. Sind Sie selbst ein wenig verblüfft, in welcher Rekordzeit sich gerade Eric Maxim Choupo-Moting auf Schalke zurecht gefunden hat?

Heldt: Das ging tatsächlich sehr schnell. Eric kommt zugute, dass er auf der einen Seite ein schon sehr fokussierter Spieler ist mit einem genauen Blick. Ein Spieler, der zielstrebig und ehrgeizig ist. Auf der anderen Seite verfügt er aber auch über den Schuss Lockerheit, den es braucht, wenn man sich in einem großen Verein wie Schalke schnell zurecht finden will. Ich glaube, dass er sofort verstanden hat, was man hier abliefern muss, um schnell akzeptiert zu werden. Er ist ein sehr, sehr guter Fußballspieler. Aber er weiß ebenso, dass man auf Schalke Fußball auch arbeiten muss.

"In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen"

bundesliga.de: Apropos arbeiten: Trügt der Eindruck, oder muss man noch härter arbeiten, um einen internationalen Wettbewerb zu erreichen, seit auch Clubs wie Augsburg oder Mainz immer stärker werden?

Heldt: Die Befürchtung, dass das so sein könnte, liegt nahe. Allerdings muss man berücksichtigen, dass viele Vereine bisher nur allmählich in Fahrt kommen. Grundsätzlich stimmt es aber, dass in der Bundesliga jeder jeden schlagen kann. Das war schon in den vergangenen Jahren zu erkennen und ist auch gut so. Denn das macht die Liga so spannend und für die Zuschauer so attraktiv. Mag sein, dass es auch diesmal wieder einen "frühen" Meister gibt. Wer die Champions League erreichen und wer vielleicht absteigen muss, das aber wird sich erneut erst spät heraus kristallisieren. 

Das Gespräch führte Andreas Kötter im Vorfeld der letzten Bundesligapartie gegen die TSG 1899 Hoffenheim, welches die Königsblauen mit 1:2 verloren.

Im ersten Teil des großen Interviews mit Horst Heldt spricht der Schalke-Manager über die Schnelllebigkeit der Branche und über die erfreuliche Entwicklung der Königsblauen.