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Freiburg - Jürgen Klopp ist ein gut erzogener Mann. Deshalb entfährt dem Trainer von Borussia Dortmund auch nach den deutlichsten Siegen keine Schmähung des Gegners. Wenn er - wie am vergangenen Samstag geschehen - das andere Team aber als "richtig, richtig guten Gegner" adelt, ist das mehr als bloße Rhetorik.

Tatsächlich hatten die Fans des SC Freiburg beim Halbzeitpfiff aus gutem Grund behauptet, ihr Team sei "besser als der BVB".

"Haben wahnsinnig Druck aufgebaut"

Es war nämlich tatsächlich ziemlich beeindruckend, wie die Freiburger die Dortmunder Angriffe schon im Ansatz störten, konsequent schon tief in der gegnerischen Hälfte pressten und läuferisch einen Aufwand betrieben, der viele andere Teams nach der Pause hätte zusammenbrechen lassen - der SC hingegen hätte in der Nachspielzeit fast noch den Ausgleich geschossen.

Auch bei der Beurteilung des Spiels nach vorne schnalzten die Beobachter mit der Zunge. Blitzschnell schwärmte man nach der Balleroberung aus - die insgesamt fünf, sechs hochkarätigen Torchancen kamen nicht von ungefähr.

"Wir haben wahnsinnig Druck aufgebaut und läuferisch eine Topleistung gezeigt", sagte Trainer Robin Dutt, "leider haben wir es versäumt, das zweite Tor zu machen."

Makiadi: "Wir stehen zu Recht im oberen Drittel"

"Der BVB wusste gar nicht, wie ihm die Bälle um die Ohren flogen", sekundierte der in Bochum geborene Felix Bastians, der in der Jugend auch schon für den BVB gespielt hat. Das Fazit bezog sich auf die erste Hälfte, im zweiten Durchgang zeigte der BVB bekanntlich den Fußball, der die Nation derzeit so begeistert. Am Ende stand mit dem 2:1-Erfolg der Borussia der siebte Auswärtssieg der Dortmunder in Folge.

Am kommenden Samstag muss der SC nach Hannover, wo ihn neben Mainz und Frankfurt das Überraschungsteam des bisherigen Saisonverlaufs erwartet. Langweilig wird die Partie nicht werden, auch die Niedersachsen gelten ja als gut organisiertes Team, das in der Lage ist, einen gepflegten Ball zu spielen.

"Wir haben gesehen, dass wir auch gegen die Topmannschaften mithalten können", ist Mittelfeldspieler Cédric Makiadi vor der Zukunft nicht bange: "Die Tabelle lügt nicht, wir stehen zu Recht im oberen Drittel." Makiadi gehörte gegen den BVB zu den besten Freiburger Spielern, er zählt zu den positiven Überraschungen dieser Spielzeit wie Julian Schuster, dessen Standards sich klar verbessert haben und von dem zunehmend auch Torgefahr ausgeht.

Luxusproblem auf der Torwartposition

Ein Luxusproblem hat der Club auch auf der Torwartposition, wo Oliver Baumann nun im zweiten Spiel hintereinander zum besten Freiburger avancierte - schon beim 1:0-Sieg in Hoffenheim hatte er sich die Bestnote verdient.

Doch bei allen Lobeshymnen auf den U-21-Keeper sollte nicht vergessen werden, dass Stammtorwart Simon Pouplin vor seiner Verletzung ebenfalls in Bestform war. Es ist also nicht nur Rhetorik, wenn Dutt Pouplins Position stärkt.

Bemerkenswerte Entwicklung

Am bemerkenswertesten ist aber vielleicht die Entwicklung, die Oliver Barth genommen hat. Noch vor eineinhalb Jahren, in der Aufstiegssaison, war er ein Ergänzungsspieler in der 2. Bundesliga, im Stadionheft "Heimspiel" hat er kürzlich freimütig eingestanden, dass er noch mit 21 Jahren gezögert habe, ob er sich den Sprung in den Profifußball zutrauen solle.

Heute ist er Führungsspieler, einer, den der "SWR" einlädt, wenn er einen SC-Spieler am Sonntagabend zur Lage der Dinge befragen will. Barth spielt übrigens auf der Innenverteidigerposition, dort, wo lange Heiko Butscher und Pavel Krmas gesetzt waren, die beide seit Monaten verletzungsbedingt ausfallen. Dass ein Verein mit einem so geringen Etat wie der SC Freiburg den Ausfall seiner kompletten Innenverteidigung wegsteckt, kommt übrigens auch nicht alle Tage vor.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf