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Leipzig - Ulf Kirsten griff zu allen Mitteln, Lothar Matthäus schimpfte wie ein Rohrspatz: Kaum hatten die Altstars beim Jubiläumsspiel zur deutschen Fußball-Einheit den Leipziger Rasen betreten, legten die ehemaligen Profis wieder alten Ehrgeiz und große Rivalität an den Tag.

Bevor die ehemaligen Profis sich beim gemeinsamen Bier am Samstagabend wieder vertrugen und am Sonntag der offiziellen Gala zum Zusammenschluss beider Fußball-Verbände vor 20 Jahren in der Leipziger Messe beiwohnten, hatte sich vor allem Rekordnationalspieler Matthäus über die vermeintliche Schwalbe von Kirsten beim 1:2 (1:0) der Weltmeister 1990 gegen die DDR-Legenden ereifert.

Lange diskutierte der 150-malige Internationale Matthäus mit Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich und ließ sich anschließend wutentbrannt auswechseln. "Klar will jeder gewinnen", sagte der bulgarische Nationaltrainer und fügte dann auch wieder etwas gelassener an: "Wichtig war, dass wir die Zuschauer unterhalten haben und wieder zusammengekommen sind."

"Verlieren will keiner"

Genossen hatte derweil Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann das Spiel. "Vielleicht steckt nicht mehr so viel Kraft in den Beinen, aber noch immer viel Ehrgeiz in unserem Kopf", sagte der ehemalige DFB-Kapitän, der vor allem in der ersten Halbzeit mehrere hochkarätige Möglichkeiten hatte: "Natürlich ist Spaß dabei, aber wir wollten uns auch ein bisschen messen."

Das sah auch DDR-Spielführer Kirsten so, der mit seinem Siegtreffer und einem herausgeholten Elfmeter maßgeblichen Anteil am Erfolg des "Gastgebers" hatte. "Verlieren will keiner, ist doch klar", sagte Kirsten. "Natürlich war das ein Elfer. Das haben die anderen am Ende auch zugegeben", erklärte Kirsten mit einem schelmischen Grinsen.

Die 15.400 Zuschauer im Leipziger WM-Stadion bekamen jedenfalls Unterhaltung geboten. Verbissen und ehrgeizig präsentierten sich die ehemaligen Akteure. Um jeden Meter wurde verbissen gekämpft. Karlheinz Riedle brachte "den Westen" per Kopf in der 31. Minute in Führung, doch Olaf Marschall per Foulelfmeter (59.) und Kapitän Kirsten (69.) drehten noch das Spiel zugunsten des "Ostens".

Platini hält Rede in Deutsch

Am Sonntag wurden die Feierlichkeiten mit einer zweieinhalbstündigen Gala fortgesetzt. "Ich kann mich immer noch an unsere Länderspiele erinnern, die wir meistens verloren haben. Manchmal trugen die Gegenspieler weiße Trikots, manchmal blaue", sagte UEFA-Präsident und Ehrengast Michel Platini, der seine Rede in Deutsch hielt: "Das ist eine Hommage an den bedeutenden Anlass."

Hans-Georg Moldenhauer, letzter Präsident des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR, erinnerte in einer bewegenden Rede an den historischen Tag. "Sie nehmen 40 Jahre DDR-Geschichte und schalten sie aus", sagte der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV): "Sie schließen das Kapitel ab. Auch mit viel Wehmut und wissen, was die Leute denken und fühlen."