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Inzwischen kann Jürgen Klinsmann über jenen 10. Mai 1997 lachen - doch damals war dem Welt- und Europameister in Diensten von Bayern München gar nicht nach Lachen zumute. Mit seinem berühmten Tritt in eine Werbetonne nach seiner Auswechslung im Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg (0:0) hatte Klinsmann zum Ende der Saison 1996/97 noch einmal für reichlich Schlagzeilen gesorgt.

So sehr er sich für diesen Ausraster auch geschämt habe, sagt der ehemalige Bundestrainer im Rückblick, "im Nachhinein hat diese Szene doch noch etwas Gutes gehabt. Ich habe später bei meinem Abschiedsspiel meine Karriere durch einen symbolischen Tritt in eine Werbetonne beendet".

Ungewohnter Gefühlsausbruch

Ohnehin hatte der ungewohnte Gefühlsausbruch nach einem Disput mit Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni dem guten Ruf von "Klinsi" nicht geschadet. Dem FC Bayern schon gar nicht: Die Münchner sicherten sich zwei Wochen später den 14. Meistertitel ihrer Vereinsgeschichte - auch dank Klinsmann.

Der Torjäger war mit 15 Treffern erfolgreichster Bayern-Torschütze und verabschiedete sich nach zwei Jahren mit der Gewissheit aus München, seinen "Kindheitstraum" von der Deutschen Meisterschaft erfüllt zu haben. In seinem ersten Jahr in München hatte der 108-malige Nationalspieler zudem wesentlichen Anteil am UEFA-Cup-Triumph des FC Bayern.

"Das waren zwei verrückte Jahre", resümiert er heute. Er sei stolz gewesen, für den FC Bayern zu spielen. Und der FC Bayern konnte sich die Hände reiben, dass Klinsmann im Sommer 1995 von Tottenham Hotspur nach München gewechselt war. Das Trikot mit der Nummer 18 war der absolute Verkaufsschlager und schraubte das Merchandising-Geschäft des Vereins in bis dahin ungeahnte Höhen.

Auch in England Popularität ohne Grenzen

Schon in England hatte die Popularität des "Divers" keine Grenzen gekannt. 1995 wurde er nach einer regelrechten "Klinsmania" auf der Insel zum "Fußballer des Jahres" gekürt. In Deutschland war ihm das in seiner Karriere, die in den Triumphen bei der WM 1990 und der EM 1996 ihre Höhepunkte hatte, zwei Mal (1988 und 1994) gelungen. Nach der verkorksten WM 1998 beendete Klinsmann seine Karriere.

Im Gegensatz zu vielen Berufskollegen ging er auch danach andere Wege. Der blonde Schwabe wanderte in die USA aus, die Familie mit zwei Kindern bestimmten fortan das Leben, der aktuelle Fußball interessierte nur noch am Rande, Klinsmann setzte sich sogar wieder auf die Schulbank.

Zurück in München

Im Sommer 2004 kehrte Klinsmann - wenn es denn der neue Job erforderte - nach Deutschland zurück. Er übernahm das Amt des Bundestrainers. Gegen alle Widerstände und mit viel Knowhow, das er sich in den USA angeeignet hat, schaffte Klinsmann das Unmögliche und löste zur WM 2006 in Deutschland einen neuen Fußballboom aus.

Nach dem 3. Platz bei der Weltmeisterschaft zog es ihn zurück nach Kalifornien. Doch im Januar 2008 schrieb er erneut Schlagzeilen. "Klinsi" wurde als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern vorgestellt. Die Saison 2008/09 ist seine erste als Vereinstrainer. Der Kreis hat sich geschlossen.

Die Wunden von 1997 sind inzwischen längst verheilt. Denn was Klinsmann damals immer verheimlicht hatte. Er hatte sich beim Tritt in die Tonne am Knöchel verletzt: "Doch davon ließ ich mir aus Scham über den Ausbruch nichts anmerken."