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Als er die Bundesliga 1977 verließ, kam das einer Sensation gleich. Dass er drei Jahre später zurückkehrte, war nicht weniger spektakulär. Ganz zu schweigen davon, dass Franz Beckenbauer damals beim Hamburger SV landete, und nicht bei Bayern München. Und als sei dies nicht genug, ergab es sich auch noch, dass beide Mannschaften in dieser Saison bis zum letzten Spieltag um den Titel kämpften.

Dass Beckenbauer von Cosmos New York zurückkehrte, entsprang einer Idee von Branko Zebec. Der damalige Hamburger Trainer, unter dem der "Kaiser" 1969 mit dem FC Bayern erstmals Deutscher Meister geworden war, fragte den Auswanderer im Dezember 1979 am Rande einer Partie zwischen Borussia Dortmund und einer Weltauswahl, ob er denn nicht Lust habe, nach Hamburg zu kommen. Beckenbauer war erst mal baff, schließlich wollte er gerade bei Cosmos verlängern.

HSV ließ bei Beckenbauer nicht locker

Aber der HSV ließ nicht locker, Manager Günter Netzer flog eigens nach New York, um den ehemaligen Nationalmannschaftskollegen zu bearbeiten, und im Mai 1980 sagte Beckenbauer zu. Nach Ende der Saison in der amerikanischen "Operettenliga" feierte er nach 1638 Tagen Abstinenz sein Comeback in der Bundesliga.

Beim 2:3 (1:1) des HSV beim VfB Stuttgart wurde der schon 35 Jahre alte Libero in der 46. Minute eingewechselt. Es war ein Comeback mit Hindernissen. Als Schiedsrichter Günter Linn die zweite Halbzeit anpfiff, war Beckenbauer nicht da. 60 Sekunden lang spielte der HSV mit 10 Mann, ehe der "Kaiser" erschien. Beckenbauer hatte schon immer ein Gespür für große Auftritte...

HSV auf der Zielgeraden abgefangen

Nicht ganz nach Plan lief dann auch der Rest der Saison: Am 25. Spieltag kam Verfolger FC Bayern mit drei Punkten Rückstand zum Tabellenführer nach Hamburg. Die Partie endete 2:2, doch der HSV schwächelte anschließend, die Bayern wurden Meister.

Ein Jahr später wurde Beckenbauer unter Trainer Ernst Happel dann doch noch zum fünften Mal Deutscher Meister als Spieler, wenn auch sein Mitwirken aufgrund von Verletzungen nicht mehr regelmäßig war. "Mein Fußball in Hamburg war keine Offenbarung mehr", sagte er selbst. Nach 396 Einsätzen für den FC Bayern und weiteren 28 für den HSV beendete der Spieler Beckenbauer seine Bundesliga-Karriere.