Köln - Nach acht Spieltagen oder einem Viertel der Bundesliga-Saison 2015/16 ist es Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen. Heute im Fokus: Leistungsträger, die vor der Saison nur die Wenigsten auf der Rechnung hatten.

Marcel Heller

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Noch vor einigen Jahren hing die Karriere von Marcel Heller am seidenen Faden, als der einst als so großes Talent gehandelte Flügelflitzer nach einer zähen Rückenverletzung zwischen Regionalliga und 2. Bundesliga umherpendelte, eher er beim SV Darmstadt 98 landete.

Dort erlebt der 29-Jährige derzeit aber seinen zweiten Frühling: Das Konterspiel der Lilien scheint für Heller, der es im Sprint auf 34 Kilometer pro Stunde bringt, wie zugeschnitten. So war er in der laufenden Saison an jedem zweiten Treffer der Darmstädter direkt beteiligt (4 Tore, eine Vorlage). Mehr Tore in einer Saison erzielte er zuletzt 2006/07 – im Trikot der Sportfreunde Siegen in der Regionalliga Süd. Dass ein Treffer (Direktabnahme, Dribbling gegen drei Verteidiger mit anschließendem Schlenzer in den Knick) dabei schöner als das nächste ist, zeigt nur, dass Heller viel mehr kann, als bloß den Ball mit Topspeed Richtung gegnerisches Gehäuse zu treiben.

Matthias Ginter

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Der gelernte Innenverteidiger hatte in seinem ersten Jahr beim BVB schon einen schweren Stand, diente Jürgen Klopp lediglich als Teilzeitkraft. Viele Experten sahen Matthias Ginter hinter den gestandenen Mats Hummels, Sokratis, und Neven Subotic maximal als Nummer vier in der Dortmunder Innenverteidigung. Und tatsächlich: Im Abwehrzentrum hat der 21-Jährige in der laufenden Saison noch nicht eine Sekunde gespielt.

Doch nun hat Thomas Tuchel eine neue Aufgabe für Ginter gefunden. Als rechter Außenverteidiger hat er Platzhirsch Lukasz Piszczek verdrängt, agiert bisweilen sogar als eine Art Außenstürmer und kommt so alleine in der Bundesliga auf vier Vorlagen und ein Tor. Ginter macht seine Sache derzeit so gut, dass er längst auch eine ernsthafte Alternative bei Joachim Löw für die rechte Abwehrseite in der Nationalmannschaft geworden ist.

Yunus Malli

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Wer nach dem torgefährlichsten Mittelfeldfeldspieler der Bundesliga im Kalenderjahr 2015 sucht, wird weder bei Arjen Robben noch bei Marco Reus oder gar Kevin de Bruyne fündig. Mehr Tore als der Mainzer Yunus Malli hat 2015 kein Mittelfeldspieler erzielt. Zwölf Mal konnte der 23-Jährige schon jubeln, in dieser Saison waren es alleine sechs Treffer in acht Spielen.

Damit hat sich Malli endgültig vom ewigen Talent zum Spielmacher bei Mainz etabliert. Fünf Spielzeiten hat er letztlich dafür gebraucht, auch wenn der gebürtige Kasseler schon in der letzten Saison vereinzelt mit Glanzmomenten auf sich aufmerksam machen konnte. In dieser Form steht der Mann vor einer großen Zukunft.

Vedad Ibisevic

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Beim VfB Stuttgart hatten weder Huub Stevens noch Alexander Zorniger Verwendung für den Bosnier, der in 207 Bundesliga-Spielen immerhin 86 Mal getroffen hat und somit zu den zehn erfolgreichsten ausländischen Torschützen aller Zeiten gehört.

Nach seiner Leihe zu Hertha BSC hat der 31-Jährige nun eindrucksvoll bewiesen, dass er das Toreschießen nicht verlernt hat. Vier Tore in fünf Spielen sprechen eine klare Sprache. Immer, wenn Vedad Ibisevic getroffen hat, ging Hertha als Sieger vom Platz. Nebenbei zeigt er sich für einen Stürmer überaus zweikampf- und laufstark (51 Prozent gewonnener Duelle bei 11,3 Kilometer Laufstrecke pro 90 Minuten im Schnitt).

Luc Castaignos

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Als damals 19-Jähriger holländischer Shooting-Star wechselte Luc Castaignos 2011 von Feyenoord Rotterdam zu Inter Mailand, wo er sich letztlich nicht durchsetzen konnte. "Ein Schritt zurück, zwei nach vorne", hieß das Motto anschließend, denn zurück in seiner Heimat fand er bei Twente Enschede zu alter Torgefährlichkeit zurück.

Dass die Anpassung von der niederländischen Eredivise zur Bundesliga aber so reibungslos funktioniert, war nicht unbedingt zu erwarten, zumal er große Teile der Saison-Vorbereitung verletzungsbedingt pausieren musste. Castaignos hat bei Eintracht Frankfurt in der laufenden Saison alle acht Spiele absolviert, sieben davon in der Startelf. Dabei hat er vier Mal getroffen und eine Torvorlage gegeben. Inzwischen steht Castaignos, der für seine 1,88 Meter Körpergröße erstaunlich schnell ist, auch im Notizblock vom holländischen Nationaltrainer Danny Blind.

Von Karol Herrmann

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