München - In allen WM-Gruppen sind die ersten Spiele gespielt, Zeit eine erste Bilanz zu ziehen. Thomas Müller setzte sich mit seinem Dreierpack beim 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal an die Spitze der Torjägerliste. Aber auch andere Bundesliga-Profis stellten ihre Treffsicherheit unter Beweis: Vedad Ibisevic schrieb für Bosnien-Herzegowina Geschichte und Admir Mehmedi stach als Joker. bundesliga.de analysiert die Leistungen der WM-Fahrer aus der Bundesliga.

Gruppe A

Luiz Gustavo machte beim Auftakt gegen Mexiko ein fast fehlerfreies Spiel (Infografik) und agierte im Passspiel extrem sicher: Alle 51 Pässe brachte er zum Mitspieler! Im zweiten Spiel gegen Mexiko hatte er ebenfalls die geringste Fehlpassquote aller Brasilianer vorzuweisen.

Gustavos Teamkollegen aus Wolfsburg, Ivan Perisic und Ivica Olic, bildeten bei den Kroaten die offensive Flügelzange und stellten Brasilien vor einige Probleme. Olic leitete das 1:0 ein und hatte selbst eine gute Kopfballchance. Perisic machte beim Auftakt im rechten offensiven Mittelfeld einigen Alarm, war an fünf Torschüssen beteiligt und gewann gute 15 von 30 Zweikämpfen.

Maxim Choupo-Moting setzte im ersten Spiel Kameruns gegen Mexiko nicht die großen Glanzlichter, seinem Abseitstor wurde zu Recht die Anerkennung verweigert und seine beiden weiteren Torschüsse blieben erfolglos. Mit dem einen oder anderen guten Dribbling deutete der Offensivmann vom 1. FSV Mainz 05 immerhin sein Können an.

Nach einer eher unauffälligen Leistung im ersten Spiel gegen Kamerun war Andres Guardado im zweiten Spiel der Mexikaner gegen Gastgeber Brasilien einer der Besten auf dem Platz. Die Offensivbemühungen von Dani Alves hat der Verteidiger von Bayer Leverkusen weitestgehend gut kontrolliert, war seinerseits an fünf der 13 Torschüsse seines Teams direkt beteiligt. Drei Torschüsse gab er ab, so viele wie ansonsten nur Neymar in dieser Partie. Zudem legte er mit 12,9 Kilometern die beste Laufleistung bei der "Tri" hin.

Gruppe B

Arjen Robben war beim 5:1-Sieg gegen Weltmeister Spanien der überragende Mann auf dem Platz (Infografik). Der Niederländer erzielte das 2:1 und 5:1 und feierte damit eine erfolgreiche Revanche gegen die Iberer für die vergebenen Chancen im WM-Finale 2010.

Gruppe C

Sokratis gewann beim 0:3 Griechenlands gegen Kolumbien 77 Prozent seiner Zweikämpfe, die Gegentore konnte er aber nicht verhindern. Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund sah zudem die Gelbe Karte und ist von einer Sperre bedroht.

Der Ivorer Arthur Boka gewann gegen Japan 88 Prozent seiner Zweikämpfe, war damit der zweikampfstärkste Spieler seines Teams. Auch in der Offensive setzte er Akzente, er war an einem Viertel der 20 Torschüsse seines Teams beteiligt. In der Schlussphase musste der Stuttgarter jedoch angeschlagen ausgewechselt werden, für ihn kam Constant Djakpa von Eintracht Frankfurt. 96-Stürmer Didier Ya Konan wurde ebenfalls kurz vor Schluss eingewechselt.

Bei Japan waren gleich vier Deutschland-Legionäre dabei, die die 1:2-Niederlage nach 1:0-Führung schlucken mussten. Atsuto Uchida war der beste Japaner, setzte den einen oder anderen Offensivakzent und gewann bärenstarke 80 Prozent seiner Zweikämpfe. Shinji Okazaki musste mal wieder auf dem Flügel ran, was ihm weniger liegt. Gegen die Ivorer blieb er ohne Torschuss und Torschussvorlage. Makoto Hasebe ging angeschlagen ins Spiel und wurde nach 54 Minuten ausgewechselt, Japan führte noch mit 1:0. Hasebe war neben Uchida zweikampfstärkster Spieler seines Teams (80 Prozent). Der künftige Kölner Yuya Osako war sehr fleißig, rannte viel, fand aber keine Bindung zum Spiel und blieb ohne Torschussbeteiligung. In den Zweikämpfen schlug er sich immerhin wacker, gewann über die Hälfte.

Gruppe D

Junior Diaz (r.) feierte mit Costa Rica einen Sensationssieg gegen Uruguay (Infografik). Dabei startete der Verteidiger von Mainz 05 unglücklich: Der von ihm verschuldete Elfmeter führte zum 0:1-Rückstand. Im Laufe des Spiels steigerte Diaz sich und durfte am Ende über den 3:1-Auftaktsieg jubeln.

Beim 2:1-Sieg Italiens über England wurde der Neu-Dortmunder Ciro Immobile in der Schlussphase für Siegtorschütze Mario Balotelli eingewechselt. Kurz vor Schluss hatte er die vorzeitige Entscheidung auf dem Fuß, doch Phil Jagielka grätschte im letzten Moment dazwischen.

Gruppe E

Bei der Schweiz halfen sieben Deutschland-Legionäre mit, den späten Sieg gegen Ecuador zu sichern. Diego Benaglio wurde gleich mit dem ersten Torschuss auf seinen Kasten überwunden, in der Folge hielt er sein Team mit einigen guten Paraden aber im Spiel. Ricardo Rodriguez knüpfte an seine Super-Saison in Wolfsburg an (Infografik): Er bereitete beide Treffer seines Teams vor und gewann 81 Prozent seiner Zweikämpfe. Johan Djourou leistete sich manche Unkonzentriertheit, seine Zweikampfquote war aber gut (67 Prozent gewonnene Duelle). Granit Xhaka gab drei Torschüsse ab und bereitete ebenso viele vor. Glänzend war seine Passquote: Von 50 Pässen kamen 49 an! Xherdan Shaqiri war gewohnt umtriebig: Er gab die meisten Torschüsse aller Schweizer ab (fünf) und bereitete drei weitere vor. Josip Drmic war gegen Ecuador in seinen 75 Minuten Einsatzzeit lediglich 15 Mal am Ball. Er blieb ohne Torschuss und hatte Pech, dass sein Treffer wegen einer Abseitsstellung keine Anerkennung fand. Admir Mehmedi wurde gegen Ecuador zur zweiten Hälfte für den zukünftigen Herthaner Valentin Stocker eingewechselt und köpfte mit seinem ersten Ballkontakt das 1:1.

Auf der anderen Seite war Carlos Gruezo sehr ballsicher und leistete sich nur einen Fehlpass. Der Stuttgarter gewann aber nur 31 Prozent seiner Duelle Mann gegen Mann und verlor vor dem 1:1 das Kopfballduell mit Mehmedi.

Gruppe F

Bosnien-Herzegowina setzte beim WM-Debüt auf eine komplett "deutsche" Abwehr. Und auch das erste WM-Tor des kleinen Landes schoss ein Bundesliga-Spieler: Vedad Ibisevic traf mit seinem dritten Ballkontakt zum 1:2 (Infografik). Ermin Bicakcic war die mangelnde Erfahrung kaum anzumerken, drei Viertel seiner Zweikämpfe entschied er für sich. Kapitän Emir Spahic sorgte in der Viererkette für Stabilität und klärte ein ums andere Mal entscheidend. Mensur Mujdza verschuldete den Freistoß, der zum Tor führte, stabilisierte sich aber im Laufe der Partie und unterband mit gutem Stellungsspiel einige Pässe der Argentinier in die Spitze. Sead Kolasinac war der Pechvogel: Gleich mit seinem ersten Ballkontakt unterlief ihm ein Eigentor! Danach schlug er sich wacker und rückte sogar gegen Spielende in die Innenverteidigung.

Gruppe G

Thomas Müller versenkte drei von vier Torschüssen und war beim 4:0-Sieg gegen Portugal einer der überragenden Akteure im DFB-Team (Infografik). Mario Götze holte den Strafstoß heraus und zeigte sich insgesamt sehr dribbelstark und beweglich. Götze gab neben Müller die meisten Torschüsse bei Deutschland ab (vier). Mats Hummels war zweikampfstärkster Deutscher (75 Prozent gewonnen), glänzte im Spielaufbau und köpfte eine Ecke von Kroos wuchtig zum 2:0 ein. Toni Kroos hatte die meisten Ballkontakte (95) und bereitete das 2:0 und 3:0 vor. Philipp Lahm leistete sich zu Beginn ungewohnte Ballverluste. Nach ein, zwei guten Aktionen fing er sich aber und rief sein gewohntes Niveau ab (88 Ballkontakte, starke Zweikampfbilanz von 71 Prozent). Jerome Boateng spielte als Rechtsverteidiger einen soliden Part, rückte später ins Zentrum. Er gewann gute 63 Prozent seiner direkten Duelle. Benedikt Höwedes war nicht überragend zweikampfstark (53 Prozent), von seinem Gegenspieler Nani war aber kaum etwas zu sehen. Manuel Neuer war seine vorangegangene Schulterverletzung nicht anzumerken, er hielt alles, was aufs Tor kam (vier Torschüsse).

Kevin-Prince Boateng saß bei Ghana überraschend nur auf der Bank und wurde gegen die USA erst in der 59. Minute eingewechselt. Er brachte dann aber frischen Schwung, spielte als hängender Angreifer und gab noch drei Torschüsse ab. 

Fabian Johnson gewann gegen Ghana als Rechtsverteidiger nur schwache 36 Prozent seiner Zweikämpfe, Zeit für Offensivvorstöße fand er kaum. John Brooks wurde zur Pause für den verletzten Besler eingewechselt und schlug sich in der Innenverteidigung unter dem Dauerdruck der Afrikaner gut, er gewann 70 Prozent der Zweikämpfe. Letztlich wurde er sogar zum Matchwinner (Infografik), köpfte nach einer Ecke zum 2:1-Siegtor ein; es war das erste Jokertor eines Amerikaners bei einer WM. Brooks trug sich also in die Geschichtsbücher ein. Für Brooks war es im fünften Länderspiel sein erstes Tor.

Gruppe H

Belgiens Kevin De Bruyne kam gegen Algerien schwer ins Spiel. Gleich fünf Mitspieler hatten mehr Ballkontakte als De Bruyne (71), der auch nur 40 Prozent seiner Zweikämpfe für sich entschied. Doch am Ende machte der Wolfsburger den Unterschied: Das erste Tor der Belgier bereitete er direkt vor, den zweiten Treffer leitete er mit tollem Einsatz ein (Infografik). Daniel van Buyten bildete mit dem Ex-HSV-Profi Vincent Kompany eine sehr stabile Innenverteidigung, die Algerier kamen nur zu drei Torschüssen, das Gegentor fiel durch einen Strafstoß. Van Buyten gewann 81 Prozent seiner Zweikämpfe, war damit der zweikampfstärkste Spieler auf dem Platz und hatte nebenbei noch Zeit für die Jagd nach seinem elften Länderspieltor (zwei Torschüsse).

Heung-Min Son war gegen Russland gerade vor der Pause sehr agil, gab von allen Südkoreanern die meisten Torschüsse ab (drei). Doch ausgerechnet seine größte Stärke, den präzisen Abschluss, hatte er gegen Russland in der Kabine gelassen. Ja-Cheol Koo führte sein Land als Kapitän auf den Platz. Der Mainzer war unheimlich bemüht, fand aber zu keinem Zeitpunkt richtig ins Spiel. Gleich sieben Mitspieler hatten mehr Ballkontakte als Koo (42). Zumindest in die Zweikämpfe schmiss sich Koo, bestritt 31 Duelle - die meisten in seiner Mannschaft. Jeong-Ho Hong ließ nicht viel anbrennen, der Augsburger war zweikampfstärkster Spieler der Partie, gewann 89 Prozent seiner Duelle. Auch vorne sorgte er mit zwei Torschüssen für Gefahr.