Freiburg - Vor dem Abstiegsendspiel in Hannover (Samstag ab 15:00 Uhr im Liveticker) gibt sich Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, entspannt. Zuletzt zeigte sich der Sportclub im Aufwind.

Natürlich haben die Spieler des SC Freiburg am Donnerstag auch die letzte Trainingseinheit im Schatten des Schwarzwaldstadions unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert. Dicke grüne Planen dienten als Sichtschutz. Dies sei nicht nur ein Schutz vor möglichen Spionen der Konkurrenz, ließ Trainer Christian Streich wissen. Es gehe auch darum, zu viel mediale Aufregung zu verhindern.

"Wir arbeiten ja in dem Beruf, der am meisten unter öffentlicher Beobachtung steht", sagte Streich. "Da wird auf jede Kleinigkeit geachtet." Allerdings habe es nichts zu bedeuten, wenn er "mit einem Spieler zehn Minuten und mit dem anderen mal kürzer" rede. Schließlich traue er allen zu, am Samstag beim Abstiegsendspiel in Hannover eine gute Rolle zu spielen. "Das war eine konzentrierte Trainingswoche."

Gefragt: Balance aus Anspannung und Lockerheit

Aber eben auch eine, bei der das Erfolgserlebnis vom Bayern-Spiel (2:1) nachgewirkt habe. Es sei viel gelacht worden, berichtete Streich. Und auch das sei wichtig: "Wir müssen in Hannover schließlich die Balance aus Anspannung und Leichtigkeit hinbekommen. Wenn du verkrampfst, bist du angstgesteuert und triffst zu viele falsche Entscheidungen."

Die Niedersachsen haben er und seine Scouts zuletzt genauso intensiv beobachtet wie die möglichen Gegner in einer Relegation gegen den Dritten der 2. Bundesliga: "Kompakt und mit starker Physis" werden die 96er auftreten, glaubt Streich. "Ganz wichtig wird deshalb sein, dass wir Fußball spielen und uns von deren Wucht nicht beeindrucken lassen." Zumal Hannover zuletzt ja auch wieder so gut gespielt habe wie im vergangenen Sommer: "Die sind wieder da. Aber wir auch."

Gute Bilanz gegen die Konkurrenz

Die Ausgangslage ist vor dem einzigen direkten Duell zwischen zwei Vereinen, die noch absteigen können, klar: Ein Punkt reicht dem SC, um auch nächstes Jahr wieder gegen die Bayern zu spielen. Bei einer Niederlage ist auch noch nichts verloren – vorausgesetzt, weder Stuttgart noch der HSV gewinnen. Das alles sah schon mal düsterer aus, bevor aus den letzten beiden Spielen in Hamburg und gegen die Bayern vier Zähler eingefahren wurden.

Auch die Statistik spricht nicht gegen die Badener. In den Auswärtsspielen gegen die direkte Konkurrenz holte der SC bislang entweder einen Punkt (Stuttgart, HSV, Paderborn) oder gewann (Berlin). Zudem kann der SC weitgehend in Bestbesetzung antreten. Außer Oliver Sorg, der mit einer Schambeinblessur wahrscheinlich passen muss, fliegen wohl alle Leistungsträger mit nach Hannover. Mats Möller-Daehli, der in dieser Spielzeit nur zu zwei Einsätzen kam, wird ebenfalls verletzungsbedingt passen müssen.

Trainer mit goldenem Händchen

Zuletzt hatte Streich zudem bei seiner Personalauswahl ein goldenes Händchen. Dass er Nils Petersen, der mit acht Toren in elf Spielen eine sensationelle Trefferquote aufweist, in Hamburg und gegen die Bayern bis kurz vor Schluss auf der Bank ließ, war schließlich nicht jedem Außenstehenden zu vermitteln.

Doch zum einen war das offenbar mit dem ehemaligen Bremer abgesprochen, der sich nach einigen Blessuren noch nicht fit für 90 Minuten fühlt. Und zum anderen zahlte sich die Maßnahme beim 2:1-Sieg gegen die Bayern gleich doppelt aus. Nur drei Minuten nach seiner Einwechslung traf Petersen schließlich. Und die Vorlage kam von Karim Guédé, also dem Spieler, der auf der Bank hätte bleiben müssen, wenn Streich seinen Goalgetter von Beginn an aufgeboten hätte.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf