So langsam kehrt wieder Ruhe ein beim 1. FC Köln. Die Konzentration gilt dem schwierigen Auftaktspiel gegen den VfL Wolfsburg, in dem die "Geißböcke" wegen einiger Sperren und verletzter Spieler nicht in Bestbesetzung antreten können.

Wochenlang gab es nur ein Thema in der Domstadt: den Wechselpoker um Lukas Podolski. Nach der gelungenen Rückholaktion des kölschen Idols, der ab dem kommenden Sommer wieder für den FC auf Torejagd geht, brach in Köln eine Welle der Begeisterung aus.

Nur der Klassenerhalt zählt

Der Verein verkauft bereits fleißig T-Shirts, die mit dem Konterfei des Volkshelden und Sprüchen wie "In Kölle zo Hus" oder "Poldi ist ein Teil von Kölle" bedruckt sind. Und die Kölner Kultband "De Höhner" dichtet schon an einem "Poldi"-Hit.

Angesichts dieser Euphorie versuchen die Verantwortlichen die Contenance zu bewahren und sich wieder den tagesaktuellen sportlichen Belangen zu widmen. Manager Michael Meier etwa rief ein neues Saisonziel aus, das da lautet: "Wir wollen in der Rückrunde besser abschneiden als in der Hinserie und 45 Punkte holen."

Das aber interessiert selbst den Kölner Mannschaftskapitän Milivoje Novakovic nur am Rande. "Gut, wir werden versuchen, einen Punkt mehr als in der Hinrunde zu holen. Aber das ist nur ein Ziel. Das einzige realistische Ziel, das wirklich zählt, ist der Klassenerhalt."

Leistungsträger fehlen

Mit einem Punktepolster von neun Zählern auf Platz 16 ausgestattet starten die FC-Kicker am kommenden Samstag gegen den VfL Wolfsburg. Dabei muss Trainer Christoph Daum gleich auf drei Stützen seiner eingespielten Hinrunden-Elf verzichten: auf Pedro Geromel, seinen besten Abwehrspieler, und auf Novakovic, den mit zehn Treffern mit Abstand erfolgreichsten FC-Torschützen, die beide nach ihren Gelb-Roten Karten gesperrt sind, sowie auf den verletzten linken Außenverteidiger Pierre Womé. Dafür könnte der neu verpflichtete Ghanaer Derek Boateng erstmals im Kader stehen.

Die intensive Vorbereitung bestätigte die Erkenntnisse der Hinrunde. Während die Defensive des dreimaligen deutschen Meisters erneut überzeugte, haperte es weiterhin im Offensivspiel.

"Wir müssen aus dem Mittelfeld mehr Torgefahr entwickeln", hofft FC-Verteidiger Marvin Matip, der Womé ersetzen könnte. "Wir haben in der Vorbereitung gut an der mannschaftlichen Geschlossenheit gearbeitet. Wir haben gesehen, dass wir mit Manasseh Ishiaku eine Sturmalternative haben. Und auch Sergiu Radu kommt langsam. Wir sind gerüstet für den Bundesliga-Auftakt."

"Auch die Rückrunde wird ein Überlebenskampf"

Die Gefahr, dass die Kölner wegen des großen Vorsprungs auf die Abstiegsränge einen Gang zurückschalten könnten, sieht Topscorer Novakovic nicht. "Man ist zwar etwas lockerer, wenn man einen Vorsprung hat. Aber bei uns weiß jeder, um was es geht", verspricht der slowenische Nationalstürmer. "Auch die Rückrunde wird ein Überlebenskampf. Das erste Spiel dürfen wir nicht verlieren."

Diese Worte wird Christoph Daum erfreut registrieren. Nach der bedingt gelungenen Generalprobe mit dem Turniersieg beim Wintercup in Düsseldorf sprach der Kölner Trainer davon, dass er "wichtige Rückmeldungen bekommen" habe. "Besonders der Auftritt von Roda Antar hat mir gefallen, das war der überzeugendste seit Monaten", lobte Daum, der Antar statt auf der Spielmacherrolle auf der Sechser-Position eingesetzt hatte.

Zur Belohnung stellte der FC den Libanesen für das am Mittwoch stattfindende Qualifikationsspiel seines Landes zur Asienmeisterschaft gegen Syrien frei, obwohl er dazu nicht verpflichtet war.

Tobias Gonscherowski