Köln - Drei Siege in Folge, zuletzt zwei Mal hintereinander vier Tore in einem Spiel erzielt und zur Belohnung der geteilte vierte Rang. Beim FC Schalke 04 läuft es in der Bundesliga wieder wie geschmiert. Wer hätte das nach dem holprigen Saisonstart gedacht?

Trotzdem herrscht noch immer Gefühlschaos in Gelsenkirchen. Ein Spiel entscheidet über Wohl und Wehe des Schalker Befindens. Königsblau ist in der Champions League am Mittwoch (ab 20.30 Uhr im Liveticker) bei NK Maribor zum Siegen verdammt, will man in der Königsklasse überwintern - und muss dabei auf Schützenhilfe des FC Chelsea hoffen (Champions-League-Gruppenphase).

Eindeutige Ausgangslage

"Darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken. Wir schauen mal nach dem Spiel, wie die Lage sein wird", sagt S04-Coach Roberto Di Matteo angesprochen auf das Endspiel in Gruppe G. Dabei sind die Vorzeichen klar:

Gewinnt Schalke in Maribor und im Parallelspiel besiegt der FC Chelsea zuhause Sporting Lissabon, steht Königsblau im Achtelfinale. Alle anderen Konstellationen können getrost vergessen werden, denn sie reichen nicht, um eine Runde weiter zu kommen. Bei einem Unentschieden in Maribor steigt man in die Europa League ab, eine Niederlage würde das Ende der internationalen Saison bedeuten.

Boateng fehlt weiterhin

Schalke zwischen den Extremen. In der Bundesliga ist man ins Rollen gekommen, die Mannschaft scheint das System des neuen Trainers zu verstehen, die Stürmer knipsen (Huntelaar und Choupo-Moting zuletzt jeweils mit einem "Dreierpack") und auch in Vergessenheit geratene Spieler wie Tranquillo Barnetta wurden von Di Matteo wieder ins System integriert.

Selbst der Ausfall von Leadern wie Kevin-Prince Boateng oder Julian Draxler scheint die Gelsenkirchener in ihrer guten Form derzeit nicht zu stören. Wenig vermisst wurde Boateng zuletzt beim 4:0 in Stuttgart und beim 4:1 über Mainz. Auch gegen Maribor wird der Star aufgrund einer Verletzung im Sprunggelenk aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mitwirken können.

Wandel zwischen den Welten

Blick zurück: Noch vor wenigen Wochen war das Schalker Selbstverständnis stark gestört. Auch wenn man nach dem 0:2 beim SC Feiburg "nur" im Mittelfeld der Tabelle dümpelte (Platz 11), gefühlt stand der FC Schalke 04 auf einem Abstiegsplatz. Gerade vier Wochen ist das her.

Nun ist man geteilter Vierter, punkt- und torgleich mit den damals enteilten Leverkusenern. Borussia Mönchengladbach hat man - aufgrund der mehr erzielten Tore - sogar schon hinter sich gelassen. In der Bundesliga ist das Worst-Case-Szenario damit vorerst abgewendet. Nun gilt es in der Königsklasse die Hausaufgaben zu erledigen - und zu hoffen, dass dies auch der FC Chelsea tut.

Leverkusen macht es vor

Beispiele, dass es klappen kann, hat es in der Vergangenheit schon genug gegeben. Auch bei deutschen Teams. Bayer Leverkusen qualifizierte sich erst letztes Jahr am letzten Gruppenspieltag für das Achtelfinale, weil man selbst gegen San Sebastian gewann und der schon feststehende Gruppensieger Manchester United im Parallelspiel Donetzk besiegte.

Eine weitere Parallele: Auch die Leverkusener gingen im vorletzten Gruppenspiel mit 0:5 bei Manchester United unter. So wie die Schalker gegen Chelsea vor zwei Wochen.

Auswärtsschwäche überwinden

Eine ähnliche Situation gab es auch schon in der Saison 2011/12, als Leverkusen ein 1:1 gegen Genk reichte, weil - Achtung (!) - der FC Chelsea sich keine Blöße gab und Valencia mit 3:0 schlug. Zwei Dinge, die S04 Mut machen dürften.

Am Ende müssen sie aber auch die exzellente Form aus der Liga in die Champions League transportieren - und dazu ihre Auswärtsschwäche überwinden. Seit fünf Partien konnte man im internationalen Bereich in fremden Stadien nicht mehr gewinnen.

Gefühlswelt gerade rücken

In der Bundesliga stellte man gegen Stuttgart unter Beweis, dass man auch auswärts gewinnen kann. Dies muss man nun auch in der Königsklasse schaffen. Und dann heißt es hoffen, und dem FC Chelsea die Daumen drücken. Denn mit dem Achtelfinal-Einzug wäre die Schalker Gefühlswelt wieder vollkommen gerade gerückt.

Dennis-Julian Gottschlich