Köln - Dank des etwas glücklichen, aber nicht unverdienten 2:1-Heimsieges gegen den FC Schalke 04 beendete der 1. FC Köln eine turbulente Saison auf Rang 10.

Am 34. Spieltag sicherten die Rheinländer damit punktgenau ihre beste Saisonplatzierung. Dennoch mischten sich auch ein paar Misstöne in die ansonsten gelöste Stimmung, die jedoch schnell in den Hintergrund traten, als die Verpflichtung eines neuen Trainers bekannt wurde.

Solbakken sorgt für Euphorie

Der Norweger Stale Solbakken übernimmt in der kommenden Saison den 1. FC Köln, bei dem im abgelaufenen Spieljahr mit Zvonimir Soldo, Frank Schaefer und Volker Finke gleich drei Trainer auf der Bank gesessen haben. Der 43-Jährige hatte in den vergangenen sechs Jahren den FC Kopenhagen fünfmal zur dänischen Meisterschaft und zuletzt sogar in Achtelfinale der Champions League geführt.

Solbakken passte ideal in das anspruchsvolle Anforderungsprofil, das Sportdirektor Volker Finke entworfen hatte. "Stale Solbakken ist eindeutig eines der interessanten Trainertalente Europas. Wir können uns darauf freuen, dass wir einen sehr guten Trainer bekommen", sagte Finke nach seinem letzten Spiel als Interimstrainer.

"Die Erfolge, die er in Dänemark mit dem FC Kopenhagen gehabt hat, sind beeindruckend", berichtete Finke weiter. "Ich war dann neugierig auf ihn und habe mir ein paar DVDs angeguckt, wie der FC Kopenhagen spielt. Ich habe Kontakt gesucht, ihn getroffen und an einem Nachmittag mit ihm in Kopenhagen ganz toll über Fußball diskutiert. Wir hatten dann von beiden Seiten das Gefühl, dass es Sinn macht."

"Frank Rost ohne Haare"

Während der FC gegen Schalke mit Glück und Geschick den knappen Vorsprung über die Zeit rettete, wurde die Verpflichtung des Wunschkandidaten, der eigentlich bereits einen Vertrag als Nationaltrainer Norwegens ab dem Jahr 2012 unterschrieben hatte, perfekt gemacht. Die Spieler erfuhren davon erst nach dem Schlusspfiff.

"Ich habe bisher nur ein Bild von ihm in der Zeitung gesehen. Da hat er mich an Frank Rost ohne Haare erinnert", bekannte FC-Außenverteidiger Christian Eichner lachend. "Aber Spaß beiseite. Ich habe bisher nur von ihm erzählt und vorgeschwärmt bekommen. Ich glaube, dass einige hier schon hoffen, dass er uns dahin führt, wo er den FC Kopenhagen hingeführt hat. Ich wäre aber schon dankbar, wenn wir da weitermachen, wo wir jetzt aufgehört haben."

Wobei das Eine ja nicht das Andere ausschließt, wie der gerne zum Überschwang neigender Kölner schnell reklamiert. Denn der 1. FC Köln hat im Jahr 2011 in 17 Bundesliga-Partien stattliche 29 Punkte geholt und acht seiner neun Heimspiele gewonnen. Könnten die Rheinländer dieses Niveau einmal über eine ganze Saison halten, wäre die Qualifikation mindestens für die Europa League gesichert.

Ausblick auf die kommende Saison

Ähnlich denkt auch FC-Kapitän Lukas Podolski. "Wir wollen ein paar Plätze in der Tabelle nach vorne klettern", blickt der Nationalstürmer voraus. "Wenn man die Tabelle sieht, fällt auf, dass uns drei Punkte zu Tabellenplatz 6 gefehlt haben. Das ist machbar. Wir können noch viel mehr erreichen."

So geht das eben in Köln. Noch vor drei Wochen schien der erneute Abstieg des dreimaligen Deutschen Meister beinahe unvermeidlich, jetzt träumen sie schon wieder von Europa. "Es war eine kuriose Saison mit sehr viel Unruhe im Verein", bilanzierte "Prinz Poldi". "Trotzdem haben wir Platz 10 geschafft und 44 Punkte geholt. Das gab es seit über 10 Jahren nicht mehr. Daran sieht man, dass Potenzial in der Mannschaft steckt. Wir müssen nun die Unruhe abstellen."

Doch das wird nicht einfach. Denn selbst Teile der eigenen Fans sorgten mit massiven Unmutsäußerungen gegen den Vorstand und FC-Präsident Wolfgang Overath für einige Irritationen. Es gab Gegenreaktionen und Pfiffe gegen die Pfeifenden. Ob angesichts dieser Gemengelage Ruhe in Köln einziehen kann, bleibt abzuwarten. Auf den neuen Trainer wartet auf alle Fälle eine spannende Herausforderung.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski