Bremen - Zufrieden oder nicht zufrieden - eine naheliegende Frage, bei der Thomas Schaaf aber mächtig ins Grübeln kam. "Da bin ich genau wie unser Ergebnis - unentschieden", sagte Werder Bremens Trainer und kratzte sich ein wenig unschlüssig am Kopf. Das 2:2 (1: 2) zum Champions-League-Auftakt gegen Tottenham Hotspur war kein wirklicher Erfolg, aber eben auch kein Fehlstart in die Gruppenphase der Königsklasse.

Fast eine Halbzeit lang hatten die Gäste die Partie im Weserstadion dominiert und diese Überlegenheit auch in zwei Tore durch Petri Pasanen (12., Eigentor) und Peter Crouch (18.) umgemünzt. Doch ein Kopfballtreffer von Hugo Almeida (43.) brachte die Hanseaten wieder in die Partie. Zwei Minuten nach Wiederbeginn traf Marko Marin, bei diesem Resultat blieb es dann bis zum Schlusspfiff.

Ärgern musste sich der Werder-Coach naturgemäß über die weitgehend verschlafene erste Halbzeit. "Man muss sich wirklich fragen, wie so etwas passieren kann, gerade nach dem guten Auftritt in München", haderte der 49-Jährige, sah aber auch positiv, dass seine Schützlinge dann doch noch die Kurve bekamen und die lange drohende Heimniederlage noch einmal abwenden konnten.

"Nicht Oberliga, sondern Champions League"

Zwiespältig auch die Analyse von Geschäftsführer Klaus Allofs: "Es hätte für uns ein sehr unangenehmer Abend werden können. Auf der anderen Seite wäre ein Sieg alles andere als eine Vorentscheidung gewesen." Sprach's und verwies auf die Tabelle der Vorrundengruppe A, die nach dem 2:2-Unentschieden von Twente Enschede gegen Titelverteidiger Inter Mailand absolut ausgeglichen ist.

Mannschaftsintern jedoch bildeten sich zwei Fraktionen heraus. Kritik kam in erster Linie von den alten Haudegen wie Kapitän Torsten Frings. "Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, weil nicht alle mitgearbeitet haben", grollte der Ex-Nationalspieler und auch Torhüter Tim Wiese echauffierte sich: "Wir spielen nicht Oberliga, sondern Champions League. In der ersten halben Stunde war das ganz schlecht."

Die Jüngeren hingegen gingen schneller zur Tagesordnung über. "Ich kann mit dem Punkt sehr gut leben", behaupteten unisono die Jung-Nationalspieler Marko Marin und Aaron Hunt. Der Halb-Engländer schränkte aber ein: "Jetzt müssen wir aber zusehen, dass wir auch aus Mailand etwas mitnehmen."

Van der Vaart eine Hälfte überragend

Viele enge Spiele in den kommenden Wochen sind programmiert, denn auch die Gäste aus London präsentierten sich vor 30.344 Zuschauern mit Licht und Schatten. Der glanzvollen ersten Halbzeit mit einem überragenden Rafael van der Vaart folgten schwache Phasen, nachdem der ehemalige HSV-Star wegen Müdigkeit und einer sich andeutenden Verletzung kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit ausgewechselt werden musste.

"Das Gegentor vor der Pause hat uns nervös gemacht", bekannte der niederländische Nationalspieler. Auch für seinen neuen Coach Harry Redknapp war dieser Treffer aus dem Nichts der entscheidende Wendepunkt der Partie: "Damit haben wir leider Werder Bremen aufgeweckt."