Köln - Einige kommen aus Aachen, andere aus Berlin, wieder andere aus Jena. Über 200 Menschen sind Anfang des Jahres in Leipzig zusammen gekommen. Um Fußball zu spielen. Und um gleichzeitig ein Zeichen zu setzen und sich zu vernetzen.

Sie alle sind Mitglieder des Netzwerkes "Fußballfans gegen Homophobie" (FfgH) und tummeln sich am 3. Januar in einer Sporthalle in Leipzig, um das "2. FfgH Hallenmasters" auszutragen. Fangruppen, Fanprojekte und Fußballmannschaften aus ganz Deutschland sind dabei.

Lockere Atmosphäre ohne Schiedsrichter

Bei dem Hallenturnier kämpfen 24 Teams im "5+1"-Modus um den Sieg. Dabei geht es durchweg ausgesprochen fair zu. "Wir spielen ohne Schiedsgericht, um den Charakter eines Fanturniers zu schaffen, bei dem es vor allem um die lockere Atmosphäre geht", erklärt Christian Rudolph, Sprecher der Initiative. "Man lernt sich besser kennen, es entstehen neue Ideen."

Davon gab es in der Vergangenheit reichlich. Seit bereits drei Jahren gibt es die Initiative inzwischen. Und alles begann mit einem Banner. Fans von Tennis Borussia Berlin malten für den Christopher Street Day 2011 ein Banner gegen Homophobie. Darauf malten sie neben dem Schriftzug "Fußballfans gegen Homophobie" auch zwei sich küssende Männer. Dieses fand anschließend auch seinen Weg ins Stadion.

Immer mehr Fans anderer Vereine wollten sich ebenfalls gegen Homophobie positionieren, fragten bei den Initiatoren an und hängten das Banner auch in ihrem Stadion auf. So entwickelte sich rasant eine bundesweite Initiative. Inzwischen hing die Fahne gar bei mehr als 100 Anlässen. In vielen Stadien, aber auch bei Veranstaltungen oder Tagungen war sie zu Gast und vermittelte so den anderen anwesenden Menschen: Hass gegen Schwule oder Lesben ist hier nicht willkommen.

Breites Netzwerk mit vielen Aktivitäten

Doch inzwischen ist das Netzwerk weit mehr, als das Banner. So gibt es zum Beispiel ein jährliches Hallenturnier und zudem regelmäßige Netzwerktreffen, auf denen es um bildungspolitische Arbeit geht. "Wir versuchen Themen aufzugreifen, die uns auch angehen, die wir dann zum Beispiel über Facebook diskutieren", sagt Rudolph über die alltägliche Arbeit. "Wir machen Workshops und werden zu Vorträgen eingeladen", beschreibt er das Wirkungsfeld der Initiative, dass er kurz und präzise zusammenfasst: "Aufklärung, Sensibilisierung, Thematisierung - das sehen wir als unsere Kernaufgabe an."

Diese Arbeit kommt gut an und findet immer weitere Unterstützer.  "Viele Vereine reagieren positiv und ermöglichen und unterstützen die Aktionen ihrer Fans zu dem Thema", sagt Rudolph. Auch die Zahlen des Hallenmasters sprechen für sich: "Letztes Jahr hatten wir 16 Teams – das mit den diesjährigen 24 Teams noch einmal zu steigern, ist natürlich super. Das Interesse ist groß und dieses bestärkt uns darin, weiter zu machen", freut sich Rudolph.

Sie hätten schon viele Pläne in der Tasche, die umgesetzt werden könnten. Häufig fehle es aber an Geld und Zeit - denn alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für die Organisation. "Ein großes Ziel wäre es, ein internationales Fanturnier zu organisieren", sagt Rudolph.

Banner soll ergänzt werden

Eine Broschüre über Homophobie, in der verschiedene Themen aufgegriffen und Begriffe erklärt werden, wird ebenfalls seit Längerem geplant. Ein ganz großes Thema bleibt auch die reisefreudige Fahne. In naher Zukunft soll sie um ein weiteres Motiv ergänzt werden. Neben den beiden sich küssenden Männern werden dann auch zwei sich küssende Frauen zu sehen sein. In vielen Fußballstadien. In vielen unterschiedlichen Ligen. Um überall ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen.

Und um auch in Zukunft weitere Ideen zu sammeln und neue Mitglieder in die Stukturen einzubinden, wird es auch im kommenden Jahr wieder ein Fanturnier geben. Ohne Schiedsrichter. Mit viel Fairness und Austauschmöglichkeiten. In lockerer Atmosphäre und ohne wirklich großen Wettkampfcharakter.

Auch wenn es natürlich trotzdem einen Sieger gibt - in diesem Jahr war es eine Zusammensetzung aus Fans von Tennis Borussia Berlin und vom FC Carl Zeiss Jena. Spaß hatten aber ganz sicher alle Teilnehmer. "Auf jeden Fall werde ich mir ein weiteres solches Event nicht nehmen lassen", fasst Stefan Heitbreder, Teilnehmer des Turniers, die abschließende Grundstimmung bei den Teams zusammen.

Kea Müttel