Mönchengladbach - Es bleibt in dieser Saison dabei. Die deutsche Nationalmannschaft kann Freundschaftsspiele einfach nicht mehr gewinnen. Wie zuvor bereits gegen Dänemark, Schweden und Italien, als die Elf von Bundestrainer Joachim Löw zumindest unentschieden spielte, blieb Deutschland auch diesmal sieglos. Schlimmer noch: Gegen Australien gab es beim 1:2 in Mönchengladbach die erste Niederlage seit dem WM-Halbfinale vom vergangenen Sommer.

Es war eine seltsame Stimmung im Borussia-Park. Die Fans schauten dem Geschehen auf dem Platz überwiegend schweigend zu. Gründe zu Euphorie lieferte die neuformierte Nationalmannschaft auch nur wenige.

Nach passablem erstem Durchgang baute die deutsche Elf nach dem Seitenwechsel und dem Doppelschlag der Australier merklich ab. Nur noch wenig lief zusammen.

Schweinsteiger enttäuscht

Das Resultat: Wie schon beim 4:0-Erfolg gegen Kasachstan im EM-Qualifikationsspiel vier Tage zuvor gab es im Borussia-Park zahlreiche Pfiffe der eigenen Fans.

Interimsmannschaftskapitän Bastian Schweinsteiger hat wenig Verständnis für das Verhalten der Anhängerschaft. "Wir spielen seit 2004 einen sehr erfolgreichen Fußball. Die Mannschaft hat es nicht verdient, ausgepfiffen zu werden", meint der 26-Jährige: "Bei der WM ist jeder dabei, wenn es gut läuft. Jeder feuert uns an. Aber wenn es dann eine Halbzeit mal nicht so gut läuft, finde ich es unverständlich, dass man dann pfeift. Das zeichnet auch nicht den wahren Fan aus."

Schürrle überzeugt

Doch das Testspiel gegen die rustikal zu Werke gehenden Australier brachte auch einige neue Erkenntnisse. So konnte aus der Garde der jungen Talente der Mainzer Angreifer Andre Schürrle einige Pluspunkte sammeln, während Marcel Schmelzer, Sven Bender, Mats Hummels oder Christian Träsch eher unauffällig blieben.

Der Bundestrainer verteidigte dann auch den Sinn der Testspiele. "Die jungen Spieler können aus solchen Spielen viel lernen und sich weiterentwickeln. Eine solche teilweise überharte Gangart, wie sie Australien an den Tag gelegt hat, erwartet die Spieler auch bei den großen Turnieren", meint Joachim Löw: "Die Spiele machen Sinn und bringen mir wichtige Erkenntnisse. Und Spieler wie ein Sven Bender, ein Mats Hummels und andere freuen sich darauf."

Australien vor der Brust, Liga im Kopf

Dennoch steht unter dem Strich eine Niederlage gegen einen international eher zweitklassigen Gegner, der dem guten Image der deutschen Nationalmannschaft nicht gerade gut tut. Das weiß auch Miroslav Klose, der im Gegensatz zum Bundestrainer die fehlende Einstellung bemängelte.

"Irgendwie lässt man es dann doch lockerer angehen", bekannte Klose ehrlich: "Das sollte nicht so sein, war aber leider der Fall."

Ganz unverständlich ist das nicht. Schließlich spukt in den Hinterköpfen der Spieler der spannende Schlussspurt in der Bundesliga. Und der ist für die meisten eben doch wichtiger als ein gutes Ergebnis gegen Australien.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski