Köln – Nach dem 4:0-Sieg gegen den SV Darmstadt 98 hat sich Hertha BSC still und heimlich als erster Verfolger des Spitzenduos Bayern/Dortmund festgesetzt. Die Mannschaft von Pal Dardai braucht am nächsten Sonntag gegen den 1. FSV Mainz nur noch einen Punkt, um auf Platz drei zu überwintern. Dabei wäre man im Mai noch beinahe in die Relegation geschlittert. bundesliga.de erklärt die Gründe für den Erfolg.

Rückblende: Nur aufgrund des besseren Torverhältnisses konnten sich die Berliner am 34. Spieltag der Saison 2014/15 auf den 15. Platz retten. Seither hat sich keine Mannschaft in der Bundesliga so verbessert. Neun Siege nach 16 Spieltagen gab es in der Vereinshistorie noch nie. Nur 1974, vor 41 Jahren, standen die Herthaner in der Tabelle noch besser da. Damals wurde man am Ende sogar Vizemeister. Doch was ist passiert in den vergangenen Monaten?

Stabile Defensive, eiskalt im Sturm

"Jeder gibt alles und das sieht man auf dem Platz", sagt etwa Marvin Plattenhardt, der sich mit einem fulminanten Freistoß in die Torschützenliste eintragen konnte. Konkret hat sich Coach Pal Dardai in erster Linie darauf verständigt, die Defensive zu stabilisieren. Seit er im Februar im Amt ist, hat nur Bayern München weniger Tore kassiert als die Berliner. Neben dem starken Innenverteidiger-Duo um John Anthony Brooks und Sebastian Langkamp sind vor allem auch die zentralen Mittelfeldspieler Per Skjelbred, Fabian Lustenberger und Vladimir Darida eher defensiv orientierte Spieler. Mit Erfolg: Nur vier Gegentreffer ließ man durch Mittelfeldspieler zu. Das ist Ligabestwert.

Zur stabilen Defensive kommt dann noch die Abgebrühtheit vor dem gegnerischen Kasten. „"Das Zusammenspiel mit ihm klappt super", sagt Vedad Ibisevic über seinen Sturmpartner Salomon Kalou, der nach einiger Anlaufzeit nun voll in Berlin angekommen ist und bereits acht Treffer auf dem Konto hat. Ibisevic, in Stuttgart zuvor nicht mehr benötigt, kommt auf sechs Tore – wohlgemerkt in nur neun Spielen. Die beiden Stürmer verfügen über viel Erfahrung, treffen im Schnitt mit jedem dritten Torschuss – auch das ist Bestwert in der Bundesliga, wo ein Stürmer sonst durchschnittlich acht Versuche für ein Tor braucht.

Alle Neuzugänge helfen sofort weiter

Auch in Sachen Einkaufspolitik kann der Hertha ein hervorragendes Zwischenzeugnis ausgestellt werden: Da wäre der auf der rechten Seite flexibel einsetzbare Mitchell Weiser, der mit vier Vorlagen bester Vorbereiter der Mannschaft ist, hinzu kommt Laufwunder Vladimir Darida – kein Spielern in der Bundesliga legt mehr Kilometer zurück (206 insgesamt) und der bereits erwähnte Vedad Ibisevic. Im Schnitt benötigt der Bosnier nur 110 Minuten für ein Tor. Auch das vielversprechende Talent Niklas Stark aus Nürnberg hatte bis zu seiner Leistenverletzung gerade einen Stammplatz erobert.

Besonders stark ist dann auch die Bilanz gegen direkte Konkurrenten: Die bisherigen Niederlagen kassierte die Dardai-Elf ausschließlich gegen die Topteams Bayern, Dortmund, Gladbach, Wolfsburg und Schalke. Gegen die Mannschaften vom siebten bis zum 18. Tabellenplatz ließ Hertha praktisch nichts liegen, holt dort 29 von möglichen 33 Punkten.

Träumen erlaubt

"Wir treten auf die Euphoriebremse, aber wir haben Träume"", sagte Pal Dardai nach dem Darmstadt-Spiel, wohl bewusst, dass man vor sieben Monaten um ein Haar beinahe in die Relegation gegangen wäre. Doch die Vorzeichen stehen diesmal ganz gut: Wenn Hertha nach 16 Spielen einen der ersten vier Plätze belegt hatte, landeten die Berliner am Ende immer in den Top-5 der Bundesliga.  

Von Karol Herrmann

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