Eine Umarmung hier, ein Abklatschen dort. Werders "Matchwinner" Diego wusste ganz genau, bei wem er sich als Erstes nach seiner UEFA-Cup-Gala im Stadio Friuli zu bedanken hatte.

"Unsere Mediziner haben Großartiges geleistet, nur deshalb konnte ich überhaupt spielen", meinte der zweifache Torschütze nach dem 3:3 (1:3)-Unentschieden des deutschen Vize-Meisters bei Udinese Calcio.

Mühen zahlen sich aus

Fast rund um die Uhr hatte man sich hinter den grün-weißen Kulissen tagelang um Diegos verhärtete Oberschenkelmuskulatur gekümmert, der Brasilianer zahlte die Rundumbetreuung mit einer Glanzvorstellung zurück: Ohne ihn hätten die Hanseaten kaum das Halbfinale erreicht, wo es nun am 30. April und 7. Mai gegen den Nordrivalen Hamburger SV um das Erreichen des Endspiels in Istanbul geht.

Dass der Südamerikaner die sportliche Wende zugunsten der Gäste vor 20.000 Zuschauern auch noch mit einem Kopfballtreffer (60. ) zum 2:3 einleitete, war das I-Tüpfelchen auf einem kunterbunten Fußballspiel, dem Werder-Trainer Thomas Schaaf "fast schon zu viel Unterhaltungswert" attestierte. Wann er zuletzt per Kopf getroffen habe, konnte Diego auch nach längerem Nachdenken nicht mehr genau sagen: "Irgendwann vor mehreren Jahren für den FC Santos."

Kabinenpredigt

Doch Diego allein wäre nicht genug gewesen für den fünften Europapokal-Einzug in eine Vorschlussrunde, den Gästen stand auch mehrfach das Glück zur Seite. Speziell in der ersten Halbzeit fehlte die Ordnung in der Defensive und so hatten die Platzherren schon nach 45 Minuten ihren 1:3-Rückstand aus dem Hinspiel aufgeholt. Fabio Quagliarella (30. und 38.) sowie Gökhan Inler (15. ) trafen für Udine, Diegos erstes Tor (28.) hielt die Norddeutschen einigermaßen im Spiel.

"Da sind dann in der Pause eindeutig deutliche Worte gefallen", berichtete später Nationalspieler Per Mertesacker. Sicher fühlen durften sich die Bremer aber erst, nachdem Claudio Pizarro mit seinem sechsten Europacup-Tor in der 73. Minute den Endstand hergestellt hatte. Da fiel es dann auch nicht mehr ins Gewicht, dass Diego 60 Sekunden zuvor mit einem an ihm selbst verursachten Foulelfmeter an Udines Torhüter Samir Handanovic gescheitert war.

Nicht den Überblick verlieren

Der Bundesliga-Zehnte hat nun in den vier Nordderbys binnen 17 Tagen gegen den HSV die Chance, eine bislang eher enttäuschende Saison noch mit zwei Pokalsiegen abzuschließen, darf dabei aber nicht den Überblick verlieren. "Da muss man dann ja aufpassen, in welchem Wettbewerb man gerade spielt", flachste Coach Schaaf. Ihm sei verdeutlicht: Die inoffizielle Play-off-Serie beginnt am 22. April in Hamburg mit dem Halbfinale des DFB-Pokals.

Niedersachse Mertesacker jedenfalls freut sich unbändig auf die vier regionalen Duelle: "Das ist eine kuriose, aber irgendwie auch einmalige Konstellation, da geht mir als Norddeutschem das Herz auf." Sportlich müsse man sich vor dem Bundesliga-Zweiten von der Elbe nicht fürchten: "Wir wollen jetzt zupacken. Für uns spricht, dass wir international auswärts noch kein Spiel verloren haben."

Mit einem Augenzwinkern malte sich Sportdirektor Klaus Allofs ein denkbares Szenario aus, mit dem man vielleicht sogar beim HSV nicht unzufrieden wäre: "Wir holen zwei Pokale und der HSV wird Meister. Damit könnte ich zur Not leben."