Berlin – Alt, aber gut – unter diesem Motto könnte der Berliner 16-Tore-Sturm aus Vedad Ibisevic und Salomon Kalou stehen. Mit Mitchell Weiser ist nun auch noch einer von den Jungen bei Hertha BSC wieder zurückgekehrt.

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Sololauf Vedad Ibisevic, kluger Querpass auf Salomon Kalou, der nur noch einzuschieben braucht – beim 1:0-Führungstreffer gegen den BVB zeigte der Oldie-Sturm der "Alten Dame" seine ganze Klasse. Der 31-jährige Ivorer und der 32-jährige Bosnier – ohne sie könnte Hertha BSC den Laden vorne zu machen. Zusammen erzielten sie diese Saison 16 Tore und damit die Hälfte aller Berliner Treffer. In der vergangenen Spielzeit waren es am Ende sogar 24 von 42 Buden, die auf das Konto der beiden gingen.

Starker Kalou

"Ich hoffe, dass uns so ein Spiel viel Selbstvertrauen für die nächsten Wochen gibt", sagte Ibisevic über den ersten Dreier in dieser Saison gegen ein Topteam. Ibisevic hatte diese Saison schon eine Durststrecke zu überwinden, nach Vertragsverlängerung und Doppelpack gegen Mainz im November litt der Torjäger unter Ladehemmung. Sieben Spiele dauerte es, eher der "Vedator" seinen Spitznamen wieder alle Ehre machte und seinem Team ausgerechnet gegen die Bayern mit einem Treffer zumindest einen Punkt sicherte.

Video: Wichtiger Vedator

Auch Ibisevic' kongenialer Partner Kalou, der inzwischen zumeist etwas zurückgezogen über den Flügel kommt, kennt diese Phasen, wenn der Ball partout nicht ins Tor will. Sechs Partien waren es vor dem Dortmund-Spiel gewesen, in denen der Ivorer leer ausgegangen war. Umso großartiger wirbelte er am Samstag durch die BVB-Abwehr, gab fünf Schüsse ab, die meisten aller Spieler, und entschied starke 69 Prozent der Zweikämpfe für sich.

Schieber und Duda fehlen lange

Für den Champions-League-Sieger von 2012 besteht das Problem der Hertha aber gar nicht so sehr in der Schwierigkeit, die "Großen" zu schlagen, sondern vielmehr, dass gegen die "Kleinen" zu wenig gelingt. "Teams wie Hamburg, die derzeit vielleicht nicht um die Europapokalplätze spielen, aber um ihren Verbleib in der Bundesliga kämpfen – gegen die ist es schwer zu spielen", so Kalou.

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Immerhin, nachdem es mit dem Saisonaus für Julian Schieber nach Knie-OP und dem erneuten Ausfall des gerade fit gewordenen Neuzugangs Ondrej Duda für drei bis vier Wochen wegen eines Muskelfaserrisses erst jüngst zwei Langzeitverletzte in der Offensive zu beklagen gab, hatte das Dortmund-Spiel auch in dieser Hinsicht eine gute Nachricht parat: Mitchell Weiser, der als offensiver Außenbahnspieler in der Hinrunde zu den besten Herthanern zählte, hatte seit Mitte Dezember nicht mehr spielen können. Damals, beim 0:2 in Leipzig, musste er schon nach elf Minuten vom Platz. Eine Nervenirritation im Rücken, die in den Oberschenkel ausstrahlte, legte den Youngster für mehrere Monate lahm.

© imago / Contrast

Nun also endlich das Comeback, als der 22-Jährige gegen den BVB in der 66. Minute eingewechselt wurde – für Ibisevic, der darüber nur mäßig glücklich schien. Dennoch freute sich auch der Kapitän, dass die Leidenszeit des Kollegen endlich vorbei ist. "Jeder weiß, dass Mitch ein wichtiger Spieler für uns  ist." Weiser komme zum richtigen Zeitpunkt zurück, so Ibisevic.

Dardai: "Weiser macht den Unterschied"

Auch Trainer Pal Dardai hatte ein Sonderlob für den Rückkehrer, der den Freistoß vor dem 2:1-Siegtreffer herausholte, parat: "Man hat gesehen, dass er bei uns den Unterschied macht." Und möglicherweise sogar besonders motiviert ist, wenn es am kommenden Samstag zum 1. FC Köln geht. Die Domstädter sind nicht nur Tabellennachbarn der Berliner – Hertha ist Fünfter, Köln Siebter –, sie sind auch die fußballerische Heimat Weisers. Hier spielte schon Vater Patrick und hier machte Sohn Mitchell vor fünf Jahren sein Bundesligadebüt, ehe er über den Umweg Bayern München 2015 zu Hertha BSC kam.

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo